Sportbuzzer-Reporter Eric Zimmer traf Alexander Zorniger in Dänemark. Der Ex-Trainer des VfB Stuttgart und RB Leipzig trainiert aktuell erfolgreich den Klub Brøndby IF, sorgte im vergangenen Jahr sogar für das Europacup-Aus von Hertha BSC in der Qualifikation. Sportbuzzer-Reporter Eric Zimmer traf Alexander Zorniger in Dänemark. Der Ex-Trainer des VfB Stuttgart und RB Leipzig trainiert aktuell erfolgreich den Klub Brøndby IF, sorgte im vergangenen Jahr sogar für das Europacup-Aus von Hertha BSC in der Qualifikation. © imago/Montage
Sportbuzzer-Reporter Eric Zimmer traf Alexander Zorniger in Dänemark. Der Ex-Trainer des VfB Stuttgart und RB Leipzig trainiert aktuell erfolgreich den Klub Brøndby IF, sorgte im vergangenen Jahr sogar für das Europacup-Aus von Hertha BSC in der Qualifikation.

Alexander Zorniger exklusiv im Interview: "Dass ich es kann, wusste ich immer!"

Wie Trainer Alexander Zorniger nach den Enttäuschungen bei RB Leipzig und dem VfB Stuttgart bei Brøndby IF sein Glück fand – und den Glauben an sich selbst. Im ersten Jahr wurde er Vizemeister, im zweiten hat er die Chance auf den Titel. Ein Ortsbesuch von Eric Zimmer.

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Alexander Zornigers Zeit in der Bundesliga war kurz. Am 24. November 2015 entließ ihn der VfB Stuttgart. Zorniger hatte in 13 Spielen nur zehn Punkte geholt, der VfB stand auf Platz 16. Zuvor führte er RB Leipzig von der Regionalliga Nordost bis in die 2. Liga, bis er auch dort frühzeitig ging. Und so blieb er den Deutschen nicht als Erfolgstrainer in Erinnerung, sondern als jemand, der manchmal zu aufbrausend war, sich gelegentlich bei Spielern und Journalisten im Ton vergriff. Und als einer, für den die Bundesliga vielleicht noch eine Nummer zu groß war. Einiges hätte ihn ein bisschen überfordert, hat Zorniger hinterher zugegeben. Heute sagt er: „Da wurde vieles aufgebauscht.“

Der SPORTBUZZER trifft den gebürtigen Baden-Württemberger, der am Sonntag 50 Jahre alt wird, in Brøndby, wo er ein neues Glück fand.

Goddag, Herr Zorniger. Sie sind jetzt seit rund 16 Monaten Trainer von Brøndby IF. Wie gefällt es Ihnen im Staate Dänemark?

Super. Nach der Anfrage waren da schon einige Überlegungen. „Ist es das Richtige für das, was ich mit Spielern vorhabe?“ Und: „Ist es das Richtige, nach der Zeit in Stuttgart zu sagen: ‚Okay, ich gehe ins Ausland?‘“ Aber seit ich hier bin, habe ich meine Entscheidung noch kein einziges Mal bereut. Ich habe den Kern wiedergefunden, der mich nach wie vor glauben lässt, dass ich ein guter Trainer bin. Und ich habe hier auch schon ein paar Sachen über mich als Deutscher herausfinden können.

Was denn zum Beispiel?

Man sollte ab und zu ein bisschen lockerer sein. Und auch mal davon Abstand nehmen, immer zu sagen, dass es analysierbare Dinge sind, die uns glücklich machen. Dänemark ist ein tolles Land und Kopenhagen eine tolle Stadt. Wir (Zorniger und seine Freundin Kristina Ahnert, d. Red.) wohnen etwa 25 Minuten von der Stadt entfernt und nur 100 Meter vom Strand. Und auch ich habe hier mal Trainingstage, an denen mir etwas nicht passt. Dann fahre ich heim gen Wasser und sehe, wie man das Leben genießen kann. Das gelingt hier teilweise besser als in Deutschland.

