26. November 2018 / 07:05 Uhr

Milan-Ärger: Italiens Innenminister mischt sich in Taktik ein - Gattuso stocksauer

Milan-Ärger: Italiens Innenminister mischt sich in Taktik ein - Gattuso stocksauer

Sönke Gorgos
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Gennaro Gattuso (r.) ist seit einem Jahr Trainer des AC Mailand. Nun muss er eine knifflige Situation meistern. Denn ausgerechnet Italiens Innenminister redet dem Weltmeister rein.
Gennaro Gattuso (r.) ist seit einem Jahr Trainer des AC Mailand. Nun muss er eine knifflige Situation meistern. Denn ausgerechnet Italiens Innenminister redet dem Weltmeister rein. © imago/Gribaudi/ImagePhoto/dpa
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Beim AC Mailand kommt es zu einem handfesten Streit, weil sich Matteo Salvini in die sportlichen Belange von Trainer Gennaro Gattuso einmischt. Der kann es nicht fassen - und kontert sofort.

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Zoff beim AC Mailand! Innerhalb des italienischen Traditionsvereins liegen die Nerven nach dem 1:1 gegen Lazio Rom blank. Der Grund ist jedoch nicht die sportliche Misere mit drei sieglosen Spielen in Folge, sondern die Tatsache, dass sich Italiens Innenminister Matteo Salvini in die sportlichen Belange Milans einmischt und den nicht unumstrittenen Trainer Gennaro Gattuso unverhohlen taktische Tipps gibt. Zum Vergleich: Man stelle sich vor, Horst Seehofer motzt öffentlich über die Aufstellung des FC Bayern. Undenkbar! Der Weltmeister von 2006, der als Spieler keinem Zweikampf aus dem Weg ging, konterte den rechtspopulistischen stellvertretenden Ministerpräsidenten des Landes geschickt aus.

Deutsche Stürmer in Italien

Miroslav Klose: Lazio Rom verabschiedete den WM-Rekordtorschützen (16) im Mai 2016 beim letzten Saisonspiel gegen den Ex-Klub von Mario Gomez, den AC Florenz, mit speziellen Trikots. „Danke Miro“ stand darauf geschrieben. In fünf Spielzeiten lief der Weltmeister 139-mal in der Serie A auf und schoss 55 Tore. „Es war wirklich eine Ehre, dieses Trikot getragen zu haben“, sagt Klose. Zur Galerie
Miroslav Klose: Lazio Rom verabschiedete den WM-Rekordtorschützen (16) im Mai 2016 beim letzten Saisonspiel gegen den Ex-Klub von Mario Gomez, den AC Florenz, mit speziellen Trikots. „Danke Miro“ stand darauf geschrieben. In fünf Spielzeiten lief der Weltmeister 139-mal in der Serie A auf und schoss 55 Tore. „Es war wirklich eine Ehre, dieses Trikot getragen zu haben“, sagt Klose. © imago
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Was war passiert? Gattuso hatte gegen Lazio komplett auf Wechsel verzichtet - obwohl er mit zahlreichen Stars wie Mittelfeld-Routinier Riccardo Montolivo, Uruguays WM-Star Diego Laxalt oder dem jungen Ex-Hamburger Alen Halilovic durchaus Alternativen auf der Bank hatte, die für frischen Wind hätten sorgen können - auch wenn ein echter Topstar wie der als Neuzugang gehandelte Zlatan Ibrahimovic als Edeljoker fehlt. Gattusos Entscheidung ist sportlich zu kritisieren, zumal Lazio die schwindenden Kräfte in der Nachspielzeit bestrafte und nach der Milan-Führung durch Kessie (78.) spät durch Correa zum Ausgleich kam. Allerdings kommt die Kritik nicht von einer Stelle, die Gattuso besonders zusagt: Nämlich vom rechtspopulistischen Politiker Matteo Salvini.

Salvini hetzt, Gattuso kontert: "Ich spreche ja auch nicht über Politik"

Der provoziert gerne mal Eklats auf diplomatischer Bühne - etwa vor wenigen Tagen, als er gegen die Europäische Union hetzte, die "Angst und Armut über Europa gebracht" habe, er den Euro als "kriminelle Währung" betitelte oder als er 2009 eine Rassentrennung von Italienern und Migranten in Eisenbahnwaggons vorsah. Der Spiegel kommentierte gerade, "Zoff sei sein Stoff" - eine Erfahrung, die nun Fußballtrainer Gattuso machen muss, der gegen Lazio nicht zum ersten Mal von Salvini gebrandmarkt wurde. "Wäre ich Gattuso, hätte ich einige Wechsel vorgenommen", zeterte Salvini nach dem Spiel. "Die Spieler waren müde, deswegen verstehe ich nicht, warum er nicht reagiert hat."

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Gattuso, der mit Milan nicht immer leichte Zeiten durchlebt hat, hatte die Nase gestrichen voll, setzte zu einer regelrechten Wutrede an. Er spreche ja auch nicht Politik, weil er davon nichts verstehe, keifte der Ex-Nationalspieler (73 Länderspiele) zurück, der als einer der besten defensiven Mittelfeldspieler seiner Generation gilt und seit einem Jahr Milan trainiert. Über Salvini sagte er: "Ihm rate ich, sich auf die Politik zu konzentrieren, denn wenn er über Fußball redet, dann sind wir wirklich schlecht dran."

Gattuso verzweifelt: "Italien ist ein unglaubliches Land"

Der 40-Jährige kann seine eigene Nation inzwischen nicht mehr verstehen. "Italien ist ein unglaubliches Land", grollt Gattuso. "Salvini hatte mit seiner Kritik über Higuain angefangen, mittlerweile ist es zur Gewohnheit geworden." Da ist das letzte Wort wohl noch nicht gesprochen...

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