01. Juni 2017 / 00:00 Uhr

Auferstanden aus Ruinen

Auferstanden aus Ruinen

Sönke Fröbe
Motor Altenburg punktet im Stadtderby!
Motor Altenburg punktet im Stadtderby! © Christian Modla
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Fünf fußballbegeisterte Dresdner lassen die DDR-Oberliga im Internet weiterleben / Alter und neuer Meister ist Union Berlin

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So etwas nennt man wohl eine Schnapsidee. Im Sommer 2015 beschlossen fünf fußballbegeisterte Journalisten aus Dresden, die längst verblichene DDR- Oberliga wiederauferstehen zu lassen. Zumindest virtuell. Auf ihrer Seite „ddr-oberliga.de“ wetteifern seitdem u.a. der FC Karl-Marx- Stadt, Wismut Aue, die BSG Sachsenring Zwickau, der HFC Chemie und natürlich Hansa Rostock in einer Liga mit derzeit 13 Klubs um Tore und Punkte.

„Wir haben uns damals beim Sommerfest der Landespressekonferenz in Dresden getroffen – und das fand rein zufällig gegenüber vom Dynamo-Stadion und der Dynamo-Kneipe statt“, erzählt Gunnar Klehm, der mit vier Kollegen die etwas spleenige Idee entwickelte. Man sprach über Tradition im Fußball, auch RB Leipzig habe dabei eine Rolle gespielt, sagt der 50-Jährige: „Und wir haben festgestellt, dass wir alle eine DDR-Oberliga-Vergangenheit haben.“

Der gebürtige Köpenicker selbst ist Union-Fan, drei Kollegen fiebern mit Dynamo Dresden und der Fünfte drückt von Kindesbeinen an HFC Chemie (heute Hallescher FC) die Daumen. „Man kann sich nicht aussuchen, von welchem Verein man Fan ist. Da wird man reingeboren“, stellt Klehm fest.

Als die Idee im Sommer 2015 entstand und dann auch ziemlich schnell umgesetzt wurde, spielten acht ehemalige DDR-Oberligisten in der 3. Liga; in der gerade abgelaufenen Saison 2016/17 waren es noch sechs. Hinzu kommen die drei Zweitligisten Union Berlin, Dynamo Dresden und Wismut (Erzgebirge) Aue sowie vier Regionalligisten. Gewertet werden nur die direkten Duelle in den jeweiligen Ligen – und zwar nach „dem alten Punktesystem, wie es zu DDR-Zeiten war“, erklärt Klehm. Für einen Sieg gibt es also nur zwei statt drei Punkte. Den Meister spielen die Zweitligisten untereinander aus. Am Ende setzte sich der 1. FC Union durch und verteidigte damit seinen Titel vor dem punktgleichen Vizemeister Dresden. Hansa Rostock – mit neun Titeln seit 1992 der Rekordmeister in der virtuellen DDR-Oberliga – beendete die Saison auf Rang fünf.

Torschützenkönige können bei Klehm und Co. übrigens auch aus unteren Ligen kommen. Die Krone in dieser Saison sicherte sich mit sieben Toren Erdogan Pini vom heutigen Nordost-Oberligisten FC Anker Wismar (früher ZSG Anker Wismar) und setzte sich damit u.a. gegen Anton Fink (Chemnitz/Karl-Marx-Stadt, 5 Tore) und Hansa-Profi Stephan Andrist (4) durch.

Ganz ernst gemeint ist das alles natürlich nicht. „Wir sehen das humorvoll“, sagt Gunnar Klehm, der aber auch auf den immer noch besonderen Reiz der Ostduelle verweist, die – gleichgültig in welcher Liga – besonders viele Fans anlockten. Der DDR-Oberliga trauern Klehm und seine Mitstreiter aber keineswegs nach. „Überhaupt nicht, mit Rückwärtsgewandtheit hat das nichts zu tun. Aber wir wollen zeigen, dass Tradition im Fußball nicht vergeht.“

Wenn Klehm auf die Abschlusstabelle der Saison 2016/17 blickt, muss er schmunzeln: „Union ist Erster, BFC Dynamo Letzter – wenn Erich Mielke das noch erleben müsste!“

Internet: ddr-oberliga.de

**Platz** Mannschaft Tore Punkte
1 1\. FC Union Berlin * 5 : 4 4 : 4
2 SG Dynamo Dresden * 6 : 6 4 : 4
3 BSG Wismut Aue * 6 : 7 4 : 4
4 FC Karl-Marx-Stadt ** 16 : 9 14 : 6
5 FC Hansa Rostock ** 14 : 12 10 : 10
6 HFC Chemie ** 10 : 9 10 : 10
7 1\. FC Magdeburg ** 10 : 10 10 : 10
8 BSG Sachs. Zwickau ** 10 : 9 9 : 11
9 FC Rot-Weiß Erfurt ** 9 : 16 7 : 13
10 BSG En. Cottbus _***_ 9 : 4 10 : 2
11 FC Carl Zeiss Jena *** 12 : 4 9 : 3
12 1\. FC Lok Leipzig *** 6 : 10 4 : 8
13 BFC Dynamo *** 3 : 12 1 : 11

Erklärung der Sternchen: * 2. Liga, 3. Liga, *Regionalliga

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