RB Leipzig - Eintracht Frankfurt Jean-Kevin Augustin ist längst in Leipzig angekommen. © Hendrik Schmidt
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Augustins Weg von Paris nach Klein-Paris: "Das mit RB Leipzig und mir passt"

Erst 20 Jahre alt und abgezockt wie ein ganz Großer. Im Interview spricht Jean-Kevin Augustin über Selbstvertrauen, Demut, harte Arbeit und kühne Träume.

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Leipzig. Was wohl haben die Chefs von Paris St. Germain gedacht, als sie ihren Jean-Kevin Augustin am Dienstag im Fernsehen sahen? Wahrscheinlich dies: Merde, so einen Trick wie gegen Porto kriegt unser Steifbein Julian Draxler nie hin! Merde, welcher Hornochse hat den Jean-Kevin für 13 Millionen Euro verscherbelt? Merde, den müssen wir zurückholen! Augustin, 20, stammt aus der Akademie der Pariser, wurde im Profiteam ignoriert und unterschrieb im August einen Fünf-Jahres-Vertrag bei RB Leipzig. Einen ohne Ausstiegsklausel. Gespräch mit einem katzengewandten, technisch brillanten und frühreifen Stürmer über Paris und Klein-Paris, den sensationellen Roulette-Übersteiger beim 3:2 gegen Porto und den Traum von der WM in Russland.

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Wissen Sie, dass Sie mit Ihrer Pirouette einem portugiesischen Fallbeil entkommen sind?

In dem Moment war es mir nicht so richtig bewusst. Später habe ich gesehen, dass ein Portugiese angerauscht kam. Ich hatte Glück.

Seit wann ist der Roulette-Trick in Ihrem Repertoire?

Schon seit der Jugend. Dieser Trick funktioniert natürlich nicht immer so perfekt wie gegen Porto.

Wann entscheidet man sich für so eine Nummer?

Jedenfalls nicht vor dem Spiel. Das war in diesem Moment einfach Intuition und kein Zirkus, sondern sollte mir und der Mannschaft einen Vorteil bringen.

Sie hätten danach den Kollegen Sabitzer anspielen können. War da der notwendige Egoismus des Stürmers im Spiel?

Ganz ehrlich: Ich habe Marcel leider nicht gesehen, sonst hätte ich abgespielt.

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Haben Sie eine Ahnung, weshalb Paris St. Germain Sie verkauft hat?

Es gibt nur einen Grund: Weil ich kaum Einsätze hatte. Schauen sie sich den Kader an: In Paris Stammspieler zu werden, ist extrem schwer. Wir sind im Guten auseinandergegangen, ich wünsche Paris das Beste. Ich spiele jetzt in Leipzig bei einem fantastischen Club, habe meine Einsätze, will helfen, unsere Ziele zu verwirklichen.

Sieht man schon den kompletten JK oder geht es noch besser?

Es geht immer besser. Und dafür helfen jedes Training und jedes Spiel. Wenn ich schon nah dran wäre perfekt zu spielen, hätte ich in Dortmund ein Tor geschossen und Marcel gegen Porto nicht übersehen.

Stimmt es, dass Ihr erstes Wort in Deutsch „zurück“ war?

Ja, das habe ich ja auch schon oft gehört. Bei uns müssen alle verteidigen, auch wir Stürmer. Nur vorne drin auf Flanken warten geht nicht. Es geht vor und zurück - und das permanent. Das ist natürlich anstrengend, aber gut und wichtig.

Sie haben Klein-Paris gegen Paris getauscht. Wie gefällt Ihnen Leipzig?

Leipzig ist kompakter als Paris, die Lebensqualität ist aber hier nicht kleiner. Ich fühle mich willkommen und gut aufgehoben. Der Verein und die Mitspieler haben mir das Einleben einfach gemacht. In Paris wurde ich oft erkannt, das passiert mir in Leipzig seltener.

Jean-Kevin Augustin im Interview mit Guido Schäfer Jean-Kevin Augustin im Interview mit Guido Schäfer. © Privat

Wie oft haben Sie Besuch aus der Heimat?

Oft, ich bin fast nie allein. Wie gesagt: Mir fehlt es an nichts. Aber klar ist auch, dass über allem der Erfolg steht. Ohne Erfolg fühlst du dich als Fußballer wahrscheinlich nirgendwo wohl.

Wie haben Sie die spezielle Istanbul-Akustik wahrgenommen, verpackt?

Dort herrschte eine Wahnsinns-Atmosphäre, die mich aber nicht irgendwie beeinflusst hat. Ich hätte allerdings gerne Punkte mitgenommen. Das war möglich. Aber wir sind jetzt angekommen in der Champions League und wollen alles daran setzen ins Achtelfinale zu kommen.

Was geht in Bundesliga, Pokal und Champions League?

Alles, was wir uns erarbeiten. Wir haben Talent, Leidenschaft, ein tolles Trainer- und Betreuerteam, klasse Fans. Zusammen können wir viel erreichen.

Stimmt es, dass Ihnen Naby Keita und Dayot Upamecano zum Wechsel geraten haben?

Ich hatte mich innerlich schon für Leipzig entschieden, habe dann mit beiden telefoniert und war mir danach sehr sicher: Ja, das mit RB und mir passt.

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Es gab auch andere Angebote.

Ja, die gab es. Ralf Rangnick hat aber sehr früh Kontakt mit meinem Berater aufgenommen. Jetzt bin ich hier und überzeugt, dass es der richtige Schritt ist.

Sie sind zarte 20 und wirken abgezockt wie der reife Zinedine Zidane. Wurde Ihnen Ihr augenscheinliches Selbstvertrauen in die Wiege gelegt?

Ich weiß, was ich kann. Aber ich weiß auch, dass ich das in jedem Spiel zeigen muss. Als Stürmer darfst du nicht nach einer schlechten Aktion zweifeln. Sonst hat man auf diesem Niveau nichts verloren. Selbstbewusstsein, Demut und harte Arbeit gehören zusammen.

Im Sommer 2018 findet in Russland ein Fußball-Turnier statt. Frankreich ist dabei. Sie auch?

Jeder träumt davon, für sein Land zu spielen – auch ich. Ich muss weiter hart an mir arbeiten, mich zeigen, der Mannschaft helfen, Tore schießen und vorbereiten. Wenn irgendwann ein Anruf kommt, kann ich nur sagen: Ich bin bereit.

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