05. Dezember 2018 / 11:32 Uhr

Aufstiegsrecht für Spielgemeinschaften kommt. Die Frage ist: Wann?

Aufstiegsrecht für Spielgemeinschaften kommt. Die Frage ist: Wann?

Horst Schreiber
Die B-Junioren der SG 1. FC Binz/PSV Bergen hoffen, dass sie in der kommenden Saison in der Verbandsliga antreten dürfen. Dafür muss der Landesfußballverband aber zunächst grünes Licht geben.
Die B-Junioren der SG 1. FC Binz/PSV Bergen hoffen, dass sie in der kommenden Saison in der Verbandsliga antreten dürfen. Dafür muss der Landesfußballverband aber zunächst grünes Licht geben. © foto: verein
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Seit zwei Jahren wird über das Startverbot von Fußballgemeinschaften in der höchsten Landesspielklasse diskutiert. Nun wurde die Aufstiegsregelung gekippt. In der kommenden Woche wird geklärt, ob die Reform schon zur neuen Saison greift.

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Die A-Junioren-Fußballer der SG Insel Rügen marschieren unaufhaltsam durch die Landesliga. Die Inselkicker haben in neun Hinrundenspielen unglaubliche 71 Treffer erzielt. Allein Toptorjäger Till Plumpe hat mit seinen 33 Saisontoren mehr Buden gemacht als die letzten drei Teams der Staffel I zusammen. Die zweite Nachwuchsliga in MV scheint für die Spielgemeinschaft kein Maßstab mehr zu sein, die Konkurrenz kann Plumpe und Co. nicht stoppen.

Genauso ergeht es den B-Junioren: Die SG 1. FC Binz/PSV Bergen thront nach der Hinrunde ebenfalls auf Platz eins der Landesliga, musste bisher nur drei Punkte abgeben. Schon in der vergangenen Spielzeit landeten die Inseltalente auf Rang drei (U 19) und zwei (U 17) ihrer Staffeln. Der Gang ins Oberhaus des Landes blieb ihnen – trotz Aufstiegsrelegationsplatz – verwehrt. Spielgemeinschaften dürfen nicht in der höchsten Spielklasse starten.

Bislang! Denn seit diesem Herbst regt sich was beim Landesfußballverband (LFVMV) und dessen Jugendausschuss. „Schon vor zwei Jahren kam das Thema zum ersten Mal auf“, erinnert sich der Vorsitzende des 1. FC Binz, Ralf Reinbold: „Beim Verbandstag wurde das nun durch den Kreisfußballverband Vorpommern-Greifswald auf die Tagesordnung gesetzt.“ Und die Mitglieder begrüßten den Vorschlag: Mit einer Dreiviertel-Mehrheit stimmten die Vereine am 5. Oktober für das Ende des Aufstiegsverbots.

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„Wir haben um eine sportrechtliche Gleichstellung von Spielgemeinschaften mit anderen Vereinen gebeten. Das ist längst überfällig. Endlich hat es geklappt“, freut sich Reinbold. Damit wurde das von Aufstiegsgegnern genutzte Argument, Spielgemeinschaften seien eine Ausnahmeerscheinung, kleingeredet. „Schaut euch doch die Ergebnisse in der Landesliga an: Regelmäßige 8:0- oder 9:0-Siege können nicht der Anspruch einer Liga sein“, legt Reinbold dar.

Als größter Gegner des Relegationsrechts für Spielgemeinschaften galt der langjährige Vorsitzende des Jugendausschusses Eckhard Stender. Er befand, dass eine Spielgemeinschaft eine Notgemeinschaft sei.

