16. August 2018 / 11:29 Uhr

Andy Müller im Interview: Professionelles Umfeld – „und ein paar Fans“

Andy Müller im Interview: Professionelles Umfeld – „und ein paar Fans“

Redaktion Sportbuzzer
Andy Müller
Andy Müller spielte drei Jahre für die BSG Chemie Leipzig. Nach seinem Karriereende im Juli 2017 ist er nun sportlicher Leiter bei den Leutzschern. © Christian Donner Photography
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BSG-Ikone Andy Müller spricht mit und über Kaderplanung in der Oberliga, Ziele im Jugendbereich und Kreuzbandrisse mit 36.

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Als Spieler schoss er Chemie Leipzig mit großer Übersicht und feinem linken Fuß bis in die Regionalliga. Nach drei Jahren, fast 100 Spielen und 42 Toren für die BSG hängte Andy Müller seine Fußballschuhe im vergangenen Juni an den Nagel. Grund waren weniger die zwei Kreuzbandrisse, sondern das Gefühl, mit damals 36 Jahren sei es nun auch mal gut. Seit Juni ist der Ex-Profi neuer sportlicher Leiter in Leutzsch.

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Das erklärte Ziel der BSG Chemie ist der Wiederaufstieg in die Regionalliga. Was können Sie als sportlicher Leiter dazu beitragen?

Zu Anfang war es vorrangig meine Aufgabe, die Kaderplanung der ersten Mannschaft voranzu-treiben, Neuzugänge zu verpflichten, Gespräche mit Beratern und Spielern zu führen. Mein Aufgabengebiet wird sich aber noch erweitern und bezieht sich auf den gesamten sportlichen Bereich im Verein, in enger Zusammenarbeit mit unserem Nachwuchskoordinator Sascha Rode und den einzelnen Gremien.

Wie funktioniert überhaupt Kaderplanung in der Oberliga? Stellen sich viele Spieler vor oder scouten Sie?

Da ich erst vor zwei Monaten eingestellt wurde, musste es Knall auf Fall gehen. Ich hatte schon ein Netzwerk, habe aber auch Gespräche mit Spielern weitergeführt, mit denen unser Präsident Frank Kühne gesprochen hatte. Heutzutage haben die meisten Spieler einen Berater, selbst in der A-Jugend. Ich glaube nicht, dass man das in dem Alter braucht – mit 17 muss man sehen, dass man einfach Fußball spielt. Aber es ist wohl die Entwicklung des Fußballs, dass keiner mehr für sich selber reden kann.

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Wie haben Sie Ihr Netzwerk aufgebaut?

Ich habe ja zehn Jahre mit dem Fußball mein Geld verdient, treffe Bekannte von früher oder telefoniere mit Beratern, die ich aus meiner Zeit noch kenne.

Gerade kein ehemaliger Chemiker ist Andy Wendschuch, der von Lok Leipzig zur BSG gewechselt ist. Wie kam der Kontakt zustande?

Andy habe ich über Facebook kontaktiert, nochmal angerufen und dann haben wir uns einfach hier im Alfred-Kunze-Sportpark getroffen. Uns war schnell klar, dass er uns sportlich und menschlich weiterhilft, und er selbst wollte auch unbedingt kommen. Er beabsichtigte, aus beruflichen Gründen in Leipzig zu bleiben und wir konnten ihn dabei mit der sportlichen Perspektive überzeugen.

Über welchen Zugang freuen Sie sich besonders?

Prinzipiell freue ich mich über jede getätigte Verpflichtung und bin sicher, dass alle ihren Anteil dazu beitragen, um unser gestecktes Ziel zu erreichen.

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Sehen Sie in der zweiten Mannschaft jemanden, der eine Option für den Oberliga-Kader ist?

Florian Kirstein hat die Vorbereitung der Ersten mitgemacht, er hat uns überzeugt und überrascht. Wir haben ihn größtenteils auf rechts hinten eingesetzt, der bringt ordentlich Tempo mit. Er wird auch weiterhin zum Kader der ersten Mannschaft gehören.

Die A-Jugend ist in die Landesliga aufgestiegen, in der auch die Jugendteams einiger Regionalligisten spielen. Sehen Sie hier vielversprechende Spieler?

Es ist immer wichtig für einen Verein, dass die A-Jugend möglichst hoch spielt, aber der Sprung in den Männerbereich ist groß. Die meisten sind vor allem körperlich noch nicht so weit – obwohl wir jetzt mit Max Keßler einen haben, der aus der A-Jugend von Aue gekommen ist, vor dem ich meinen Hut ziehe. Der ist robust, der ist schnell, und er ist körperlich schon sehr weit für einen 18-Jährigen. Ob aus unserer eigenen Jugend jemand im nächsten Jahr dabei ist, wird sich zeigen. Wenn ich mir aber die generelle Entwicklung bei uns im Verein anschaue, sind wir auf einem richtig guten Weg. Daran hat der jetzige Co-Trainer Christian Sobottka einen riesigen Anteil. Noch vor vier Jahren hatten wir Probleme, eine Mannschaft vollzukriegen, und jetzt machen wir Probetrainings und müssen sogar aussortieren. Das war in dieser Geschwindigkeit so nicht abzusehen.

Was sind die wichtigsten sportlichen Stellschrauben, an denen im Verein gedreht werden muss?

Wir müssen versuchen, die Scoutingabteilung zu professionalisieren. Hier suchen wir gerade eine Lösung. Wie vieles im Verein muss es ehrenamtlich sein, es muss jemand machen, der mit Leidenschaft dahintersteht. An der Infrastruktur müssen wir tagtäglich arbeiten. Ich würde mich freuen, wenn die Mannschaft im Winter auf einem Rasenplatz trainieren kann, der Flutlicht hat. Gerade im milden letzten Winter hätten wir die ganze Zeit auf Rasen trainieren können – aber es fehlte das Licht.

Ist das für manche potenziellen Neuen ein Ausschlusskriterium?

Nein. Die Spieler wissen damit umzugehen.

Aber die Spieler wussten, dass sie im DFB-Pokal auflaufen könnten. Haben Sie in Kadergesprächen mit diesem Pfund gewuchert?

Schon, es ist für jeden Fußballer auch ein Ziel, mal ein DFB-Pokalspiel zu machen. Wenn man das in der Vita stehen hat, ist das schon toll, das Gefühl, deutschlandweit ein Ansehen zu genießen.

Wen sehen Sie in der diesjährigen Oberliga Süd als größten Konkurrenten um den Aufstieg?

Ich sehe dieses Jahr Eilenburg als recht stark an, auch Inter Leipzig, wobei das eine richtige Wundertüte ist. Die beiden werden unsere größten Konkurrenten. Ich sage nicht, dass wir aufsteigen müssen. Aber ein Ziel kann man sich setzen, und das ist der Aufstieg.

Wie kann man eigentlich mit Mitte 30 und zwei Kreuzbandrissen noch Fußball spielen?

Beim ersten Mal war es ein Anriss, beim zweiten Mal ein Durchriss. Es war ganz kurios, die _Schwellung war irgendwann weg und ich konnte mich schmerzfrei bewegen. Bis jetzt ist noch nicht operiert. Ich spiele immer noch bei den Ü 35-Herren in Markranstädt, unter anderem mit Ronny Kujat. Aber da muss ich mich nicht mehr so viel bewegen._

Interview: Christopher Resch

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