19. Mai 2016 / 09:34 Uhr

Abstieg und Insolvenzgefahr: FFV Leipzig hofft auf RB

Abstieg und Insolvenzgefahr: FFV Leipzig hofft auf RB

Petrick Frenzel
Symbolbild
Symbolbild © Imago/Rust
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Leipziger Frauen-Fußball steht vor einer Zäsur

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Leipzig. Es war eine Saison zum Vergessen für den FFV Leipzig: sportliche Pleiten, Schulden und kein Ende der Gerüchte um eine bevorstehende Insolvenz. Am Sonntagnachmittag saßen die Spielerinnen nach der hohen 2:11-Niederlage in Cloppenburg dann weinend auf dem Rasen. Am letzten Spieltag rutschten die Leipziger Fußballerinnen noch auf den vorletzten Zweitliga-Platz ab, müssen dadurch runter in die Regionalliga. Jeder Abstieg tut weh, doch so mancher bietet auch eine Chance. Zumindest, falls der große Männer-Nachbar hilft…

„Den einen Punkt, der gefehlt hat, hätten wir garantiert geholt, wenn nicht die ganze Unsicherheit da gewesen wäre, wie es weitergeht“, erklärt Trainer Frank Kayser, 51. Das Team hatte sich trotz der längst öffentlichen und intern spürbaren finanziellen Schieflage bis Mitte April eine gute Ausgangslage dafür erarbeitet, zumindest über die Relegation die Zweitklassigkeit zu erhalten. In der Woche nach dem 1:0-Erfolg gegen den direkten Konkurrenten Blau-Weiß Hohen Neuendorf wurde der Mannschaft von Vereinsseite reiner Wein eingeschenkt. „Das Problem hat im Kopf gesteckt. Viele wussten nicht, wie es für sie weitergeht, was sie persönlich nach dieser Saison machen sollen“, meint Kayser.

Trotz der Schuldenlast von über 160 000 Euro laufen im Hintergrund Bemühungen, eine Zahlungsunfähigkeit abzuwenden. „Eine Insolvenz ist nicht geplant“, bestätigt der FFV-Vorstandsvorsitzende Bernd Wickfelder und fügt an: „Weitere Angaben kann ich nicht machen, da ich sowohl mein Sponsoring als auch mein Amt zum 30. Juni niederlege.“

Nach LVZ-Informationen gibt es hinter den Kulissen aber schon seit Längerem ernsthafte Gespräche, dass Männer-Bundesligist RB Leipzig die Nachwuchsabteilung übernehmen soll. Dadurch sollen die Kosten, die das Mädchen-Nachwuchsleistungszentren entfacht, ausgelagert werden können. Diese Variante wäre für beide Seiten auch deswegen sinnvoll, weil die B-Juniorinnen des FFV – übrigens durch einen 1:0-Erfolg in der ersten Aufstiegsrelegation gegen RB – Ende Mai noch die Chance auf den Aufstieg in die Nachwuchs-Bundesliga haben.

"Wenig Werbefläche"

RB wird sich vielleicht dem Nachwuchs widmen, möchte aber keinesfalls die Frauenmannschaft übernehmen. Deshalb kündigt FFV-Vereinssprecher Christoph Lippold an: „Wir werden in einer abgespeckten Form mit einem Team in der Regionalliga an den Start gehen.“ Bernd Wickfelder hält es für möglich, dass man sich dann mit den Gläubigern einigt, wie die Verbindlichkeiten abgebaut werden können.

Der Vorsitzende bedauert nach wie vor, dass RB nicht komplett in den Damenfußball einsteigt. „Das wäre schon vor drei Jahren die beste Lösung gewesen – finanziell und sportlich. Mit dem Preis eines Bundesliga-Spielers im Monat könnte RB bei den Frauen in kurzer Zeit in der Champions League mitspielen“, glaubt Wickfelder. Aber natürlich müsse man bedenken, dass Frauenfußball selbst dann wenig Werbefläche abwerfe – und RB habe sich „irgendwie für den Weg aus der Landesklasse gemeinsam mit dem Leipziger FC entschieden“.

Der Frauenfußball in Leipzig steht nach dem Umbruch vor drei Jahren jedenfalls vor der nächsten Zäsur. Damals hatte der 1. FC Lok wegen zu hoher Kosten den Damensport ausgliedert. Geholfen wäre allen Beteiligten auf jeden Fall, wenn der bittere Abstieg am vergangenen Wochenende nicht das Aus bedeuten würde.

„Wir sind ohne Ersatzspieler mit zwei Kleinbussen nach Cloppenburg angereist. Einen ist der Freund einer Spielerin gefahren, den anderen ich“, erzählt Kayser. Der Trainer hat übrigens bereits vor sechs Wochen intern bekanntgegeben, dass er nicht weitermachen wird – eine weitere unter vielen Baustellen.

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