06. November 2018 / 16:58 Uhr

"Angriff bewirkt nichts Gutes": Oppositioneller fürchtet Eskalation bei Hannover 96

"Angriff bewirkt nichts Gutes": Oppositioneller fürchtet Eskalation bei Hannover 96

Carsten Bergmann
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Bernd Hettwer befürchtet eine Eskalation der Situation bei Hannover 96.
Bernd Hettwer befürchtet eine Eskalation der Situation bei Hannover 96. © Florian Petrow
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Die Auseinandersetzung zwischen Hannover 96 und der oppositionellen IG Pro Verein spitzt sich zu. Bernd Hettwer bezeichnet sich selbst als Gründungsmitglied der Interessensgemeinschaft, begleitet die Entwicklung bei 96 kritisch, warnt aber vor einer Eskalation mit Verlierern auf beiden Seiten.

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Herr Hettwer, die IG Pro Verein strebt noch in diesem Jahr eine außerordentliche Mitgliederversammlung an. Wie bewerten Sie das als Gründungsmitglied?

Die Ablösung von Aufsichtsräten, die sich jahrelang über die Interessen einer Mehrheit der Vereinsmitglieder hinweggesetzt und zu­dem durch ihr Wirken mehr geschadet als genützt haben, ist ein richtiger Schritt, den auch ich vollends begrüße. Ich habe allerdings Zweifel, ob dazu extra noch die Einberufung einer außerordentlichen Versammlung sinnvoll ist.

Ihre Kritik an den Zuständen bei 96 deckt sich weitestgehend mit der von IG Pro Verein 1896. Wieso haben Sie sich dann aus deren Führung zurückgezogen?

Es stimmt, in der Kritik an den teilweise gravierenden Fehlentwicklungen der vergangenen 20 Jahre bei Hannover 96 sind wir uns in der vereinsinternen Opposition im Großen und Ganzen recht einig. Zudem verbindet uns alle das gemeinsame Ziel, dass der Verein weiter wachsen und auch wirtschaftlich endlich wieder erstarken soll. Nur über den richtigen Weg dahin gibt es ganz erhebliche Differenzen. Die IG Pro Verein propagiert, dass die 50+1-Regel nach 20 Jahren Investorenherrschaft künftig auch bei Hannover 96 umgesetzt werden soll. Ich habe allergrößte Zweifel, dass dies mit Aussicht auf Erfolg umgesetzt werden kann.

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Aber die Regel gilt – sofern dem Ausnahmeantrag nicht zugestimmt wird – doch weiterhin auch für 96.

Die 50+1-Regel besagt, dass auch bei einer Mehrheitsbeteiligung von Investoren das unumschränkte Bestimmungsrecht der Geschäftsführung beim Stammverein sein muss. Und hier genau liegt das Problem. Was in der Theorie so wunderschön klingt, funktioniert in der Praxis leider überhaupt nicht, da Investoren im Fall von Mehrheitsbeteiligungen einen Verzicht auf das Bestimmungsrecht über ihr Kapital niemals akzeptieren werden. Daher sind Investorenklubs in der Bundesliga entweder von der 50+1-Regel befreit oder haben wie etwa bei RB Leipzig, Hannover 96 und auch FC Augsburg ganz unterschiedliche rechtliche Konstrukte entwickelt, um die 50+1-Regel de facto auszuhebeln.

Sie meinen also, dass 50+1 ohnehin nur auf dem Papier existiert?

Es ist ganz eindeutig so, dass die gesellschaftsrechtlichen Konstrukte bei RB Leipzig, Hannover 96 und FC Augsburg klare Umgehungstatbestände bezogen auf die 50+1-Regel darstellen. Und der DFL ist dies nachweislich seit Jahren auch sehr wohl bekannt. Würde die DFL die Vorgabe wirklich wortwörtlich so auslegen, wie sie in den Statuten formuliert ist, dann hätte man diesen Klubs die Lizenz längst verweigern müssen.

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Was befürchten Sie, wenn IG Pro Verein Ernst macht?

Sollte künftig ein neuer Vereinsvorstand Anstalten unternehmen, den Einfluss von Martin Kind und seinen Investorenpartnern auf die Ge­schäftsführung zu beschneiden, so dürfte dies von den Investoren als klarer Angriff gewertet werden. Es gehört schon eine gehörige Portion Blauäugigkeit dazu zu glauben, man könne durch einen solchen offenen Angriff am Ende ernsthaft etwas Gutes für den Verein bewirken.

Was könnten die Investoren dann tun, um sich gegen eine derartige, aus deren Sicht feindliche Übernahme zu wehren?

Die Investoren hätten ausreichend Möglichkeiten, um der neuen Ge­schäftsführung den Kapitalhahn abzudrehen und sie quasi am langen Arm verhungern zu lassen. Für den hannoverschen Profifußball wäre dies eine fatale Entwicklung. Daher hoffe ich sehr, dass beide Seiten vernünftig genug sein werden, eine derartige Eskalation zu verhindern.

Dieser Artikel wurde um 18:26 Uhr aktualisiert.

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