FAN-BEITRAG Auch sein gutes Spiel verhindert die Niederlage nicht: Nigel Bier (l.) hier gegen Mirko Dismer. © Pförtner

05 ganz nah am Abgrund

Abstiegsgefährdeter Oberligist verliert Heimspiel gegen Germania Egestorf-Langreder mit 1:4

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Göttingen. Das könnte es schon gewesen sein für den 1. SC 05: Nach einem erneuten Einbruch in der zweiten Hälfte verliert der stark abstiegsgefährdete Fußball-Oberligist sein Heimspiel gegen den neuen Tabellenvierten 1. FC Egestorf-Langreder mit 1:4 (0:1). Damit hat der Tabellenvorletzte bei sechs verbleibenden Spielen nach wie vor einen Rückstand von acht Punkten auf das rettende Ufer. Was aber mindestens ebenso schwer wiegt: Sollte sich die Zahl der Absteiger doch noch auf drei oder sogar zwei reduzieren, beträgt der Rückstand auf den Drittletzten nunmehr sieben Zähler, weil Bückeburg sein Spiel in Celle mit 2:0 gewonnen hat.
Dabei beginnt  die Partie für 05 vor 335 Zuschauern im Jahnstadion wie bereits in der Vorwoche in Lüneburg verheißungsvoll – nur kann der Gastgeber gar nicht so viel dafür: Gästespieler Joshua Siegert überläuft bei einem Steilpass 05-Verteidiger Christian Horst und profitiert danach noch von einem Missverständnis zwischen dem Göttinger Kapitän und Torwart Moses Ojugo. Siegert steht nun in acht Metern Entfernung vor dem leeren 05-Gehäuse und schiebt den Ball freistehend an den rechten Außenpfosten (11.) – wer in solchen Szenen keine Gegentreffer kassiert, muss doch eigentlich die Klasse halten.
Das denken sich die Zuschauer, und in der Tat wird Göttingen in einem schwachen Spiel gegen einen Gegner, der entgegen der Verlautbarungen vor der Partie doch in Bestbesetzung antritt, etwas stärker, insbesondere über die Außenpositionen. Die Gäste wirken überdies anfällig bei Diagonalbällen der 05er in die Spitze. Nach einer Volley-Abnahme über das Tor (25.) hat der agile Nigel Bier in der 38. Minute damit Erfolg: Er schüttelt seinen überforderten Gegenspieler ab und trifft rechts unten zum 1:0. Kurze Zeit später schlenzt Bier über das rechte Toreck, Philipp Bruns hätte in dieser Szene besser selbst geschossen (40.).
Was jedoch bereits vor der Pause auffällt: Der Gastgeber spielt mit hoher Fehlpassquote und agiert zweikampfschwach, kommt dadurch oftmals zu spät und kassiert zum Unmut von 05-Coach Najeh Braham etliche Freistöße. Außerdem macht sich in der zweiten Hälfte die Lufthoheit der Gäste bemerkbar. An einen Rammbock erinnernd, schrauben sich bei einem Eckball drei Germania-Akteure in die Höhe, der Gastgeber kann nicht klären, und Marvin Stieler ist aus dem Gewühl heraus im Nachschuss erfolgreich (52.). „Ich wusste, dass wir bei Standards ein Übergewicht haben würden“, sagt Germania-Coach Jan Zimmermann später.
Nun hat 05 noch genau eine hundertprozentige Chance, dem Spiel eine Wende zu geben, doch Stürmer Grzegorz Podolczak versucht in der 1:1-Situation gegen Egestorf-Keeper Jan Bornschein den Beinschuss, statt den Mitspieler zu bedienen (53.), und scheitert. „Da muss er den Ball einfach abgeben“, schimpft Braham hinterher.
In der Folge wird 05 auf breiter Front immer schwächer. Beim 1:2 – wieder ein Kopfball nach Eckball – wird Thorben Schierholz völlig allein gelassen (63.). „Auf geht’s 05, kämpfen und siegen“, skandieren die treuen Fans, doch es geht nichts mehr. Zudem bringt sich Schiedsrichter Sören Steeg aus Flensburg mit merkwürdigen Abseitsentscheidungen und einem umstrittenen Foulelfmeter in die Bredouille: Das lange Bein von Alexander Burkhardt berührt im Duell mit Stieler den Ball, doch es gibt Rot wegen Notbremse, und Sebastian Böning lässt sich die Chance zum 1:3 nicht nehmen (84.).
Der endgültige Zusammenbruch ist dann der Treffer zum 1:4, als sich Yahya Timocin, der erstmals seit langer Zeit aushilft, sang- und klanglos überlaufen lässt. Lukas-Jonathan Kelle verwertet das Zuspiel von Schierholz eiskalt (88.). Für 05-Trainer Braham, der vor dem Ausgleich ein Handspiel gesehen hat, ist vor allem der Schiedsrichter schuld. „Ihr macht die Jungs kaputt“, ruft er dem Gespann in die Kabine nach. „Das ist nicht mehr normal“, sagt er und glaubt, dass sich die Referees gegen 05 verschworen haben. „Was hat Göttingen denen getan?“
Gedanken an den Klassenverbleib sind kurz nach dem Spiel weit weg. „Jedes Wochenende führen wir, dann verschenken wir das Spiel, weil der Schiri gegen uns pfeift“, schimpft Braham. 05 hat jetzt die meisten Gegentreffer der Liga zu verzeichnen. Aus dem sportlichen Aufschwung droht ein Abschwung zu werden.
05: Ojugo – Burkhardt, Horst, Keseling, Timocin – Dogan, Hesse, Förtsch (68. Ludwig), Bier – Bruns (78. Murati), G. Podolczak (76. K. Podolczak). – Tore: 1:0 Bier (38.), 1:1 Stieler (52.), 1:2 Schierholz (63.), 1:3 Böning (84./FE), 1:4 Kelle (88.). – Bes. Vorkommn.: Rot für Burkhardt wegen Notbremse (84.).

I. SC Göttingen 05 VfL Osnabrück II-MTV Gifhorn (09/04/2017 17:00) Oberliga Niedersachsen (Herren) Region/Göttingen-Eichsfeld I. SC Göttingen 05 (Herren)

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