Sportplatz Fuchshain mit Maßen Alles nur nicht rechteckig: der Platz des Fuchshainer SV. © Frank Schmidt
Sportplatz Fuchshain mit Maßen

16 Meter Längenunterschied: Beim Fuchshainer SV rollt der Ball übers Trapez

In Fuchshain sind die Fußballer auf einem Trapez unterwegs. Jedenfalls gleicht ihr Platz dem geometrischen Gebilde. Der heilige Rasen des Sportvereins ist der wohl kurioseste im ganzen Sachsenland – wegen seiner unterschiedlich langen Seitenlinien.

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Fuchshain. Schon lange vorm Punktspiel läuft Dennis Lorenz immer zu großer Form auf: Der Spieler der ersten Mannschaft des Fuchshainer Sportvereins kreidet Tor- und Strafräume, Grund-, Mittel- und Seitenlinie ab. Dabei meistert er gewissermaßen die Quadratur des Kreises. Denn der Fußballplatz in Fuchshain bei Naunhof ist der wohl kurioseste im Sachsenland. Ganz zu schweigen davon, dass er winzig klein ist, hat er noch dazu die Form eines Trapezes – die eine Seitenlinie ist 87 Meter lang, die gegenüberliegende 71 Meter kurz. Den rechten Winkel sucht der Platzwart mit Kreidewägelchen also vergeblich.

Wenn man sich vorstellt, dass manche Plätze 120 Meter lang sind, ist Fuchshains heiliger Rasen also nur gut halb so groß. Kein Wunder, dass sich die Gastmannschaften gehörig umstellen müssen, um sich nicht selber auf die Füße zu treten. Weil der gegnerische Kasten zum Greifen nahe ist, würde Bayern-Keeper Manuel Neuer hier sogar mit gebrochenem Fuß zu Torschützenehren kommen. Weil Spieler in Fuchshain nur den Bewegungsradius eines Bierdeckels brauchen, könnte hier selbst noch ein Diego Maradona mit Havanna-Zigarre für Verwirrung sorgen. Weil er in einer Sekunde von 0 auf 100 beschleunigt, würde sich hier RB-Stürmer Timo Werner wie einst der Kleine Muck in Nullkommanix im Netz verheddern.

Holger Uhlrich ist ein alter Hase. Der 54-jährige hoppelte als linker Läufer eine halbe Ewigkeit im Zick-Zack über den Fuchshainer Platz. Er gehörte 1995 zusammen mit Jürgen „Piepe“ Sommerweiß, Harald Wagner, Bernd „Hedel“ Herrmann, Thomas „Hepi“ Hepke, Michael „Schnow“ Roßberg und all den anderen zum legendären Team, das sowohl Kreismeister als auch Kreispokalsieger wurde. Heute kickt der Mittelfeldmann noch für die Alten Herren und ist Stellvertreter von Vereinschef Michael Pöhland: „Man könnte denken, wegen der ganzen Umstände ist unsere Erste Mannschaft bei den Heimspielen in der Kreisliga A Staffel Nord klar im Vorteil. Von wegen, als Tabellensiebter ist unsere Auswärtsbilanz sogar noch etwas besser.“

Trapez-Platz hat eine lange Geschichte

Vom 28. Mai bis 5. Juni feiert Fuchshain sein 750-jähriges Jubiläum. Dann wird das Fußballfeld einmal mehr zum Festplatz. Bevor darauf das Festzelt errichtet wird, stehen sich die Traditionsmannschaften von Fuchshain und Chemie Leipzig gegenüber. So wie damals, 1979, als die Chemiker 8:2 siegten. Die Fuchshainer haben einen heißen Draht nach Leutzsch: Frank Kühne, Vorstandsvorsitzender von Chemie, war einige Zeit Trainer in Fuchshain.

