03. Februar 2018 / 17:31 Uhr

Archibald Horlitz: "Bei diesem eklatanten Fall wird uns die Kraft nicht ausgehen"

Archibald Horlitz: "Bei diesem eklatanten Fall wird uns die Kraft nicht ausgehen"

Mirko Jablonowski
SVB-Präsident Archibald Horlitz.
SVB-Präsident Archibald Horlitz. © Jan Kuppert
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Regionalliga Nordost: Der Präsident des SV Babelsberg über den Rechtsstreit mit dem Nordostdeutschen Fußball-Verband.

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Sportlich hätte der Jahresauftakt für den Fußball-Regionalligisten SV Babelsberg 03 nicht besser laufen können. Das bestimmende Thema nach dem 4:0-Heimsieg gegen die BSG Chemie Leipzig war aber der weiter schwelende Streit zwischen dem Verein und dem Nordostdeutschen Fußball-Verband (NOFV).

Bis zum vergangenen Freitag sollte der SVB 7000 Euro Strafe für Verfehlungen seiner Fans beim Spiel gegen den FC Energie Cottbus im vergangenen April bezahlen - bei Nichtüberweisung droht der NOFV mit einem Ausschluss des Teams vom Spielbetrieb. Sollte das Geld am Montag beim NOFV nicht eingegangen sein, sollen Konsequenzen gezogen werden. „Wenn die Frist verstreicht, müssen wir Konsequenzen daraus ziehen“, sagte NOFV-Präsidiumsmitglied Erwin Bugar am Freitag dem MDR. „Die Frage der Glaubwürdigkeit des NOFV steht hier auf dem Spiel.“ Babelsbergs Vorsitzender Archibald Horlitz will von dem eingeschlagenen Weg dennoch keinen Millimeter abweichen.

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Auch die Babelsberger Anhänger machten ihrem Ärger über den NOFV Luft. Zur Galerie
Auch die Babelsberger Anhänger machten ihrem Ärger über den NOFV Luft. © Jan Kuppert
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Herr Horlitz, NOFV-Geschäftsführer Holger Fuchs will am Montag nachschauen, ob Ihr Verein die 7000 Euro Geldstrafe überwiesen hat.

Archibald Horlitz: Die Arbeit kann ich ihm abnehmen: Es kommt kein Geld.

Sie bleiben also bei Ihrer Haltung und denken nicht daran nachzugeben, um den seit einem dreiviertel Jahr andauernden Streit zu beenden?

Wenn derjenige Richter, der selbst das Urteil gefällt hat, sagt, dass Fehler gemacht wurden… wenn der jetzige NOFV-Präsident Rainer Milkoreit in der Märkischen Allgemeinen Zeitung sagt, dass das nicht vernünftig gelaufen ist – was um Himmels Willen soll mich motivieren, ein solches Urteil zu akzeptieren und eine Strafe zu zahlen. Und nochmal: Den Teil der Strafe der das Zünden von Pyrotechnik betrifft, akzeptieren wir. Aber, dass wir uns hier verbal zur Wehr setzen, wenn in unserem Stadion der Hitlergruß gezeigt wird und antisemitische Gesänge angestimmt werden, muss selbstverständlich sein und auch vom NOFV offen akzeptiert werden. Hier hat sich der NOFV eine Beurteilung rausgenommen, die ihm als Sportgericht nicht zusteht. Hier geht es um eine gesellschaftspolitische Verantwortungsposition. Da erwarte ich das entsprechende Fingerspitzengefühl und die nötige Sensibilität, wenn man sich überhaupt in dieses Gebiet hinein begibt.

Sie werden nicht müde, Ihre Position zu verteidigen. Wie nehmen Sie die inzwischen bundesweit zu vernehmenden Reaktionen auf Ihr Handeln wahr?

Außer vom NOFV haben wir kein negatives Feedback bekommen. Alle Medien bestärken uns in unserer Sicht der Dinge und unterstützen unsere Position. Viele Prominente, wie zum Beispiel Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs, stärken uns den Rücken.

Die Situation ist trotzdem völlig verfahren. Wie könnte Ihrer Meinung nach eine Lösung aussehen?

