11. Mai 2018 / 17:01 Uhr

Atlas' Keeper "mit dem Nagel im Kopf"

Atlas' Keeper "mit dem Nagel im Kopf"

Nico Nadig
Fußball-Oberliga
SV Atlas 1 -
MTV Gifhorn
Stadion
Geplant: 07.04.2018, 16:00 bis 17:30
Florian Urbainski steht seit dem zweiten Saisonspiel im Tor des SV Atlas und hat sich zu einem sicheren Rückhalt entwickelt. © Ingo Moellers
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Florian Urbainski ist seit dem zweiten Spieltag dieser Saison Stammtorwart beim Oberliga-Aufsteiger – aus guten Gründen

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Nirgendwo im Fußball liegen Sieg und Niederlage so dicht beieinander wie auf der Position des Torhüters: Kommt er mit den Fingerspitzen noch an den Ball und kratzt ihn so aus dem Winkel oder klatscht das Leder doch gegen die Latte und trudelt ins Tor – zwischen gefeiertem Helden und einsamsten Mannschaftssportler überhaupt entscheiden oft nur wenige Millimeter. Der Druck, der damit auf den Schlussmännern lastet, ist in gewisser Weise einzigartig im Fußball. Warum? Nun, im Gegensatz zu ihren Mitspielern können sie in jeder Situation entweder gewinnen oder verlieren. Dazwischen existiert nichts, bei einem Patzer zappelt der Ball im Netz – allerdings könnten sie schon im nächsten Moment wieder zum Helden werden. Wie schwierig es manchmal ist, damit umzugehen, weiß Florian Urbainski genau. Der Torhüter des Fußball-Oberligisten SV Atlas Delmenhorst hat in seiner Laufbahn schon beides erlebt. „Ich musste das erst lernen, aber mittlerweile kann ich damit umgehen. Druck macht man sich ohnehin nur selbst. Und wenn ich von Fans auf Fehler angesprochen werde, stört mich das nicht mehr. Irgendwann kann ich sogar über die Patzer lachen“, sagt der 28-Jährige.

Er hat sich im Laufe der Saison zu einem enorm sicheren Rückhalt entwickelt und ließ sich von Fehlern nicht verunsichern. Stattdessen hielt er einige Punkte für die Blau-Gelben mit seinen Paraden fest – vor allem in Eins-gegen-eins-Duellen und auf der Linie glänzte er immer wieder. „Meinen Strafraum habe ich mittlerweile auch wieder im Griff, das war nicht immer so“, berichtet der für einen Keeper nur 1,82 Meter große Urbainski. Um sich zu verbessern, schaut er sich durchaus mal etwas von Welttorhüter Manuel Neuer ab. An der Umsetzung hapert es jedoch manchmal, ansonsten „würde ich ja auch in der Bundesliga spielen“, sagt Urbainski lachend. Nichtsdestotrotz wehte in jüngster Zeit ein Hauch von Bundesliga durch das Stadion, wenn ‚Benno‘ (Urbainskis Spitzenname) zwischen den Pfosten stand. Denn die Anhänger der Blau-Gelben nennen den Keeper mittlerweile Benno Pavlenka, eine Anlehnung an den Werder-Torhüter Jiri Pavlenka. Dass Urbainski sich in der aktuellen Oberliga-Saison bisher überhaupt so auszeichnen konnte, darauf hatte zu Beginn nichts hingedeutet. Schließlich nahm der 28-Jährige beim ersten Spiel des SVA auf der Bank Platz, David Lohmann stand damals zwischen den Pfosten. Jedoch verletzte Lohmann sich, sodass Urbainski unverhofft in die Startelf rückte. Und genau darin liegt eine weitere Besonderheit der Torhüter-Position: Hat sich ein Trainer erst mal für einen Schlussmann entschieden, wechselt er ihn nicht so bald wieder aus – selbst wenn dieser mal patzt. Der Spieler in der zweiten Reihe kann nur im Training Druck auf den Starter machen, und muss sich gedulden.

„Als die Entscheidung damals gefallen ist, war ich nicht sauer auf David, wir haben ein gutes Verhältnis, oder auf den Trainer. Sondern in erster Linie auf mich selbst“, betont Urbainski. Als zweiter Torhüter muss man letztendlich auf einen Ausfall des Stammkeepers hoffen, wenngleich „ich niemandem eine Verletzung wünsche“. Seine Chance nutzte Urbainski eindrucksvoll und bot seinem Trainer Jürgen Hahn damit keinen Grund, Lohmann nach überstandener Verletzung wieder zur Nummer eins zu befördern. „Benno hat eine tolle Hinrunde gespielt und uns einige Punkte festgehalten. In der Rückrunde hatte er zwar den einen oder anderen Wackler, trotzdem hat er bisher eine sehr, sehr gute Saison gespielt“, lobt Hahn. Und dabei hilft Urbainski der Mannschaft nicht nur mit spektakulären Paraden wie im Rückspiel gegen Eintracht Celle, als er gleich zweimal in Folge mit starken Reaktion seinen Kasten sauber hielt. Sondern auch mit seiner Art. Er probiert, die Mannschaft von hinten zu pushen. Zwei Beispiele: Als der SVA gegen den TuS Sulingen in Rückstand geriet, rannte er aus seinem Strafraum und schrie in Richtung Mittelkreis: „Auf geht’s Männer, los!“ Beim 1:0-Führungstreffer durch Kevin Radke gegen den SC Spelle-Venhaus hielt ihn gar nichts mehr im Strafraum. Jubelnd und mit geballter Faust stürmte er in die Hälfte des SC und feierte mit dem Torschützen. Hahn: „Benno ist ein super Typ. Als Trainer wünscht man sich solch einen Spieler. Er ist ein Teamplayer, motiviert andere und spricht auch mal Dinge an.“

Auf dem Spielfeld kann Urbainski jedoch nur bedingt Einfluss auf die Mannschaft nehmen. Als Führungsspieler sieht er sich trotzdem. „Ich achte zum Beispiel darauf, dass die ‚ungeschriebenen Fußball-Gesetze‘ eingehalten werden. Ein verdienter und älterer Spieler wie Domo (Dominik Entelmann, Anmerk. der Red.) muss zum Beispiel nicht nach jedem Training die Bälle einsammeln oder das Tor schleppen“, erklärt der Atlas-Keeper. Seine Position mag ihn an machen Sachen hindern, sie hat trotzdem ihre Vorteile: Urbainski nimmt das Spiel aus einer ganz anderen Perspektive wahr, kann seine Vorderleute unterstützten und sogar dirigieren. „Ich sage ihnen zum Beispiel, von wo ein Gegenspieler kommt“, erklärt Urbainski. Er verfolgt den Ball während einer Partie aufmerksam, egal ob er sich im gegnerischen Strafraum befindet oder 20 Meter vor seinem Tor. In seinem Kopf spielt er dann immer wieder verschiedene Szenarien durch: „Was passiert, wenn wir jetzt den Ball verlieren? Wo kann der Gegner hin passen?“ Übrigens, wenn ein Gegner mal durchbrechen sollte und alleine auf Urbainski zuläuft, kann es durchaus passieren, dass dieser sich aufbäumt und schreit: „Den halte ich!“ Als Torhüter muss man schlussendlich doch ein wenig verrückt und besonders sein. Urbainski: „Wenn man meine Mitspieler fragen würde, dann würden die wohl sagen, dass ich einen Nagel im Kopf habe.“

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