SPORTBUZZER in Dänemark bei Alexander Zorniger

"Ich habe mich am Ende in Stuttgart und vielleicht auch am Ende in Leipzig von Dingen ablenken lassen, die ich nicht beeinflussen konnte"

Der wiedergefundene Kern Ihres Trainerdaseins. Wie würden Sie diesen definieren?

Dass ich es kann, wusste ich immer. Aber ich habe mich am Ende in Stuttgart und vielleicht auch am Ende in Leipzig von Dingen ablenken lassen, die ich nicht beeinflussen konnte. Ich wollte immer alles erklären. So bin ich erzogen worden. Wenn ich alleine an die Timo-Werner-Geschichte denke (Der heutige RB-Stürmer spielte als 19-Jähriger unter Zorniger beim VfB. Nach einem Handkuss, den er nach seinem Tor zum 2:2 gegen Hoffenheim dem VfB-Publikum zuwarf, hatte ihn Zorniger harsch kritisiert: Werner hätte das Tor zum 3:2 verpasst, weil er „noch so mit Küsschen-Verteilen beschäftigt war, dass der Fokus noch nicht darauf lag, ihn reinzumachen“. d. Red.). Ich habe versucht zu erklären, warum was wie war. Aber es hat keinen interessiert. Es wurde nur auf die Tabelle geschaut, wir waren 15. oder 16. Und dann ging es immer nur darum, wie ich etwas gesagt habe. Und nicht darum, was ich gesagt habe.

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"Ich übernehme die Verantwortung. Aber dafür möchte ich dann doch sagen, wo es langgeht"

Heute spielt Werner für Deutschland und in der Champions League.

Mich freut die Entwicklung von Timo. Unabhängig davon, ob man in einem Moment die richtige Maßnahme für einen Spieler trifft, kann man vielleicht sagen, dass es danach (nach der gemeinsamen Zeit beim VfB, d. Red.) bei Timo nicht mehr so viele Tiefen gab wie davor. Nicht, weil man ihn getriezt hat. Sondern weil er für sich selbst Entscheidungen getroffen hat.

Bei Brøndby IF gilt das Motto „Keiner steht über der Gemeinschaft“. Wie gehen Sie als Trainer damit um?

Es gibt zwei Begriffe, die man in Dänemark lernen muss. Da ist „Hygge“. Das bedeutet, dass alles etwas lockerer genommen wird. Zusammensitzen, das Angenehme in den Vordergrund stellen, Zeit haben. Und dann ist da noch „Janteloven“: Keiner soll sich wichtiger nehmen als der andere. Das hat man mir im Klub auch alles so mitgeteilt am Anfang. Und dann habe ich gesagt: „Okay. Dann lasse ich alle teilhaben. Und wenn wir nur verlieren, fliegen alle.“ Dann hieß es: „Nee. Nur der Trainer.“ (lacht). Natürlich ist das so. Ich übernehme die Verantwortung. Aber dafür möchte ich dann doch sagen, wo es langgeht.

Nach über einem halben Jahr Pause wechselte der Coach ins Ausland - Zorniger wurde Trainer des dänischen Erstligisten Brøndby IF. Im ersten Jahr der erste große Erfolg: In der 3. Qualifikationsrunde der Europa League warf er mit den Kopenhagenern den Bundesligisten Hertha BSC aus dem Turnier. Nach über einem halben Jahr Pause wechselte der Coach ins Ausland - Zorniger wurde Trainer des dänischen Erstligisten Brøndby IF. Im ersten Jahr der erste große Erfolg: In der 3. Qualifikationsrunde der Europa League warf er mit den Kopenhagenern den Bundesligisten Hertha BSC aus dem Turnier. © imago

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Was war der Plan von Brøndby IF?

