11. Oktober 2018 / 11:19 Uhr

Auf dem Weg zur Zweiklassen-Gesellschaft

Auf dem Weg zur Zweiklassen-Gesellschaft

Tobias Dohr
Noch immer ungeschalgen: Die Fußballer des FC Hambergen haben dem ersten Saisondrittel der Bezirksliga klar ihren Stempel aufgedrückt.
Noch immer ungeschalgen: Die Fußballer des FC Hambergen haben dem ersten Saisondrittel der Bezirksliga klar ihren Stempel aufgedrückt. © Tobias Dohr
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Ein erstes Zwischenfazit der Teams aus dem Kreis Osterholz

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Knapp ein Drittel ist in der Bezirksliga Lüneburg 3 gespielt. Mittlerweile lässt sich ganz gut sagen: Die Liga scheint zu einer Zweiklassen-Gesellschaft zu verkommen. Oben die fünf ambitionierten Teams, die man auch im Vorfeld der Spielzeit dort erwartet hatte und die sich im Prinzip nur untereinander schlagen können. Darunter mit dem Spitzenreiter FC Hambergen, dem VSK Osterholz-Scharmbeck und dem SV Komet Pennigbüttel auch drei ambitionierte Klubs aus dem Landkreis Osterholz.

Alle anderen Teams der Liga scheinen mehr oder weniger auf einem vergleichbaren Niveau zu stehen. Wer am Ende dauerhaft im Tabellenkeller steckenbleiben wird, ist noch nicht verlässlich vorherzusagen. Vielmehr deutet vieles auf einen lange offenen und umkämpften Abstiegskampf hin. Klar scheint indes, dass mit der TSG Wörpedorf-Grasberg-Eickedorf und dem ATSV Scharmbeckstotel zwei Osterholzer Teams große Probleme kriegen werden. Ein doch etwas überraschendes Negativbeispiel ist zudem der SV Lilienthal-Falkenberg, der derzeit auf einem Abstiegsplatz rangiert. Ein erstes Zwischenfazit.

FC Hambergen: Meisterliche Mentalität

Wird das endlich das Jahr des FC Hambergen? Vieles deutet darauf hin, dass Eric Schürhaus den goldenen Jahrgang um Finn-Niklas Klaus, Frederik Nagel, Simon Küstner oder Tim Denker den entscheidenden Tick vorangebracht hat. Jenes kleine Stückchen, das dem hoch veranlagten Kader in den vergangenen beiden Spielzeiten in den entscheidenden Phasen stets abgegangen ist. Das liegt zweifelsohne auch an der akribischen Kaderplanung.

Coach Schürhaus und Teammanager Jan Horstmann haben sich nämlich keinesfalls mit dem ohnehin schon reichlich vorhandenen Potenzial zufriedengegeben, sondern das Team weiter verstärkt, gezielt verstärkt. Ein Luka Muskee, ein Keno Liebschner, ein Thorsten Klindworth oder Lennard Uhlhorn geben dem Kader nun auch in der Breite eine Qualität, die Schürhaus geschickt einzusetzen vermag. Kein Akteur darf sich seines Platzes zu sicher sein, gleichwohl scheint das große Hamberger Plus – die ausgeprägte Kameradschaft innerhalb des Teams – weiterhin ein ganz entscheidender Faktor zu sein. Spieltaktisch zeigt sich Schürhaus gewohnt flexibel.

Allerdings scheint der große Unterschied ein anderer zu sein: Die Hamberger Spieler haben endlich verinnerlicht, über welche Qualität sie verfügen und was ein echtes Spitzenteam ausmacht: diese Qualität Woche für Woche abzurufen. Und auch nicht aufzuhören, wenn ein Spiel längst gewonnen ist. Jene überragende Siegermentalität stellten die Rot-Weißen gerade erst eindrucksvoll beim 12:0 über Achim unter Beweis. Die „Zebras“ preschen derzeit im Expresstempo durch die Liga. Allerdings: Die großen Gegner kommen erst noch. In den nächsten drei Spielen warten Etelsen, Pennigbüttel und Ottersberg. Spätestens dann wird sich zeigen, ob der FCH reif für den ganz großen Wurf ist.

VSK Osterholz-Scharmbeck: Im Fahrwasser der Großen

Kann sich noch jemand an die Probleme erinnern, die beim VSK Osterholz-Scharmbeck in den vergangenen beiden Jahren gebetsmühlenartig runtergerattert wurden? Dünne Spielerdecke. Keine personellen Alternativen. Kaum Druck für die Stammspieler. All das scheint wie aus einer lange vergessenen Zeit. Dabei ist es bei weitem nicht selbstverständlich, wie die ersten neun Punktspiele für den VSK verlaufen sind.