Der weit und breit bekannte, beliebt und gefürchtete Fuchshainer Sportplatz hat eine lange Geschichte. Sie reicht zurück bis in die Inflationszeit. Im März 1921 hatte sich in Fuchshain der Arbeiter- Turn- und Sportverein gegründet. Die Athleten selbst waren es, die aus der Sandgrube, die als Schutthalde aber auch als Kartoffelacker genutzt wurde, einen Sportplatz machten. Über Loren wurde Baumaterial heran transportiert, um Löcher zu verfüllen und Hänge zu profilieren. Vorstandsmitglied Uhlrich: „Natürlich wussten schon unsere Altvorderen, dass der Platz eigentlich zu knapp ist. Aber sie konnten ihn wegen der angrenzenden Grundstücke gar nicht größer bauen.“ Die Gemeindeverwaltung spendierte gegen Ende des Baus für jede Arbeitsstunde 30 Pfennige. Obwohl die Sportler das Geld dringend für sich gebraucht hätten, stifteten sie es für die Errichtung des Geräteschuppens.

Bau des Fuchshainer Sportplatzes Beim Bau des Fuchshainer Platzes packten viele Hände mit an. © Holger Uhlrich

Weil der Platz den Anforderungen für höhere Ligen nicht entsprach, wandten sich die Fuchshainer 1962 schriftlich an den Rat des Kreises, mit der Bitte, einen Neubau zu fördern. Die Sportfreunde Winfried Arnold und Horst Tischer trieben das Projekt maßgeblich voran. 1967/68 nahm es konkrete Gestalt an. Demnach verpflichteten sich die Sportler zu je 30 Stunden im Nationalen Aufbauwerk, die Dorfbewohner insgesamt zu 2000 freiwilligen Arbeitsstunden. Reiner Straube fertigte erste Zeichnungen an, mit Projektion, Vermessung und Nivellierung wurde begonnen. Am Ende scheiterte das Vorhaben offiziell an Entwässerung und fehlendem Grundstück. Ein Neubau war vom Tisch.

Streit am Gartenzaun

Schon lästerten böse Zungen, in Fuchshain werde kein Fußball, sondern – in Anlehnung an Ball über die Leine – „Ball über den Zaun“ gespielt. Da sich das Haus der Familie Tanzmann unmittelbar hinterm Tor befindet, landete so manches Streitobjekt in deren Grundstück. Vorstand Holger Uhlrich: „Das war lange Zeit ein Riesenthema im ganzen Kreis. Der Generaldirektor des Chemieanlagenbaukombinates Leipzig-Grimma, Gerd Wohllebe, soll daraufhin ein Machtwort gesprochen haben. ,Das Theater in Fuchshain muss aufhören!’“

Es blieb dann auch nicht bei dieser markigen Bekundung. 1979/80 sorgte der Großbetrieb für einen noch heute intakten Ballfang: Vierzig Meter lang, zehn Meter hoch! Der riesige Maschendraht – ein Unikum für damalige Verhältnisse. Die Projektanten und Arbeiter aus Grimma leisteten ganze Arbeit, Maurer der Fuchshainer LPG halfen beim Betonieren der Hülsen.

Ballschutzwand Sportplatz Fuchshain Der Ballfangzaun sorgt für nachbarschaftlichen Frieden. © Frank Schmidt

Alles soll bleiben, wie es ist

Die Greenkeeper Stefan Achilles und Heiko Krause verwandelten den Rasen im Laufe der Zeit zu einer Art grünem Teppich. Der Fuchshainer SV ist heute mit Recht stolz auf das Geläuf, den komplett sanierten Umkleidetrakt und die einheitlich gestalteten Trainerbänke für Heim- und Gastmannschaft. „Nein, wir wollen gar nicht mehr umziehen, der Sportplatz bleibt, wo und wie er ist“, sagen die Fuchshainer trotzig. Tradition wird im Fuchshainer Verein mit seinen 180 Gymnastinnen, Tänzern und Fußballern groß geschrieben: „Seit 1983 pflegen wir die Freundschaft zu tschechischen Fußballern aus Rouchovany in der Nähe von Brno. Eberhard Drehmel und Rainer Hepner hatten das einst organisiert – noch heute besuchen wir uns gegenseitig“, sagt Thomas Dambach, Aktivist der ersten Stunde und verantwortlich für die Alten Herren.

Es habe zwischenzeitlich mal Überlegungen gegeben, den Platz zu drehen und in den Hang hineinzubauen. Auch dieser Gedanke wurde verworfen. Inzwischen sind die Rand-Naunhofer sogar ein wenig stolz auf ihren Fußballplatz. Wer noch könne schon behaupten, Kunststücke am Trapez zu vollführen? Höchstens ein Luftakrobat im Zirkus oder eben ein Fuchs am Hain.

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