Weg zur Reform frei, Änderung kompliziert

Der Ex ist mittlerweile Ehrenmitglied beim LFVMV. Seinen Posten hat seit dem 1. Oktober Jens Stein. Der Weg für die Reform im Jugendausschuss ist somit seit rund zwei Monaten frei. „Vor der Abstimmung sah es gar nicht gut aus für unser Anliegen. Da haben wir auf dem Verbandstag erst einmal aufgezeigt, was eine Spielgemeinschaft überhaupt ist und erklärt, warum sie für uns so wichtig ist“, erzählt Reinbold, der nicht nur für seine Rüganer um die Änderung kämpft: „Vielleicht ist das Modell ,SG’ auch für andere Jugendabteilungen eine Alternative.“

Und obwohl die Überzeugungsarbeit im Oktober gefruchtet hat, müssen die Kicker der SG Insel Rügen und der SG 1. FC Binz/PSV Bergen weiter fürchten, dass ihre bislang überragende Saison am Ende nicht belohnt wird. Der Haken steckt nämlich in der Jugendspielordnung und im Timing der Tagung, wie der stellvertretende Vorsitzende des Jugendausschusses Olaf Kettner offenbart: „Der Verbandstag wurde nach Beginn der laufenden Spielzeit abgehalten. Da war die Jugendspielordnung, dementsprechend auch die Aufstiegsregelung, schon verabschiedet. Und diese kann nur der Vorstand der Landesfußballverbands ändern.“ So blicken alle SG-Vertreter mit Spannung auf die kommende Woche. Denn zunächst tagt am 11. Dezember der Jugendausschuss, drei Tage später findet sich der LFV-Vorstand in der Geschäftsstelle in Rostock zusammen. „Wir werden den Beschluss erst im Jugendausschuss und dann beim Vorstand vortragen. Wir wollen den Antrag nämlich beschleunigen, so dass die Änderung schon zu dieser Saison greift“, hofft Kettner und bangt zugleich: „Ich vermag nicht zu prognostizieren, ob es klappt. Schlussendlich muss der Vorstand entscheiden. Aber die Mühlen mahlen langsam...“

Gegen eine Änderung der laufenden Spielordnung könnte der drohende Verwaltungsaufwand sprechen. Aus Erfahrung berichtet Kettner, dass den Fußballverbänden in MV schon Gerichtsverfahren zu Last fielen, weil Vereine und Personen gegen eine „ad hoc“-Reform geklagt hatten. „Dass Spielgemeinschaften in die Verbandsliga aufsteigen dürfen, ist klar. Die Frage ist nur: Wann?“, bringt es Kettner auf den Punkt.

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Vorbild Sachsen-Anhalt

Mit der Regelung folgt Mecklenburg-Vorpommern dem Beispiel von Sachsen-Anhalt. Im Partnerverband des Nordostdeutschen Fußballverbands (NOFV) bestimmen Spielgemeinschaften schon seit einiger Zeit das fußballerische Niveau der höchsten Liga mit. Die U 19 des Jugendfördervereins (JFV) Sandersdorf-Thalheim und der Juniorenspielgemeinschaft (JSG) Bennstedt/Großgräfendorf sind aktuelle Beispiele aus dem Nachbarbundesland. In der vergangenen Saison scheiterten die C-Junioren des FC Pommern Stralsund in der Relegation zur Regionalliga an JFV Weißenfels. Spielgemeinschaften sind also durchaus konkurrenzfähig – auch überregional. Das sieht auch Ralf Reinbold so: „Die SG Insel ist nachhaltig. Die Qualität der Spieler reicht allemal für die Verbandsliga.“

Ob sie das schon im kommenden Jahr unter Beweis stellen dürfen – unter Vorbehalt der sportlichen Qualifikation – wird sich noch vor Weihnachten klären. Die Aufstiegsregelung bezieht sich im Übrigen nicht nur auf den Nachwuchsbereich von D- bis A-Junioren. Auch im Spielausschuss der Herren wurde der gleiche Antrag bereits gestellt. Nun ist also der Vorstand des Landesfußballverbands MV gefragt. Er muss den „Eilantrag“ der Idee, die seit bereits zwei Jahren diskutiert wird, nur noch durchwinken.

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