Neu-Trainer Oliver Schilling hat von Teammanager Markus Friedrichs einen Kader zusammengestellt bekommen, der qualitativ zum Träumen anregt – der aber auch viele Risiken birgt. 25 Spieler müssen sich schließlich erst einmal einem großen, gemeinsamen Ziel unterordnen. Die Neuzugänge erst mal ihren Platz finden. Die ehemaligen Weggefährten Schillings aus Wallhöfener Vergangenheit erst einmal bereit sein, sich komplett neu zu beweisen. Doch all das – so scheint es Mitte Oktober – hat Schilling in Rekordzeit hinbekommen.

Sergej Baitler oder Eugen Zilke durchleben ihren dritten Frühling. Dustin und Patrick Hirsch sind noch lange nicht am Ende ihrer Entwicklung. Ali Dag und Tobias Stöhr sind genau die Verstärkungen, die man sich erhofft hat. Und dann ist da ja auch noch die Jugend, die plötzlich wieder eine Perspektive hat. Schon in der Vorbereitung waren die A-Junioren regelmäßig mit dabei. Mit dem sechsfachen Torschützen Juri Kiekhöfer hat sich einer davon sogar schon einen Stammplatz erarbeitet. 22 Punkte aus neun Spielen sind eine beeindruckende Bilanz. Dass sich die Grün-Weißen hinter Etelsen, Ottersberg und vor allem Hambergen derzeit noch etwas unbeachtet im Fahrwasser der großen Drei bewegen, dürfte Schilling nur recht sein. Er will beim VSK langfristig etwas aufbauen. Und die Grundsteinlegung ist geglückt.

SV "Komet" Pennigbüttel: Auf der Suche nach dem Killerinstinkt

Die Fußballszene ist sich da eigentlich einig: Dieser Pennigbütteler Kader ist der beste der vergangenen Jahre. Das erfolgreiche Team, das Ex-Coach Malte Jaskosch drei Jahre geformt hat, ist immer noch in großen Teilen zusammen. Dazu konnten Trainer Marco Meyer und der Sportliche Leiter Olaf Windhorst Neuzugänge von den Lila-Weißen überzeugen, um die die „Kometen“ von der Konkurrenz beneidet werden.

Beispielsweise um einen Tim Weinmann, einen Felix Hampel, Julian Michaelis, Vinzenz van Koll oder Pascal Schnock. Und trotz dieses – für Bezirksligaverhältnisse – überdurchschnittlich begabten Kaders geht den Pennigbüttelern (noch) eines abhanden: der absolute Killerinstinkt. Anders ist beispielsweise ein 0:0 gegen Scharmbeckstotel nicht zu erklären. Auch beim 3:1-Sieg über Achim ließ sich die Meyer-Elf trotz ganz schneller 2:0-Führung unerklärlicherweise fast noch die Butter vom Brot nehmen. Wie es besser geht, zeigte Hambergen, das Scharmbeckstotel (6:0) und Achim (12:0) gnadenlos vom Platz schoss.

Jener unbedingte Siegeswille, diese unstillbare Gier nach Erfolg, ist derzeit wohl der einzige Unterschied zwischen diesen beiden Teams. Denn einen eingespielten Stamm hatten beide Klubs auch schon vor der Saison, nun haben sich beide im Sommer noch einmal namhaft verstärkt. Sollten die „Kometen“ diesen unbedingten Willen nicht entwickeln, dürfte es in dieser Saison schwer werden, ganz oben dran zu bleiben. Dabei ist die Defensive durchaus meisterlich. Zum Saisonstart blieb man fünf Spiele komplett ohne Gegentor, ehe es in Etelsen gleich fünf setzte. Doch in der Offensive drückt der Schuh, das verdeutlicht noch einmal der Blick zum FC Hambergen: Die „Zebras“ haben mit 46 Toren fast doppelt so oft getroffen, wie die Pennigbütteler (24).

TSG Wörpedorf-Grasberg-Eickedorf: Vom Traum zum Albtraum

Für Marco Miesner ging im Frühjahr ein Traum in Erfüllung. Nach vielen Jahren schaffte es der langjährige Trainer der TSG Wörpedorf-Grasberg-Eickedorf endlich, mit seiner Mannschaft in die Bezirksliga aufzusteigen. Doch aus dem Traum ist längst ein Alptraum geworden. Zwar stehen die TSG-Kicker mit acht Punkten aus elf Spielen noch auf einem Nichtabstiegsplatz. Doch das liegt eher an der schrägen Tabelle – und den drei nachträglich ergatterten Punkten aus dem eigentlich mit 1:4 verloren gegangenen Spiel gegen Rot-Weiß Achim.

Der erste und bislang einzige Sieg auf dem Rasen, das knappe 2:1 beim ATSV Scharmbeckstotel, liegt schon wieder Wochen zurück. Seitdem setzte es – das Achim-Spiel mit eingerechnet – sechs Niederlagen in sechs Spielen. Und das bei einem desaströsen Torverhältnis von 3:32. Alleine in den letzten drei Partien kassierten die Miesner-Mannen 19 Gegentreffer. Der TSG-Coach wusste bereits vor der Saison, dass dieses erste Jahr in der Bezirksliga ein großes Abenteuer werden würde. Und das Punkte auch in Bestbesetzung und Höchstform keine Selbstverständlichkeit sind.