Es gab bisher nie irgendein persönliches Gespräch mit den Zuständigen des NOFV. Das Urteil gegen uns wurde in einem Hinterzimmer unter Ausschluss der Öffentlichkeit gefällt. Wir als Beklagte hatten hier keine Stimme im ,Parlament‘ und ich finde es wird Zeit, dass man sich gemeinsam an einen Tisch setzt, wenn man die Sache bereinigen möchte. Dies auch gern in guter Ostdeutscher Tradition als sogenannter ,Runder Tisch'. Gern auch unter Hinzuziehung von einem DFB-Vertreter.

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Sie und Ihre Mitstreiter investieren als Ehrenamtliche viel Kraft und Zeit in diesen Streit. Haben Sie Angst, dass Sie irgendwann am Ende Ihrer Kräfte sind und doch noch nachgeben?

Wir wissen, wofür wir kämpfen und wir wissen, dass es richtig ist und es sich lohnt. Wenn wir hier jetzt aufgeben, akzeptieren wir letztendlich alles, was im Moment gesellschaftlich schief läuft. Bei diesem eklatanten Fall wird uns die Kraft nicht ausgehen. Darauf sollte der NOFV nicht bauen.

Vor dem Spiel gegen Chemie Leipzig wandten Sie sich an die Zuschauer und appellierten an einen friedlichen Protest - mit Erfolg. Zudem feierte die Mannschaft den höchsten Saisonsieg. Konnten Sie während des Spiels die Streitigkeiten mit dem NOFV ausblenden?

Ich danke zunächst einmal beiden Fanlagern, dass sie hier einen eindrucksvollen und teilweise eher stummen Protest gezeigt haben. Ich bin darüber hinaus der Mannschaft, die natürlich auch mitbekommt, was sich außerhalb des Rasens tut, dankbar, dass sie das ausblenden konnte und eine hervorragende Leistung gezeigt hat. Mir tut Chemie ein bisschen leid, weil der Sieg doch ein, zwei Tore zu hoch ausgefallen ist – sie haben sich nicht wie ein Abstiegskandidat präsentiert. Ich habe mich natürlich gefreut, wie das Spiel gelaufen ist, aber ich hatte die NOFV-Sache permanent im Hinterkopf. Das will ich nicht verschweigen.

Nach dem Spiel ist vor dem nächsten Kapitel des Rechtsstreits. Erwarten Sie am Montag eine Nachricht des NOFV, in der Ihre Mannschaft tatsächlich vom Spielbetrieb ausgeschlossen wird und welche Folgen hätte das?

Der Präsident des NOFV, Milkoreit, hat ja klar gesagt, dass es solch einen Fall beim NOFV noch nicht gab. Ich hoffe, dass der NOFV das Wochenende nutzt diese Angelegenheit in Ruhe zu analysieren und sich zu hinterfragen, ob es Augenmaß beweist, wegen einer Petitesse, wenn ich die Strafhöhe mal relativ sehe, erstmalig in der Geschichte des NOFV eine Mannschaft vom Spielbetrieb auszuschließen – was ja in den Bereich der Todesstrafe geht. Wenn ich einem Verein die Teilnahme am Spielbetrieb verwehre, entziehe ich ihm die wirtschaftliche Grundlage und eine Insolvenz wäre die Folge. Daher würde ich mich freuen, wenn der NOFV hier doch noch zur Besinnung kommt. Die Aussagen von Herrn Erwin Bugar, dem designierten Nachfolger von Herrn Milkoreit und DFB-Vize, lassen mich aktuell daran zweifeln, dass zumindest er weiß, was er tut. Er kennt offensichtlich nicht die Satzung beziehungsweise die Rechts- und Verfahrensordnung seines eigenen Verbands, wenn er vom Zwangsabstieg spricht. Falls es doch zu einem Ausschluss vom Spielbetrieb kommt, wird es von uns eine einstweilige Verfügung geben. Und da sind wir uns relativ sicher, dass wir uns vor einem ordentlichen Gericht durchsetzen werden.

Sie warten also die nächste Reaktion des NOFV ab?

Der Ball liegt im Feld des NOFV. Aber wir haben die Hand ausgestreckt und klar gesagt, dass wir jederzeit zu einem persönlichen Gespräch ohne Vorbedingungen bereit sind. Mehr können wir an dieser Stelle nicht mehr tun.

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