29. Januar 2018 / 14:35 Uhr

Antisemitische Sprechchöre beim Leipziger Derby – NOFV ermittelt

Antisemitische Sprechchöre beim Leipziger Derby – NOFV ermittelt

Matthias Puppe, LVZ.de
Das Regionalliga-Derby zwischen dem 1. FC Lok und der BSG Chemie Leipzig im November muss mehrfach unterbrochen werden. Polizisten und Wasserwerfer beziehen im Innenraum Stellung.
Das Regionalliga-Derby zwischen dem 1. FC Lok und der BSG Chemie Leipzig im November muss mehrfach unterbrochen werden. Polizisten und Wasserwerfer beziehen im Innenraum Stellung. © Christian Modla
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Bisher waren rassistische und antisemitische Rufe während des Regionalliga-Derbys im November in Probstheida vom Fußballverband unbeachtet geblieben. Jetzt hat der NOFV Ermittlungen aufgenommen.

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Leipzig. Die ersten Urteile sind zwar gefällt, die Aufarbeitung des Leipziger Fußball-Derbys im Bruno-Plache-Stadion am 22. November aber noch nicht abgeschlossen. Der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) hat jetzt auch Ermittlungen aufgrund rassistischer und antisemitischer Gesänge aus dem Fanblock von Lok Leipzig aufgenommen. Das sagte NOFV-Chefjustiziar Stephen Oberholz am Montag gegenüber LVZ.de. Bisher waren die Rufe, die sich gegen die Fans von Chemie Leipzig richteten, vom Sportgericht nicht beachtet worden.

„Dass es solche Gesänge im Stadion gab, war uns bisher einfach nicht bekannt. Diese wurden weder in den Berichten von Schiedsrichter und NOFV-Spielbeobachter, noch von der Polizei, noch in den Stellungnahmen der Vereine erwähnt“, so Oberholz. Aufgrund von Berichten auf der Internetseite kreuzer-leipzig.de seien die Ermittlungen nun aber trotzdem aufgenommen worden. „Das Thema hat bei DFB und NOFV eine hohe Priorität. Wir werden dazu auch noch einmal die Fernsehaufnahmen auswerten und beim Mitteldeutschen Rundfunk gegebenenfalls weitere Aufnahmen anfordern“, erklärte der Sportjustiziar.

Gesänge im Fernsehen zu hören – Linke kritisiert NOFV

In der Live-Übertragung des MDR war unter anderem der Sprechchor „Türken, Zigeuner und Juden – Ultras Chemie“ deutlich zu hören gewesen. Zudem berichten Augenzeugen, dass auch Spieler und Trainer der Leutzscher ähnlich beschimpft worden waren. Oberholz stellte am Montag aber auch klar, dass es sich bisher nur um Vorermittlungen und nicht um die Eröffnung eines neuen Sportgerichtsverfahrens handelt.

MDR-Liveübertragung: www.mdr.de (Rufe ab Spielmin. 29)

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Für die Linkspartei sind die bisher ausgebliebenen Ermittlungen kein Einzelfall. Die sportpolitischen Sprecherinnen Katharina Dahme und Marika Tändler-Walenta erinnerten in einer gemeinsamen Erklärung auch an den Fall der Partie zwischen dem SV Babelsberg und Energie Cottbus am 28. April, bei der unter anderem ein Hitlergruß im Energie-Fanblock nicht geahndet wurde. „Dass der NOFV in beiden Fällen die rassistischen und antisemitischen Vorkommnisse nicht bemerkt haben will, können wir kaum glauben. Vielmehr haben wir den Eindruck, dass das kein Zufall ist und der NOFV sich blind und taub zu stellen versucht!“, so die Linkspolitikerinnen.

Mehr zum Thema Das Leipziger Derby: 1. FC Lok Leipzig - BSG Chemie Leipzig (0:0)

In der vergangenen Woche hatte der NOFV Derby-Gastgeber Lok Leipzig für die Vorkommnisse bereits zu einer Strafe von 12.000 Euro verurteilt. Kontrahent Chemie Leipzig soll 10.000 Euro bezahlen. Zudem wurden für die nächsten beiden Derbys Zuschauerbeschränkungen auf Bewährung verhängt. Noch sind die Urteile aber nicht rechtskräftig, Chemie kündigte an, dagegen vorgehen zu wollen.

Oberholz: Vorfälle bei Chemie hatten mehr Gewicht

Dass beide Strafen ähnlich hoch ausfielen, sei zumindest keine gewollt paritätische Verurteilung der Stadtrivalen, sagte Oberholz. „Im Urteil werden einzelne Vorfälle herausgelöst und jeweils eigenständig betrachtet. Daraus kommen wir zu differenzierten Sanktionen. Bei Lok Leipzig waren es faktisch mehr Vorfälle, die im Urteil behandelt werden, als bei der BSG Chemie Leipzig. Allerdings waren die Vorfälle bei Chemie noch höher zu bewerten und haben deshalb mehr Gewicht“, sagte der Chefjustiziar gegenüber LVZ.de.

Im NOFV-Urteil gegen die Leutzscher war neben gezündeter Pyrotechnik beim Derby in Probstheida auch ein Becherwurf gegen den Schiedsrichter der Partie Chemie Leipzig gegen den VSG Altglienicke hinzugezogen worden. Die Strafe gegen die Probstheidaer beinhaltete neben der Pyrotechnik im Fanblock und dem Bierbecherwurf auf Gästetrainer Demuth auch den Platzsturm von Lok-Anhängern beim Hinspiel in Leutzsch am 29. Juli.

Das Regionalliga-Derby zwischen dem 1. FC Lok und Chemie am 22. November musste mehrfach vom Schiedsrichter unterbrochen werden – unter anderem weil im Lok-Fanblock die Tore zum Innenraum aufgebrochen worden waren, die Polizei gegen Lok-Hooligans vorgehen musste, ein Feuerzeug auf einen am Boden liegenden Chemie-Spieler geworfen wurde und aus beiden Fanlagern jede Menge Pyrotechnik gezündet wurde.

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