08. Dezember 2018 / 20:54 Uhr

Schluss nach 22 Jahren: Das Abschieds-Interview mit Geschäftsführer Wolfgang Hotze

Schluss nach 22 Jahren: Das Abschieds-Interview mit Geschäftsführer Wolfgang Hotze

Andreas Pahlmann
Wolfgang Hotze hört nach 22 Jahren als Geschäftsführer beim VfL Wolfsburg auf.
Wolfgang Hotze hört nach 22 Jahren als Geschäftsführer beim VfL Wolfsburg auf. © Boris Baschin
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Eigentlich wollte Wolfgang Hotze schon längst nicht mehr Geschäftsführer des VfL Wolfsburgs sein, doch es fehlte sein Nachfolger. Nun ist dieser gefunden - und Hotze darf nach 22 Jahren bei den Wölfen in den Aufsichtsrat wechseln.

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Er wollte schon längst seinen Ruhestand genießen, aber Wolfgang Hotze ist keiner, der einfach so geht – schon gar nicht, wenn es keinen Nachfolger gibt. Mit der Verpflichtung von Michael Meeske war die Geschäftsführung des Wolfsburger Fußball-Bundesligisten dann komplett, und Hotze darf nun gehen, wird in den Aufsichtsrat wechseln – nach 22 Jahren beim Wolfsburger Fußball-Bundesligisten. Im Abschieds-Interview mit AZ/WAZ-Redakteur Andreas Pahlmann spricht der 66-Jährige über seine Zeit beim VfL.

AZ/WAZ-Redakteur Andreas Pahlmann (li) im Gespräch mit VfL-Geschäftsführer Wolfgang Hotze.
AZ/WAZ-Redakteur Andreas Pahlmann (li) im Gespräch mit VfL-Geschäftsführer Wolfgang Hotze. © Privat
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Herr Hotze, was für einen VfL hinterlassen Sie?

Sie fragen mich das jetzt nach zwei gewonnenen Spielen... (lacht)

Eigentlich frage ich Sie nach 22 VfL-Jahren.

Die beiden vergangenen Jahre waren die schwierigsten dieser 22, was vor allem an der sportlichen Situation lag. Jetzt sehe ich den Verein wieder auf dem richtigen Weg.

Sie haben Ihren Abschied immer wieder verschoben, haben Sie irgendwann intern mal gesagt: „Mensch, Freunde, jetzt lasst mich doch endlich mal in den Ruhestand gehen“?

So sicher nicht, aber es hätte gern ein bisschen früher passieren dürfen. Wir hatten uns um Michael Meeske ja schon Anfang des Jahres bemüht. Als das dann zunächst nicht klappte, gab es bei mir quasi eine allerletzte Verlängerung. Die hat mir dann meine Frau aber tatsächlich etwas übel genommen.

Sie haben sich nie in irgendeine Rolle gedrängt. Wie war das 1996, als Sie beim VfL anfingen? Musste man Sie da drängen?

Ich habe mich weder gedrängt gefühlt, noch habe ich mich selbst aufgedrängt. Fußball war damals ja noch eine Abteilung im Gesamtverein. Die Idee, mich dazuzuholen, kam von Wilhelm Ahrens, dem damaligen Vereins-Geschäftsführer, unterstützt durch Bernd Sudholt und Lothar Sander, der damals noch Stellvertreter des Aufsichtsratsvorsitzenden Werner Schlimme war.

Damals kannte Sie keiner, mittlerweile sind Sie eine Art öffentliche Person – haben Sie diesen Wandel bewusst erlebt?

Ich habe nie unterschieden zwischen Leuten, die mich wegen des Fußballs kannten oder aus anderen Gründen. Von daher kann ich das nicht beantworten.

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Als Sie anfingen, war der Profifußball eine Abteilung in einem Großverein, mittlerweile ist er ein mittelständiges Unternehmen in Form einer GmbH. Sie haben viele Schritte des VfL miterlebt. Welcher war der größte?

