Anna Blässe spielt seit 2007 für den VfL Wolfsburg Anna Blässe spielt seit 2007 für den VfL Wolfsburg © Gerewitz
Anna Blässe spielt seit 2007 für den VfL Wolfsburg

Anna Blässe vom VfL Wolfsburg: „Dann habe ich in der Halbzeit gesagt: Bewegt euren Arsch!"

AZ/WAZ-Interview: VfL-Nationalspielerin Anna Blässe  über Titel, Endspiele und ihre Rolle als Wolfsburgs dienstälteste Bundesliga-Fußballerin.

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Sie ist nicht nur Wolfsburgs dienstälteste Bundesliga-Fußballerin, sie ist auch die eifrigste Titelsammlerin: Anna Blässe (31) spielt seit 2007 für Wolfsburg und ging den Weg vom Durchschnittsteam zur Weltklasse-Mannschaft mit. In dieser Saison kann sie zum zweiten Mal nach 2013 mit dem VfL das Triple gewinnen, am Samstag (15 Uhr, live in der ARD) steht das DFB-Pokalfinale in Köln gegen Bayern München an. AZ/WAZ-Journalistin Jasmina Schweimler sprach mit der Nationalspielerin.

Frau Blässe, sammeln Sie eigentlich noch etwas anderes außer Titeln?

Schuhe vielleicht. Aber explizit sammele ich sonst nichts.

Ist Ihnen eigentlich bewusst, wie viele Titel Sie schon gewonnen haben?

Nein.

Mit dem VfL bis dato zehn. Elf und zwölf können dieser Tage noch dazu kommen…

Echt? Crazy! Aber ich denke darüber ehrlich gesagt überhaupt nicht nach. Ich weiß manchmal sogar im voraus gar nicht, gegen wen wir spielen – geschweige denn, dass ich den konkreten Spielplan der nächsten Wochen im Kopf habe. Meistens beschäftige ich mich erst dann mit dem kommenden Gegner, wenn wir uns auf das Spiel vorbereiten. Wir spielen am letzten Spieltag gegen Köln, oder? So etwas habe ich echt selten im Kopf.

Haben Sie 2007 bei Ihrem Wechsel vom Hamburger SV nach Wolfsburg gedacht, dass Sie mal so viele Titel gewinnen?

Nein, gar nicht. Ich wollte aus persönlichen Gründen unbedingt aus Hamburg weg – und Wolfsburg wollte mich haben. Damals habe ich generell nicht gedacht, dass der VfL sich so entwickeln würde.

Jetzt sind Sie die dienstälteste VfLerin – und der VfL ist eines der stärksten Teams in Europa…

Dass Potenzial da ist, hat man damals schon gespürt. Dass man versucht, hier etwas aufzubauen. Tendenzen waren sichtbar. Bei den Vertragsgesprächen hat die Vereinsführung auch klar aufgezeigt, wo man später mal hin will. Dass es Jahre später aber so aussieht, hätte ich nie gedacht. Ich habe mich seither auch selbst fußballerisch unheimlich weiterentwickelt – und eine Entwicklung quasi parallel mit dem VfL mitgemacht. Wäre ich fußballerisch noch auf dem Niveau wie damals, wäre ich jetzt nicht mehr hier.

Sie sind also mit dem Verein gewachsen…

Total. Der Verein hat mir viel Gutes getan. Die Trainer, Co-Trainer, alle. Egal, um was es ging, sie waren immer da. Es war damals schon irgendwie klar, dass ich ein Talent bin und eine gestandene Bundesliga-Spielerin werden kann. Aber dass ich so lange „überlebe“, ist nicht selbstverständlich.

Was fasziniert Sie am meisten an dieser Mannschaft?

Dass wir trotz des Konkurrenzkampfes und der Leistungsdichte eine echte Mannschaft sind. Es sind alle irgendwie Führungsspielerinnen, ordnen sich aber auch gleichzeitig dem Team unter. Ich glaube, diese Balance ist einzigartig. Auch wenn es Unstimmigkeiten gibt, läuft es mit Respekt und fair ab. Und wir machen auch privat viel miteinander.

Sie haben sieben große Endspiele mit dem VfL mitgemacht, standen dabei sechsmal in der Startelf...

Anna Blässe und ihre Titelsammlung in Bildern

Ja, irgendwie brauchen mich die Trainer immer (lacht). Vielleicht wegen meiner Mentalität, ich kann ganz gut Leute mitreißen, bin sehr direkt und wenn es nicht läuft, kriegen meine Mitspielerinnen auch mal einen Anschiss. Hauptsache, es weckt eine Emotion.

So wie am Sonntag gegen die SGS Essen, als die erste Halbzeit nicht so berauschend war?

