Gleich sieben Teams kämpfen darum, nicht auf den Relegationsrang abzurutschen. Gleich sieben Teams kämpfen darum, nicht auf den Relegationsrang abzurutschen. © Imago/Montage
Gleich sieben Teams kämpfen darum, nicht auf den Relegationsrang abzurutschen.

Abstiegskampf in der Bundesliga: Sieben Teams und das große Zittern

In der Bundesliga ist das Titelrennen schon fast wieder gelaufen. So richtig spannend ist es nur im Tabellenkeller: Sieben Teams wollen bloß nicht auf den Relegationsrang abrutschen.

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Die Angst vor Platz 16 geht um. Während der FC Ingolstadt und der SV Darmstadt wenig bis gar keine Chancen haben, die letzten beiden Tabellenplätze zu verlassen, spielt sich darüber ein spannender Kampf ab. Vom Tabellenzehnten bis Platz 16 laufen insgesamt sieben Mannschaften Gefahr, mit dem Abstieg konfrontiert zu werden. Zwischen Gladbach (10.) und dem Hamburger SV (16.) liegen nur fünf Punkte. Gleich vier Teams in dieser Tabellenregion haben 29 Punkte. Eine Konstellation, die einen heißen Endspurt in der Bundesliga verspricht. Wem geht in der entscheidenden Phase zuerst die Luft aus?

Nach oben oder nach unten schauen?

Bei der Borussia wissen sie aktuell nicht so ganz, ob sie in der Tabelle nach oben oder nach unten schauen sollen. Fünf Punkte sind es bis zu Platz sechs, der eine Teilnahme am Europapokal garantiert. Fünf Punkte sind es aber auch bis zu Relegationsplatz 16. Im Rennen um den Relegationsplatz sei die Borussia in der „Pole-Position“, sagte Abwehrspieler Tony Jantschke gestern nach dem 0:1 gegen den FC Bayern, „im Kampf um die Europa League sind wir hintenan.“ Also doch nach unten schauen? Die kommenden Wochen werden es zeigen, mit Partien gegen die Klubs auf den Tabellenplätzen drei bis sieben. Nicht ausgeschlossen, dass danach aus den Europaambitionen wieder Abstiegssorgen werden. „Moral und Geist waren überragend“, sagte Trainer Dieter Hecking. „Das stimmt uns zuversichtlich, dass wir nach der Länderspielpause wieder angreifen.“

Leverkusen richtet den Blick nach unten

Eine kleine Spitze konnte sich Julian Nagelsmann nicht verkneifen. „Wenn man den Kader sieht: Das ist kein kostengünstiges Hobby“, sagte Hoffenheims Trainer nach dem 1:0-Sieg über den so hochkarätig besetzten Gegner aus Leverkusen. Nagelsmann hatte gut reden, liegt er in der Tabelle mit der TSG 1899 doch dort, wo Bayer gern stünde: auf Platz vier. „Die Tabelle lügt nicht – sie tut weh“, sagte Bayer-Sportdirektor Rudi Völler und richtete den Blick nach dem vierten sieglosen Ligaspiel in Folge nach unten. Als Tabellenelfter beträgt der Vorsprung auf den Relegationsplatz vier Zähler. Völler: „Es wäre fatal, von den vorderen Plätzen zu sprechen. Wir sind gewarnt: Alle Antennen sind ausgefahren.“ Und auch der neue Trainer Tayfun Korkut setzt seine Negativbilanz in der Bundesliga fort: Seit 15 Spielen (zuvor 13 mit Hannover 96) ist er jetzt ohne Sieg.

Mainz „steckt jetzt mittendrin“

Nach dem 20. Spieltag schien der 1. FSV Mainz 05 bereits gerettet zu sein. Neun Punkte betrug der Vorsprung zu Relegationsplatz 16 damals. Fünf Spiele später sind es nur noch zwei – nach dem 0:1 gegen den FC Schalke 04 am Sonntagnachmittag (Torschütze: Sead Kolasinac, 50. Minute) stecken die Mainzer plötzlich mittendrin im Schlamassel. „Wir müssen es einfach annehmen“, sagte der Mainzer Mittelfeldspieler Danny Latza zum Abstiegskampf, „wir stecken jetzt mittendrin.“ Trainer Martin Schmidt sagte: „Die Tabellenkonstellation ist sehr, sehr heiß. In diesem Jahr brauchst du einen langen Atem. Wir brauchen die Tabelle auch nicht in die Kabine zu hängen. Die kennt jeder Spieler.“ Die Schalker schafften ihrerseits den erhofften Befreiungsschlag – und haben nun bei vier Punkten Rückstand sogar wieder Kontakt zu den Europapokalplätzen hergestellt.

