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Muay-Thai-Kämpferin Acelya Akpinar hat WM-Silber - und will zu Olympia (mit Video!)

Stefan Dinse
Acelya Akpinar hat nicht nur flinke Hände, sondern bringt auch die Füße gut zum Einsatz.  © Florian Petrow

Muay Thai gilt als härteste Kampfsportart überhaupt - und Acelya Akpinar aus Hannover zu den Besten ihrer Zunft. Die 15-Jährige holte schon WM-Silber und will auch zu den Olympischen Spielen. Das Mädchen mit den flinken Händen im Porträt.

Wenn sie vor einem Boxautomaten steht und zuschlägt, wie zuletzt auf dem Schützenfest, bleiben viele Menschen stehen. Sie schütteln meist ungläubig den Kopf. Für einen Euro misst Acelya Akpinar an der beliebten Maschine ihre Schlagkraft. Die Muay-Thai-Kämpferin trifft den Box-Ball mit voller Wucht und treibt die Anzeige auf stattliche 970. Ihr Vater Mehmet Basar, beileibe kein schwächlicher Vertreter, hat zuvor nur 920 geschafft. Dabei ist Acelya noch keine 15 Jahre alt – und hat gerade Silber bei der Junioren-Weltmeisterschaft in Bangkok erkämpft. „Sie ist ein Naturtalent“, sagt Trainer Reza Zahirinasab vom Power House Hannover. Wo­bei Naturgewalt dem, was die Neuntklässlerin draufhat, deutlich näher kommt.

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Muay-Thai-Kämpferin Acelya Akpinar beim Training

​Rat der Mitschülerinnen zählt für Acelya nicht

Beim Boxen würde man Acelyas Fähigkeit schnelle Hände nennen. Die freundliche Schülerin der IGS Bothfeld hat aber obendrein sehr schnelle Beine. Und Ellbogen. Und Knie. All diese Körperteile können zum Einsatz kommen. Muay Thai gilt als härteste Kampfsportart überhaupt. Wenn die deutsche Meisterin also loslegt, sieht das beeindruckend aus. Da sind Kopf-, Mund- und Bauchschutz nebst Schienbeinschonern angesagt. „Zimperlich darf man nicht sein“, stellt Zahirinasab klar.

Angst haben auch die Eltern nicht, Mehmet Basar und Gattin Tülya förden die Tochter nach Kräften. „Wir sind sehr stolz, sie macht das echt super“, sagt der Papa. Zum Muay Thai nahm Acelya jedoch vor rund drei Jahren ihr Onkel Sahin Arslan mit. „Ich habe mich schon immer für Kampfsport interessiert, aber nur von Karate und Judo gehört“, sagt sie. Die harte Variante des Thai-Boxens war ein Volltreffer. Es passte auf Anhieb. „Wir haben sie damals machen lassen. Das sah schon gut aus – und wurde schnell immer besser“, be­richtet Zahirinasab. Inzwischen trainiert die Leichtgewichtskämpferin (bis 60 Kilogramm) fünfmal wö­chentlich, in den Ferien verdoppelt sie das Pensum. „Es ist sehr anstrengend und macht total Spaß“, sagt die zweifache Vizeweltmeisterin. Dass ihr Mitschülerinnen raten, damit aufzuhören, weil „das doch ein Männersport ist“, stört Acelya nicht. Und Jungs würden da wohl kaum zustimmen, immerhin haben sie es im Sparring oft mit dem explosiv schlagenden und tretenden Mädchen zu tun.

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​"Am Liebsten eines Tages damit Geld verdienen"

Von der Schule kommt ohnehin volle Unterstützung. Direktor Reiner Kampus und Klassenlehrerin Annette Borges stehen hinter Acelya. Für die WM in Fernost hat sie frei bekommen. Coach Zahirinasab konnte jedoch nicht mit, und so war die deutsche Meisterin noch aufgeregter. Dazu kam die Schwüle – gekämpft wurde draußen. Nach klaren Erfolgen musste sie sich im Finale im Wortsinn der russischen Titelverteidigerin geschlagen geben, sie kassierte einen Treffer auf den Kehlkopf. Halb so wild, das Duell wurde dennoch in der dritten Runde abgebrochen. „Ich hätte es aber auch nach Punkten nicht geschafft, sie war besser“, räumt Acelya ein.

Nächstes Jahr im türkischen Antalya soll es mit WM-Gold klappen, das ist das nächste Ziel. In welcher Gewichtsklasse, ist freilich unklar. Acelya könnte ja weiter wachsen. Davon abgesehen geht vom Vater eine nicht unerhebliche Gefahr aus. Mehmet Basar grillt leidenschaftlich gern. Zuletzt musste seine Tochter Ge­wicht machen, also kurzfristig abnehmen, um in ihrer Klasse starten zu dürfen. Der Trainer ist jedoch zuversichtlich, dass Acelya Akpinar nicht zu stoppen sein wird auf dem Weg zu weiteren Erfolgen. 2024 könnte Muay Thai olympische Disziplin werden. „Ich will so weit kommen, wie es geht“, sagt Acelya mit den schnellen Händen, „und am liebsten eines Tages damit Geld verdienen, was ich gern tue.“

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