Von dieser Bestbesetzung ist der Aufsteiger aber meilenweit entfernt – und demnach derzeit auch von einer bezirksligatauglichen Form. Das alles am langfristigen Ausfall des Kapitäns Timon Schnakenberg festzumachen, wäre sicher zu einfach. Schon in der Vorbereitung konnte Miesner kaum mit vollem Kader trainieren. Im Gegenteil. Es scheint manchmal fast so, als ob der Traum von der Bezirksliga vor allem ein Traum vom Trainer gewesen ist. Und nicht von der Mannschaft. Und jetzt warten auch noch Ottersberg, Heeslingen und Hambergen.

ATSV Scharmbeckstotel: Comebacks machen Hoffnung

Philipp Meinke hatte es kommen sehen: Den ATSV-Coach beschlich schon in der Vorbereitung das Gefühl, dass die überragende Rückserie seiner Scharmbeckstoteler mit dem kaum noch für möglich gehaltenen Klassenerhalt ein wenig den Blick fürs Wesentliche getrübt hatte. Und er wurde prompt bestätigt: Dem 1:10 im Pokal gegen Bornreihe folgten weitere Klatschen. 0:8 in Etelsen, 0:7 in Ottersberg, 0:6 gegen Hambergen.

Erst am vergangenen Wochenende gelang endlich der erste Saisonsieg. Beim 2:1 in Langwedel wurde klar, wie sehr der ATSV von einigen Spielern abhängig ist. Jonas Krebs und Pascal Blaak hatten dort beide ihren ersten Einsatz – und waren sofort wieder Dreh- und Angelpunkte im Scharmbeckstoteler Spiel. Mit Nils-Linus Sievert verfügt Meinke über einen der stärksten Bezirksliga-Keeper, zumindest was die untere Tabellenhälfte angeht. Dass die Gelb-Schwarzen dennoch bereits 33 Gegentore kassiert haben, zeigt, wo der Schuh drückt.

Ein Alexander Kistner, René Meier oder Tim Hensel brauchen noch Zeit. Gerade für solche Spieler wäre eine Entwicklung in der Bezirksliga aber eminent wichtig. Sollten die ATSV-Kicker die Nachholspiele gewinnen, wären sie raus aus dem Keller. Das dürfte indes nur gelingen mit einer vermeintlichen 1a-Elf – oder eben mit jener bedingungslosen Einstellung, die das Meinke-Team in den Monaten Januar bis Mai so stark gemacht hat.

SV Lilienthal-Falkenberg: Auf der Suche nach Effizienz

Die Bezirksliga 3 entpuppt sich in dieser Saison als eine Zweiklassen-Gesellschaft. Vorne fünf sehr leistungsstarke Teams, zu denen man mit Abstrichen auch noch den TV Oyten und den Heeslinger SC II zählen kann. Doch ab Platz acht beginnt dann auch schon der Abstiegskampf. Dass sich auch der SV Lilienthal-Falkenberg in diesem befindet, überrascht nicht nur auf den ersten Blick. Denn die Gelb-Blauen um Neu-Coach Manuel Weinrich haben mehr als einmal ihr Können angedeutet.

Doch scheint das enorme Potenzial dieser blutjungen Mannschaft auch zu ihrer größten Gefahr zu werden. Mit Bertrand Bingana steht nur ein Akteur im Kader, der über 30 Jahre alt ist. Die meisten Spieler sind stattdessen zwischen 18 und 22 Jahre alt. Ein Yannik Niemann gehört mit 26 Jahren schon zu den Ältesten im Team. Auf dem Feld ist die Mannschaft geradezu abhängig von Nils Koehle (seines Zeichens allerdings auch erst 22 Jahre alt). Wenn der Kapitän – wie zuletzt geschehen – dann mal ausfällt, ist guter Rat teuer. Zwar ist die Handschrift des neuen Coaches und seines Assistenten Rolf Bauer deutlich zu erkennen, doch über 90 Minuten umsetzen können es die Lilienthaler Spieler viel zu selten.

Tom Meierdierks, Kai Kansmeyer, Luca Tom Stel oder Nico Apitz – verheißungsvolle Talente gibt es reichlich im Lilienthaler Kader. Und an guten Tagen können die Gelb-Blauen auch gegen fast jedes Team mithalten. Davon zeugen ein knappes 1:2 in Etelsen, oder das 2:3 in Oyten. Das beste Spiel machte die Weinrich-Elf aber vielleicht sogar beim 0:3 gegen Pennigbüttel, wo das Team vor allem spielerisch auf ganzer Linie überzeugte. Doch am Ende zählen die Punkte. Und die fehlen nach vier Niederlagen am Stück. Deshalb muss sie schleunigst her: die Effizienz.

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