Martin Kind übernimmt noch mehr Kontrolle bei Hannover 96. Martin Kind übernimmt noch mehr Kontrolle bei Hannover 96. © imago
Martin Kind übernimmt noch mehr Kontrolle bei Hannover 96.

50+1 bei Hannover 96 gekippt: Martin Kind bekommt die ganze Macht

Der Aufsichtsrat des Vereins Hannover 96 hat sich getroffen, um den letzten Schritt zu den Anteilsverkäufen zu beschließen. Die 50+1-Regel ist vereinsintern bei 96 nicht mehr existent. Das muss von der DFL allerdings noch abgesegnet werden.

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Der Weg für Martin Kind ist frei: Der Aufsichtsrat des Hannoverschen Sportvereins von 1896 e.V. hat beschlossen, 51 Prozent seiner Gesellschaftsanteile an der Hannover 96 Management GmbH an seinen Präsidenten zu verkaufen. Damit gibt der Club seinen formal letzten Einfluss auf die Profiabteilung des Bundesligisten ab – sofern die Deutsche Fußballliga (DFL) den Übernahmeplänen des 73-Jährigen zustimmt. Die Opposition droht mit Klagen.

Der Verein will nun gemeinsam mit der Privatperson Kind sowie der Hannover 96 GmbH & Co. KGaA, die bei der DFL die Lizenz für die Bundesliga beantragt, eine Ausnahmegenehmigung für die 50+1-Regel erwirken. 96 verspricht sich dadurch einen Wettbewerbsvorteil, gleichzeitig soll der Breitensport-Verein gefördert und das wirtschaftliche Risiko für den 20 500 Mitglieder zählenden Club verringert werden. So die Theorie. Die Gegner der Übernahme sehen das kritisch und kündigen Gegenwehr an. Wir klären die wichtigsten Fragen.

Warum ist Martin Kind die Übernahme der Management GmbH so wichtig?

Die Management GmbH bestellt den Geschäftsführer für die für den Profisport entscheidende Hannover 96 GmbH & Co. KGaA. Da der Verein bisher 100 Prozent der Stimmanteile besaß, lag die Geschäftsführer-Entscheidung einzig beim e.V.-Vorstand. Nicht weiter wild, da mit Kind ein Präsident an der Spitze steht, der im Sinne der Kapitalgeber entscheidet. Er ist schließlich selber einer von ihnen. Was aber passiert in der Post-Kind-Ära? Diese Unsicherheit soll nun durch den Verkauf der Mehrheit der Stimmanteile an den Privatmann und Geldgeber Kind geregelt werden. Im Klartext: Die Kapitalseite entscheidet künftig durch die Benennung der Geschäftsführung darüber, was mit ihrem Geld passiert.

Woran stören sich die Kritiker?

Zum einen fürchten sie den Einstieg von ausländischen Investoren, zum anderen steigende Ticketpreise für die Heimspiele und negative Folgen für den Breitensportverein. Auch halten sie den Verkaufswert des Mehrheitsstimmrechts in Höhe von 12 750 Euro für deutlich zu niedrig.

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Wie setzt sich dieser Verkaufswert zusammen?

Aus den vertraulichen Unterlagen geht hervor, dass Kind für die 51 Prozent 12 750 Euro überweisen will. Die „Hannover 96 Management GmbH“ hat einen festgeschriebenen Wert von 25 000 Euro. Während der Verein betont, dass es sich hierbei um eine rein operative Gesellschaft ohne Vermögen handele, spricht die Opposition von einer „lächerlich geringen Summe“. Dennis Ketels, Anwalt von Aufsichtsrat Ralf Nestler, verweist auf die Vermögenbetreuungspflichten.

Hat der Verein beim Weiterverkauf der Anteile fortan kein Mitspracherecht mehr?

Doch. Martin Kind darf seine Anteile ohne Zustimmung des Vereins nur an die Hannover 96 Sales & Service GmbH verkaufen, also an seine drei Kapitalpartner Gregor Baum (16,11 Prozent), Dirk Roßmann (19,76) und Matthias Wilkening (11,4). Für einen Weiterverkauf müsste ebenfalls zunächst der Verein zustimmen. „Der Profifußball bei 96 wird also auch in Zukunft von regionalen Gesellschaftern gelenkt, die den Verein 1998 vor der Insolvenz gerettet haben“, heißt es von 96.

Welche Folgen hat die Übernahme für den Breitensport?

Neben dem Mitspracherecht beim Verkauf der Anteile bekommt der Breitensport von der Kapitalseite eine Bürgschaft für einen Kredit für das 10 Millionen Euro teure Vereinssportzentrum an der Stadionbrücke. Die eine Hälfte stemmt der Verein aus Eigenkapital, die andere mit Hilfe der Bank. Kommt es zu Schwierigkeiten bei der Rückzahlung, springt die 96 Sales & Service ein. Darüber hinaus soll der Breitensport über 20 Jahre jährlich eine Spende von 75 000 Euro erhalten (insgesamt 1,5 Millionen Euro), zudem wird der e.V. an Markenrechten und Anteilsverkäufen beteiligt, erhält ein Vorkaufsrecht und bekommt zwei Posten im Aufsichtsrat des Profifußballs. Von Vereinsseite heißt es dazu: „Der Verein erhält durch eine Ergänzung des bestehenden Grundlagenvertrages, Patronatserklärung und Fördervereinbarung ein stabiles wirtschaftliches Fundament für die Zukunft. Als größter Verein in Hannover kann er damit noch stärker den Breitensport fördern, ohne wirtschaftliche Risiken im Profibereich eingehen zu müssen.“

Auf der Mitgliederversammlung wurde ein Antrag beschlossen, der von Kind fordert, über seine Übernahmepläne abstimmen zu lassen. Was ist damit?

Nestlers Anwalt Dennis Ketels sieht in der Entscheidung der Mitgliederversammlung, die mit fast 70 Prozent dem Antrag zustimmte, einen klaren Auftrag an Kind und den Vorstand. Der 96-Präsident selbst hingegen erachtet das Votum als Empfehlung und orientiert sich an der gültigen Satzung. Der Anwalt dazu: „Man muss zwischen Außen- und Innenverhältnis entscheiden. Nach Außen darf der Vorstand als gewähltes Organ handeln. Im Verhältnis zu seinen Mitgliedern ist er jedoch gebunden.“

Ein Streitpunkt sind die Rechte an der Marke 96. Wie geht es hier weiter?

Die Mitgliederversammlung hat den 96-Vorstand aufgefordert, die Markenrechte von der Kapitalseite (Sales & Service) für die festgeschriebene Summe von 1,3 Millionen Euro zurück zukaufen. So sollen die Einnahmen für den Verein garantiert werden. Der reelle Wert der Marke liegt Schätzungen zufolge bei etwa 70 Millionen Euro. Im Grundlagenvertrag, der 2014 zwischen Verein und Geldgebern abgeschlossen wurde, heißt es dazu: Die Kapitalgesellschaft sichert die Markenrechte, der Verein kann sie kostenlos nutzen.“

Fussball Bundesliga Hannover 96 (Herren) Region/Hannover

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