12. April 2018 / 08:17 Uhr

65 Jahre Dynamo Dresden - turbulente Jahre voller großer Siege und bitterer Niederlagen

65 Jahre Dynamo Dresden - turbulente Jahre voller großer Siege und bitterer Niederlagen

Jochen Leimert
Von tiefer Trauer bis Extase: Die SG Dynamo Dresden und ihre Fans bekamen durchlebten in ihrer 65-jährigen Geschichte die ganze Gefühlspalette.
Von tiefer Trauer bis Extase: Die SG Dynamo Dresden und ihre Fans bekamen durchlebten in ihrer 65-jährigen Geschichte die ganze Gefühlspalette. © Archiv
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Am Donnerstag feiern die Schwarz-Gelben Geburtstag. Für Jochen Leimert die Gelegenheit, auf die wechselvolle Club-Geschichte zurückzublicken und sich bei einem Stadtrundgang auf historische Dynamo-Spuren zu begeben.

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Dresden. Am 12. April 1953 wurde die Traditionsmarke Dynamo Dresden geboren. Der achtfache DDR-Meister und siebenmalige FDGB-Pokalsieger, bereits 1950 als Volkspolizei Dresden gegründet, durchlebte turbulente Zeiten, feierte national und international Erfolge, fand sich aber auch zweimal in der vierten Liga wieder. In den 65 Jahren, in denen Dynamo Dresden ein Begriff auf der europäischen Fußball-Landkarte wurde, sorgte die von so namhaften Trainern wie Helmut Petzold, Kurt Kresse, Walter Fritzsch, Gerhard Prautzsch, Klaus Sammer und Eduard Geyer betreute Mannschaft immer wieder für Aufsehen auf der großen Bühne zwischen Liverpool, Rom und Moskau: 98 EC-Spiele sind eine stolze Bilanz, der Dresdner Kreisel wurde berühmt und oft kopiert. Allerdings wartet der Verein seit 1991 auf das 99. Cup-Spiel, der aktuelle Zweitligist hat den Traum aber nicht aufgegeben und als Ziel in sein 2017 veröffentlichtes neues Leitbild aufgenommen. In der Landeshauptstadt Sachsens ist die SGD fest verankert, Spuren finden sich überall in Elbflorenz. Dresden ist Dynamo-Land.

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Kampf ums Überleben

Die Schwarz-Gelben, die erst seit 1968 in den Dresdner Stadtfarben spielen, haben in den Jahrzehnten ihrer bewegten Geschichte große Spieler hervorgebracht: Hans-Jürgen Dörner, Hans-Jürgen Kreische, Reinhard Häfner, Ulf Kirsten, Matthias und Klaus Sammer, Siegmar Wätzlich, Gert Heidler, Hans-Uwe Pilz, Ralf Minge, Jörg Stübner, Jens Jeremies oder Alexander Zickler - die Liste der Nationalspieler mit Ausbildung in Dresden lässt sich noch lange fortsetzen. Sie alle haben das Ansehen des Dresdner Fußballs geprägt, Generationen von Fans in die Arena am Großen Garten gelockt. Der zweimalige Doublesieger in der DDR und ehemalige Bundesligist (1991-1995) stand nach der Wende harte Jahre durch, überlebte unter Trainer Sigfried Held einen Vier-Punkte-Abzug, konnte aber die Eliteklasse aufgrund wirtschaftlicher und struktureller Defizite nicht halten. Glücksritter aus dem Westen wie Rolf-Jürgen Otto erlangten traurige Berühmtheit, der einst als Hoffnungsträger gefeierte Hesse scheiterte als Präsident und riss den Verein mit in den Abgrund. Er schimpfte gern auf "Tuba-Bläser" und war selbst der lauteste von ihnen. Der Lizenz-Entzug für Dynamo 1995 und die Versetzung von der 1. Liga in die Regionalliga war ein Novum im deutschen Fußball. "Hansi" Kreische baute in der dritten Liga als Trainer eine neue Mannschaft ohne große finanzielle Mittel auf, doch der Wiederaufstieg gelang nicht: "Ich kann aus Scheiße keine Bonbons machen", fluchte der frühere Torjäger entnervt, als er die hohen Erwartungen nicht erfüllen konnte. Vielen Trainern nach ihm ging das nicht anders, kaum einer hielt sich lange auf dem Schleudersitz.

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In den späten 90er Jahren kämpfte der Verein ständig ums Überleben, stand mehrfach vor der Insolvenz. Der Filmrechte-Händler Michael Kölmel rettete Dynamo um die Jahrtausendwende vor der Pleite, doch seine Millionen brachten dem Verein keinen Segen. Sie waren als Hilfe zur Selbsthilfe gedacht, doch sie wurden letztlich verschleudert. Krasse Fehlentscheidungen führten zu neuen Problemen und der Schuldenberg wuchs. Selbst die Fans blieben zeitweise weg, der nach der Wende wiedergegründete Dresdner SC überholte den Rivalen sportlich. 2004 schrammte der Verein um ein Haar erneut an der Pleite vorbei, doch unter Trainer Christoph Franke und der "Chemnitz-Connection" ging es sportlich aufwärts. Nach zwei Aufstiegen kehrte der zeitweilig sogar in die viertklassige Oberliga abgesackte Club 2004 ins Profigeschäft zurück. Zwei Jahre in der 2. Bundesliga reichten aber nicht, um den Verein zu konsolidieren, der auch immer wieder mal unter Krawallen gewalttätiger Angänger zu leiden hatte. Viel zu spät bekam er ein modernes Stadion, das nicht nur neue Chancen bot, sondern dank einer extrem hohen Miete auch eine Herausforderung darstellte.

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Drei Punkte zum Geburtstag?

Ein Millionen-Kredit der Stadt rettete Dynamo vorm Aus, ein später Aufstieg in der Saison 2010/11 verhalf der Mannschaft unter Trainer Ralf Loose zu einer neuen Chance in der 2. Bundesliga. Doch schon nach drei Jahren ging es nach einer bitteren 2:3-Niederlage gegen Bielefeld am letzten Spieltag der Serie 2013/14 wieder runter. Der Umbruch unter dem neuen Sportchef Minge war danach radikal, doch 2016 gelang mit Trainer Uwe Neuhaus die Rückkehr ins Unterhaus. Im ersten Jahr zurück in der 2. Liga sprang sensationell Platz fünf heraus, obwohl wichtige Spieler den Verein verlassen hatten. Im zweiten Jahr kämpft die SGD derzeit gegen den Abstieg, doch die Chancen auf den Ligaverbleib sind fünf Spieltage vor Saisonende intakt.

Am Sonnabend erwartet Dynamo den Tabellendritten Holstein Kiel - und will den Fans zum Jubiläum einen Heimsieg schenken. Der wird dringend gebraucht, denn ein Abstieg am Ende der Spielzeit wäre fatal für den Club, der sich gerade von seinen Altlasten befreit hat und sich Schritt für Schritt wieder nach oben kämpfen will. Ein wegweisendes Projekt ist das neue Trainingszentrum, das in Kürze gebaut werden soll. Ein würdiges Geschenk an den Verein, der am 12. April 2018 das Rentenalter erreicht hat, aber mit 21.769 Mitgliedern immer noch wächst und viele junge Leute anzieht. Dynamo ist in wie in seinen besten Zeiten, die Kartennachfrage riesig. Selbst der Ausbau des neuen Stadions, das 2009 eröffnet wurde, ist nicht nur ein Thema an den Stammtischen, sondern auch bei der Stadion-Projektgesellschaft, dem Verein und der Stadt.

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