03. Dezember 2018 / 18:11 Uhr

Ariane Hingst vor Duell mit Ex-Club: „In Potsdam wird Fußball gelebt“

Ariane Hingst vor Duell mit Ex-Club: „In Potsdam wird Fußball gelebt“

Christoph Brandhorst
Seit 2016 ist Ariane Hingst unter Chefcoach Stephan Lerch Co-Trainerin beim VfL Wolfsburg. Als Spielerin wurde die ehemalige Turbine zweimal Welt- und viermal Europameisterin. 
Seit 2016 ist Ariane Hingst unter Chefcoach Stephan Lerch Co-Trainerin beim VfL Wolfsburg. Als Spielerin wurde die ehemalige Turbine zweimal Welt- und viermal Europameisterin.  © imago/foto2press
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Zehn Jahre spielte Ariane Hingst für den 1. FFC Turbine Potsdam. Jetzt ist die 39-jährige Berlinerin Co-Trainerin beim VfL Wolfsburg. Am Mittwoch kommt sie mit dem Ligaprimus ins Karl-Liebknecht-Stadion.

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Ariane Hingst war zehn Jahre lang ein Gesicht des Potsdamer Frauenfußballs. Von 1997 bis 2007 kickte die heute 39-Jährige an der Havel, wurde 2003 zu Brandenburgs Sportlerin des Jahres gewählt. Seit gut zwei Jahren ist die gebürtige Berlinerin Co-Trainerin bei Meister VfL Wolfsburg. Mit dem deutschen Branchenprimus trifft Ariane Hingst am Mittwochabend (19 Uhr, Karl-Liebknecht-Stadion) auf ihren Ex-Club. Im Interview spricht sie über das Verhältnis zu Turbine, die Atmosphäre im „Karli“ und die Wolfsburger Dominanz.

Frau Hingst, am Mittwoch treffen sie mit dem VfL auf Turbine Potsdam. Hat das Spiel für Sie noch einen besonderen Reiz?

Das ist ja nun schon einige Jahre her und nicht das erste Mal, dass ich als Gegner gegen Potsdam spiele, ob als Spielerin oder jetzt als Co-Trainerin. Insofern spielt meine Potsdamer Vergangenheit keine Rolle mehr.

Freuen Sie sich trotzdem aufs Spiel?

Ich mag das ,Karli’. Ich habe dort immer gerne gespielt. Es ist durch die Zuschauer sicher nicht immer ganz angenehm. Da sind einige dabei, denen es leider mehr darum geht, den Gegner niederzumachen als die eigene Mannschaft anzufeuern. Aber es ist immer eine geile Atmosphäre im ,Karli’. Es wird ein super Spiel für uns, in dem wir als Mannschaft gegen zuletzt doch sehr starke Potsdamerinnen sehr gefordert werden. Unser Ziel ist natürlich, drei Punkte mit nach Hause zu nehmen.

Vor elf Jahren haben Sie Turbine verlassen. Gibt es denn noch Kontakte nach Potsdam?

Aktive Kontakte eher weniger. Aber durch meine Funktion in Wolfsburg war ich natürlich schon ab und zu mal wieder im ,Karli’, um Spielbeobachtungen zu machen. Dadurch habe ich Bernd Schröder, seine Frau oder Rolf Kutzmutz immer wieder mal getroffen. Immer wenn ich da bin, läuft man Leuten über den Weg.

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<b>Fatmire Lira Alushi:</b> Als sie 2009 aus Duisburg nach Potsdam wechselte, hieß sie noch Bajramaj. Alushi kickte bis 2011 bei Turbine, gewann mit dem Verein zwei Meisterschaften und 2010 die Champions League. Schon vor ihrem Wechsel nach Potsdam war sie 2007 mit der DFB-Elf Weltmeister geworden. Zur Galerie
Fatmire "Lira" Alushi: Als sie 2009 aus Duisburg nach Potsdam wechselte, hieß sie noch Bajramaj. Alushi kickte bis 2011 bei Turbine, gewann mit dem Verein zwei Meisterschaften und 2010 die Champions League. Schon vor ihrem Wechsel nach Potsdam war sie 2007 mit der DFB-Elf Weltmeister geworden. ©
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Wie intensiv haben Sie die sportliche Entwicklung in Potsdam verfolgt?

Wenig intensiv. Ich war viel im Ausland unterwegs. In der Zeit habe ich vom Frauenfußball in Deutschland gar nichts mitbekommen. Seit ich die Funktion in Wolfsburg übernommen habe, beschäftige ich mit Potsdam als Gegner. Herzblut ist da nicht mehr dabei. Dafür hat sich die Mannschaft zu sehr verändert, der Verein auch anders aufgestellt. Es ist ein Kapitel, das für mich abgeschlossen ist.

Sie kennen also Turbine als Gegner. Was kommt da auf ihr Team zu?

Die Fans machen 90 Minuten Stimmung, sind nah dran am Geschehen. In Potsdam wird Fußball gelebt, da wird vorne draufgegangen. Im Umschaltspiel von Defensive auf Offensive haben sie große Qualitäten. Wir müssen an die Leistungsgrenze gehen, es wird eine physische Herausforderung.

Der VfL marschiert in der Bundesliga unangefochten vorne weg. Wie erklären Sie sich die Dominanz, die ihr Team aktuell ausstrahlt?

Die professionelle Arbeit, die in Wolfsburg seit Jahren betrieben wird, setzt sich fort. Im Moment haben wir einen guten Lauf. Sicher war auch ein Vorteil, dass sich die Mannschaft im Sommer kaum verändert hat. Wir waren schon relativ eingespielt. Wir wissen aber auch, dass wir uns diese Leistung immer wieder neu erarbeiten müssen. Es macht Spaß mit den Mädels, weil sie nicht müde werden, nicht nachlassen. Wir genießen die Momentaufnahme, lassen uns davon aber nicht blenden. Wir wissen auch, dass die Liga stark genug ist, dass man sich keine Schwächen erlauben darf.

Hingst: "Da tun andere Nationen deutlich mehr"

Trauen Sie reinen Frauenfußballvereinen wie Turbine Potsdam zu, diese Lücke noch einmal zu schließen?

Sicher ist es eine sehr große Herausforderung, da mitzuhalten, und es gibt auch finanziell das eine oder andere Problem. Aber man muss nicht nur auf Deutschland schauen, sondern europaweit. Da muss der deutsche Frauenfußball – egal ob Frauenfußballvereine oder Wolfsburg, München, Freiburg – ganz doll aufpassen. Wenn die Entwicklung so weitergeht, können wir international nicht mehr mithalten. Da tun andere Nationen deutlich mehr.

Was genau meinen Sie?

Bei Olympique Lyon zum Beispiel sind die Frauen, was die Trainingsbedingungen betrifft, mit den Männern gleichgestellt. Auch in England gibt es professionelle Strukturen, da wird viel Geld bereitgestellt. Juventus Turin hat eine Frauenmannschaft gegründet, Barcelona ist oben dabei – da passiert einiges. Die sind uns deutlich einen Schritt voraus.

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