Brøndby wollte einen deutschen Trainer holen. Mit all seinen Tugenden und mit der klaren Vorstellung, in welche Richtung es gehen soll. Aber trotzdem wird eben auch erwartet, dass ich die Leute mitnehme. Es hat vielleicht manchmal anders ausgesehen. Aber das habe ich genauso in Stuttgart gemacht, in Leipzig, in Großaspach (2010 bis 2012, d. Red.) und in Gmünd (2002 bis 2009, d. Red.). Aber ich muss als Trainer jeden Tag Minimum 100 Entscheidungen treffen. Und mit Minimum 50 Entscheidungen davon haue ich jemanden zwischen die Hörner. Die Entscheidungen müssen einfach getroffen werden. Dass da dann regelmäßig jemand denkt, „der macht nur sein Ding“, das ist ja ganz klar. Aber: Die Arbeitsatmosphäre hier ist sehr gut. Auch, weil wir von Anfang an Erfolg hatten (Liga-Zweiter und Einzug ins Pokalfinale in der Saison 2016/2017, aktuell Platz drei, d. Red.).

Wie beobachten Sie es, wenn Ihr ehemaliger Klub RB, den sie von 2012 bis 2015 bis in die 2. Liga geführt haben, jetzt in der Champions League spielt?

Mit absoluter Freude. Die Sache (Zorniger wurde bei RB nach seinem furiosen Aufstieg in die 2. Liga mitten in der Saison zur Rückrunde gekündigt, als RB gerade ins Mittelfeld abgerutscht war. Er trat dann selbst vorzeitig zurück, d. Red.) ist einfach schon zu lange her. Die Phase, in der man gedacht hat, „das hätte vielleicht auch anders laufen können“, die ist vorbei. Auch hier in Brøndby werde ich eines Tages auch nur für einen gewissen Teil der Klubgeschichte verantwortlich gewesen sein. Genauso weiß ich um meinen und um unseren Teil in Leipzig. Vom Daniel Frahn und wie sie alle heißen. Eben von allen, die nicht mehr dabei sind. Wir waren zu einem gewissen Zeitpunkt wichtig. Und dann ist es halt im Fußball so, dass Entscheidungen getroffen werden, ab denen du nicht mehr wichtig bist. Dann gehst du woanders hin und der Verein entwickelt sich weiter.

Alexander Zorniger wird Vater Alexander Zorniger wird Vater © dpa

Kontakt zu Rangnick besteht noch immer

Bestehen noch Kontakte zu RB?

Ja. Ralf (Rangnick, d. Red.) und ich haben immer wieder mal Kontakt. Ich habe ihm auch vor dem ersten Champions-League-Spiel geschrieben und ihm viel Erfolg gewünscht. Natürlich denkt Ralf bei dem einen oder anderen Punkt, dass er recht gehabt hat. Und ich denke bei diesen Punkten, dass ich recht gehabt habe. Aber ich muss ja auch sagen, dass ich damals nur durch Ralf nach Leipzig gekommen bin. Und nur durch die Zeit in Leipzig war ich dann für den VfB interessant. Und nur durch die Zeit in Leipzig und beim VfB bin ich dann nach Brøndby gekommen. Und nur durch die Zeit in Leipzig habe ich meine jetzige Freundin kennengelernt. Im Dezember erwarten wir Nachwuchs. Es gibt also auch etwas anderes als nur die Frage, ob ich da jetzt richtig beurteilt wurde oder nicht. Da ist schließlich auch noch das Leben, das mit solchen Entwicklungen seine Schritte macht.

Es wird ein Mädchen. Ihr erstes Kind. Was erwarten Sie vom neuen Leben?

Ein verlorener Posten (lacht). So dominant ich vielleicht sonst überall bin: Da habe ich schon verinnerlicht, dass ich dann zu Hause nichts mehr zu melden habe mit dem kleinen Zwerg. (lacht)

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