Ja, da habe ich in der Halbzeit auch gesagt: ‚Wir können frühzeitig Meister werden! Bewegt euren Arsch!’ Ich meine damit dann natürlich immer auch mich selbst, nehme mich da nicht raus. Und dann hab’ ich noch zu Pernille Harder gesagt, dass wir eine entschlossene Aktion brauchen. Und was ist passiert? Pernille rennt auf links durch und legt für Ella das Tor auf.

Klingt streng. Keine Nachsicht mit den Kolleginnen?

Doch, doch (lacht). Dass man nach so vielen englischen Wochen nicht immer on fire sein kann, ist natürlich klar.

Bleibt denn wenigstens Zeit, den Frauenfußball anderswo zu verfolgen?

Top-Spiele schaue ich mir mal an. Oder wenn sich die Mädels zum Fußballschauen treffen, gehe ich mal mit. Ansonsten setze ich mich damit aber nicht so auseinander. Dass Ramona Bachmann jetzt in London den Liga-Titel gewonnen hat, habe ich auf Instagram gesehen. Manches kriege ich aber auch gar nicht mit – manchmal weiß ich nicht, wer meine Gegenspielerin ist.

Bitte?

Klar, das kann doch auch ein totaler Vorteil sein. Ich weiß noch genau, wie mich Ralf Kellermann das erste Mal auf die Außenverteidiger-Position gesetzt hat. Das habe ich vorher nie trainiert, geschweige denn hatte ich defensiv gespielt. Und meine Gegenspielerin war Marta vom FC Rosengard...

...die damals beste Fußballerin der Welt.

Klar, kannte ich sie ein bisschen. Ich wusste jetzt aber beispielsweise nicht, dass sie Linksfuß ist. Aber wenn du nicht weißt, wie gut deine Gegenspielerin gerade drauf ist, dann hast du auch keine Angst, sondern machst einfach dein Ding. Wenn ich vorher darüber nachdenke, dass sie immer den Haken nach links macht, dann erwarte ich auch andauernd diesen Haken nach links. So aber handle ich nach Gefühl und antizipiere dadurch besser.

Wenn Sie sich nicht mit anderen Ligen auseinandersetzen – gab es dann jemals die Überlegung, woanders eine neue Herausforderung wahrzunehmen?

Ja, ein bisschen Interesse gibt es immer mal wieder. Die anderen Vereine wissen aber natürlich auch, dass ich nicht mehr die Jüngste bin und nun auch schon lange für den VfL spiele. Aber das Thema interessiert mich auch nur, wenn es um eine Vertragsverlängerung geht, dann setze ich mich mal hin und mache mir Gedanken. Und bisher habe ich immer gesagt: Ich bleibe hier.

Sie sind in Weimar geboren. Ist Wolfsburg mittlerweile Heimat?

Ich fühle mich hier heimisch, ja.

Können Sie die Vorurteile gegenüber Wolfsburg nachvollziehen?

Gar nicht! Es gibt hier so viele Dinge, die man machen kann. Du kannst hier ins Kunstmuseum, ins Badeland oder an den Allersee gehen und generell kann man hier viel im Grünen unterwegs sein. Wenn ich shoppen will, kann ich zur Not auch nach Hannover, Braunschweig oder Berlin fahren. Ich habe jetzt nicht so viel Freizeit, aber man kann hier alles machen und hat alles.

Und wenn dann mal frei ist, wie schalten Sie ab?

Ich mache ganz normale Dinge. Zu Hause chillen, Erledigungen, Arztbesuche. Wenn der Spielplan eng ist, ist der Wochen-Einkauf das Freizeit-Highlight der Woche.

Jetzt geht’s am Samstag gegen München um den DFB-Pokal. Was für ein Spiel erwarten Sie?

Das wird ein sehr hartes Spiel. Ich bin aber der Meinung, dass unsere Siegermentalität etwas stärker ist. Wir haben uns gegen Chelsea nach einem Rückstand zurückgekämpft und gemerkt: So etwas können wir auch. Aber gegen Bayern wird es nicht so leicht, sie hatten in dieser Saison jetzt nicht so ein hartes Programm wie wir und sind wahrscheinlich etwas fitter.

*Sie waren 2013 beim Triple gewinn dabei. Was spricht dafür, dass sich in diesem Jahr der Dreifach-Triumph wiederholt? *

Unsere Verletzungen...

Wieso das denn?

In den Saisons mit unseren Champions-League-Siegen hatten wir immer einen Handbruch – erst Nadine Kessler, dann ich und jetzt wieder ich. Passt also.

Gutes Omen...

Ja, darum bin ich mir auch sicher: Wenn wir das Pokalfinale gewinnen, holen wir den dritten Titel auch noch.

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