07. September 2018 / 22:00 Uhr

Abenteuer bei Mr. Beane: Mike-Steven Bähres Schritt zum FC Barnsley

Abenteuer bei Mr. Beane: Mike-Steven Bähres Schritt zum FC Barnsley

Dirk Tietenberg
Twitter-Profil
Zwei Ex-96er auf der Insel: Mike-Steven Bähre (li) und sein Trainer Daniel Stendel wollen mit dem FC Barnsley in die zweite Liga aufsteigen.
Zwei Ex-96er auf der Insel: Mike-Steven Bähre (li) und sein Trainer Daniel Stendel wollen mit dem FC Barnsley in die zweite Liga aufsteigen. © Clint Hughes/Getty Images/Schrödter/imago (Montage)
Anzeige

Eine Minute später und Mike-Steven Bähre wäre nicht zum FC Barnsley gewechselt. Beim englischen Drittligisten trifft Bähre auf einen alten Bekannten und den wohl berühmtesten Manager der Welt.

Buzzer deine Meinung!
  • Fail
    -
    Fail
  • Läuft
    -
    Läuft
  • Krass
    -
    Krass
  • WTF
    -
    WTF
  • Kopf Hoch
    -
    Kopf Hoch
  • Peinlich
    -
    Peinlich
Anzeige

Der Drittligist Barnsley FC hatte einen Fahrer geschickt, um einen neuen Spieler von Manchester Airport abzuholen. Einen gewissen „Mike-Steven“ aus Deutschland. Nachname „Bähre“ mit Umlaut „Ä“. „Mein Englisch ist nicht perfekt“, muss Mike-Steven zugeben. Der Fahrer kam aus Bradford, 30 Meilen nördlich von Barnsley gelegen. Während der knapp anderthalb Stunden linker Spur von Manchester zum Oakwell Stadium in Barnsley warnt der Fahrer den neuen Deutschen vor dem Kauderwelsch, das die Menschen sprechen. „Er sagte mir: Die aus Barnsley, die haben einen brutalen Akzent“, sagt Bähre. „Und deshalb sind sie schwer zu verstehen.“

Bähres Reise ins Ungewisse begann vor acht Tagen, am 31. August, dem „Deadline Day“, nach 18 Uhr darf an diesem Tag kein Spieler mehr transferiert werden. „Es war 17.59 Uhr“, bestätigte der 96-Manager Host Heldt. Eine Minute später und er hätte ein weiteres Jahr bei Hannover 96 in der Regionalliga oder auf der Bank verbracht. Trainer André Breitenreiter hatte Bähre nochmals zum Wechsel geraten. Nicht, weil Breitenreiter ihn loswerden wollte. „Als Mensch habe ich mit ihm geredet“, erzählte Breitenreiter. Der Mensch Bähre ist Garbsener, unkompliziert, wissbegierig, ehrgeizig und neugierig. Aber Barnsley?

Ob in Hannover geboren, als Talent verpflichtet oder Stammkraft im 96-Nachwuchs: Diese Talente schafften ihren Durchbruch nicht bei 96 und verdienen jetzt woanders mit dem Fußball ihr Geld.

Zur Galerie
Anzeige

Stendel wusste selber nicht, wie Barnsley auf ihn kam

„England? Klar“, sagt Bähre. „England guckt jeder, da wird der attraktivste Fußball gespielt.“ Das erste Spiel, ein 2:1 im Pokal gegen Viertligist Oldham, „war ordentlich von mir, so war auch die Rückmeldung“, sagt Bähre. Ein Tor erzielte er beinahe, aber der Winkel war spitz, der Torwart parierte. „Ich habe auf der Zehn gespielt, meine Lieblingsposition“, sagt der Mann, der bei 96 und den Leihstationen Halle sowie Meppen allzu oft die Außenbahn rauf und runter lief. Sein vielleicht bestes 96-Spiel machte er in einem Test im Sommer 2017 in Kärnten. Er spielte Zehner gegen Lekwhyia Sports Club aus Katar: Ein 4:0, ein Bähre-Tor, ein klasse Spiel, das kaum jemand sah.

In Barnsley steht Bähre unter Beobachtung. Ein Jahr ist er geliehen, anschließend hat Barnsley eine Kaufoption. Sein Förderer Daniel Stendel wird ihm dort als Trainer beim Drittligisten helfen. Barnsley will, muss wieder aufsteigen. Der Investor Billy Beane, ein berühmter Baseball-Manager, der das Scouting-System „Moneyball“ erfand, castet Trainer und Spieler per Statstik-Software. Stendel erzählte mal im internen Kreis, dass er auch nicht wusste, wie Barnsley ausgerechnet auf ihn kam. Die Antwort ist einfach. Nach Parametern der Moneyball-Software warf der Computer Stendel aus – als passenden Trainer für die Club-Idee von Tempo und Gegenpressing. Barnsley holte Stendel, um die dritte Liga zu überrennen. Nun steht Barnsley mit oben und ist nach sechs Spieltagen ungeschlagen.

Mehr zu Hannover 96

​"Es war das, worauf ich am meisten Bock hatte"

Bähre fühlt sich fit und startklar für das Abenteuer bei Mr Beane. Den Film über Beanes Lebenswerk, „Moneyball“ mit Brad Pitt, „schaue ich mir auf jeden Fall an.“ Am besten in englischer Sprache. Die war dann doch nicht das Problem, wie Bähre befürchtete. „Ich kann mich unterhalten, ich verstehe fast alles, es sei denn, jemand verschluckt Wörter, dann wird’s schwer.“ Aber Bähre „fragt dann einfach nach“. Fragen muss er häufiger, zum Beispiel nach Alternativen zum British Breakfast mit Toast, Speck und Bohnen in Tomatensauce. „Nicht mein Fall, aber ich kann ja was anderes nehmen.“ Der Garbsener Junge ist in dem neuen Umfeld auf sich gestellt. „Ich bin alleine hier. Meine Freundin studiert in Hannover, sie kommt in der studienfreien Zeit rüber. Meine Eltern haben sich schon angemeldet. Hier wird ja auch am Boxing Day über Weihnachten gespielt. Da will die Familie komplett hier sein.“

Bähre hätte es etwas einfacher haben können. „Klar ist das ein großer Schritt, anderes Land, andere Sprache“, gibt er zu. „Aber es war das, worauf ich am meisten Bock hatte, was ich unbedingt wollte: Spielen um den Aufstieg, was Großes erreichen.“ Schon am Samstag im Spitzenspiel gegen das ebenfalls ungeschlagene Walsall schmeißt sich Bähre ins nächste Abenteuer, drei Tage nach seinem Debüt. Er klingt so, als sei für ihn ein Traum wahrgeworden. „Besser“, sagt Bähre, „gehts doch gar nicht.“

Die aktuellen TOP-THEMEN

Mehr Fußball aus der Region

Mehr Fußball vom Sportbuzzer

Anzeige
Sport aus Hannover
Sport aus aller Welt