Der Bau der Arena.

Nicht die GmbH-Gründung?

Die GmbH wurde ja nicht nur wegen des Fußballs gegründet, sondern sollte auch – und vielleicht sogar vor allem – den Gesamtverein vor den Risiken des Profifußballs schützen. Deswegen war das noch kein großer Step für den Fußball. Das war dann eher der Bau des neuen Stadions. Nachdem wir uns in der Bundesliga festgesetzt hatten, war klar, dass ein Stadion kommen muss. Ich kann mich noch daran erinnern, wie wir im alten Stadion mit einer Plane und heißer Luft den Platz vom Schnee befreien mussten. Der Strom dafür war teurer als jede Rasenheizung. Das konnte kein Dauerzustand sein. Ohne VW-Arena wäre der VfL heute nicht mehr in der Bundesliga.

Sie waren stets nicht nur der Mann fürs Geld, sondern auch die wichtigste Verbindung zwischen dem VfL und VW. Den Sprung in die Bundesliga hatte Volkswagen ja nie wirklich angepeilt, nahm den Profifußball in Wolfsburg lange eher als eine Art Standortverpflichtung. Wann hat sich das geändert?

Der große Push kam durch Martin Winterkorn, 2006 und 2007. Er war sicherlich die wesentliche treibende Kraft. Das führte allerdings kurioserweise auch dazu, dass das VW-Engagement bei anderen Fußball-Klubs wie Werder Bremen oder 1860 München zum Teil professioneller betrieben wurde als beim VfL.

Wieso das denn?

Für die anderen Klubs hatten wir Leute, die sich darum kümmerten und das auch gut konnten. Ich glaube, beim VfL wollte sich von denen keiner so richtig gern einmischen, denn das war ja Chef-Angelegenheit. Der Umgang mit dem VfL war für viele bei VW darum nicht so ganz einfach.

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Mit Fußball-Fan Winterkorn an der VW-Spitze wurde der VfL 2009 Meister – hat das die Akzeptanz für den Profifußball-Standort bei VW nachhaltig und womöglich unumkehrbar erhöht?

Ja, ich glaube schon, dass das mittlerweile tatsächlich nachhaltig verankert ist. Das sieht man beispielsweise auch daran, dass VW jetzt neuer DFB-Hauptsponsor wird. Der Fußball ist – neben vielen anderen Dingen, die er auch ist – ein hervorragendes Werbemittel. Diesen Gedanken hat Martin Winterkorn im Unternehmen eingepflanzt.

Dem VfL wird immer nachgesagt, dass er finanzielle Möglichkeiten hat, die andere nicht haben. Ist er wirklich einer der am besten aufgestellten Klubs der Liga?

Der VfL liegt nicht auf den ersten zwei, drei Plätzen, aber gewiss im ersten Drittel der Liga. Ich denke allerdings, dass VW tatsächlich der größte Einzelsponsor der Bundesliga ist.

Welcher Anspruch leitet sich daraus ab? Muss der VfL ein Spitzenteam der Liga sein? Oder ist es für eine 130.000-Einwohner-Stadt nicht schon ein großer Erfolg, seit über 20 Jahren in der Bundesliga vertreten zu sein?

Mit den Möglichkeiten, die der VfL hier hat und so, wie er in der Stadt eingebunden und akzeptiert ist, muss er in der Lage sein, im ersten Drittel der Liga mitzuspielen. Sonst würden wir zu viel Geld ausgeben.

Sie werden das jetzt im Aufsichtsrat weiter begleiten und müssen sich nicht mehr um das Tagesgeschäft kümmern. Gibt es schon Pläne für die neue Freizeit?

Eine Kreuzfahrt mit guten Freunden, nächstes Jahr. Neuseeland, Südsee. Vier Wochen Urlaub am Stück hatte ich noch nie – auch nicht vor meiner VfL-Zeit.

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