Werder vertraut der eigenen Klasse

Wie schnell sich die Zeiten ändern ... Mitte Februar, nach der 0:1-Heimniederlage gegen Mönchengladbach, war der SV Werder Bremen auf den Relegationsplatz abgerutscht. Werder schien der 2. Liga entgegenzutaumeln, nach vier Pleiten zum Jahresauftakt. Sportchef Frank Baumann attackierte die Profis („Wir werden schauen, wer es weiterhin würdig ist, das Werder-Trikot zu tragen“), Trainer Alexander Nouri durfte trotz wachsender Kritik bleiben. Es folgten Siege gegen Mainz (2:0), Wolfsburg (2:1) und Darmstadt (2:0) sowie ein Remis in Leverkusen (1:1) – und nun der Sieg gegen Leipzig (3:0). „Wir wissen, dass wir in der Liga mit jedem mithalten können, so stark sind wir. Das zeigt einfach, was für eine Klasse wir im Kader haben“, sagte Verteidiger Robert Bauer am Sonnabend – und mahnte mit Blick auf die Tabelle: „Wir tun gut daran, jetzt nicht abzuheben.“

Baums Rechnung: Ein Punkt pro Spiel

Im Abstiegskampf sind gute Nerven gefragt. Und so war Stefan Reuter, Manager beim FC Augsburg, nach dem 1:1 gegen Freiburg darum bemüht, jeden Anflug von Angst vor der drohenden Relegation zu vermeiden. „Es ist nicht ungewöhnlich für uns, dass wir bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt kämpfen“, sagte Reuter. Und Trainer Manuel Baum stellte sogleich die Rettungsrechnung für Augsburg auf: „Wenn wir in jedem Spiel einen Punkt holen, dann denke ich, dass es reicht.“ 38 Punkte hätte der Klub dann. Problem: Der FC Augsburg hat ein ziemlich hartes Restprogramm mit Spielen unter anderem gegen Bayern (Erster), Berlin (Fünfter), Köln (Sechster), Frankfurt (Siebter), Dortmund (Dritter) und Hoffenheim (Vierter). Ein Punkt pro Spiel wäre da eine echte Überraschung. Zumal der FCA in dieser Saison gerade einmal 0,96 Tore pro Spiel erzielt.

Der VfL setzt auf das Duo Jonker/Gomez

90 Minuten stand Darmstadts Trainer Torsten Frings beim 0:1 in Wolfsburg in seiner Coaching-Zone, machte seinem Team Feuer, motivierte, haderte. Trainerkollege Andries Jonker dagegen verfolgte die Partie um vieles gelassener, hauptsächlich im Sitzen. Und im Urvertrauen auf seine ganz persönliche Geheimwaffe. Denn wieder war es Mario Gomez, der für den VfL (als übrigens einziger Torschütze) im dritten Spiel in Folge traf, die Punkteausbeute unter dem neuen Trainer auf sieben aufstockte und damit eine einzigartige Erfolgsgeschichte fortsetzte. Immer, wenn der Cheftrainer bei einem Verein Jonker heißt, wie schon interimsmäßig beim FC Bayern, trifft Gomez – in acht Spielen zwölfmal. „Manchmal kommt so ein Fußballmärchen vorbei. Lasst es noch ein bisschen laufen“, sagte Jonker. Als Tabellen-15. brauchen sie noch ein paar Gomez-Tore.

HSV verbessert, aber noch in Not

Zieht man allein die Tabelle zurate, hat sich nichts gebessert beim Hamburger SV. Auch nach der (katastrophalen) Hinrunde stand die Mannschaft von Trainer Markus Gisdol schon auf dem Relegationsplatz – wie auch jetzt immer noch. Allerdings: In der Rückrundentabelle ist der HSV Fünfter! Fünf der vergangenen acht Bundesliga-Spiele wurden gewonnen, bei nur einer Niederlage – da jedoch schepperte es: 0:8 beim FC Bayern. Ein Rückfall? Nein! Im Vergleich zur Hinrunde wirken die Hamburger immer stabiler, die Handschrift von Gisdol ist immer besser zu lesen. Und gegen Eintracht Frankfurt war sogar der nächste Erfolg drin. Doch nach einem Foul von David Abraham an Filip Kostic verweigerte Schiedsrichter Benjamin Cortus dem HSV den fälligen Strafstoß. Hamburgs Keeper René Adler ist trotzdem überzeugt: „Wir werden hinten heraus die Klasse halten.“

SV Werder Bremen (Herren) Borussia Mönchengladbach (Herren) 1. FSV Mainz 05 (Herren) Hamburger SV (Herren) VfL Wolfsburg (Herren) FC Augsburg (Herren) Fussball Bundesliga

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