30. Januar 2019 / 10:44 Uhr

Aus dem Stadion an den Schreibtisch: Nadine Keßler hat die Seiten gewechselt

Aus dem Stadion an den Schreibtisch: Nadine Keßler hat die Seiten gewechselt

Christoph Brandhorst
Nadine Keßler hat’s immer noch drauf: Die 30-Jährige machte beim Turbine-Legendentreffen ihr erstes Spiel seit drei Jahren. 
Nadine Keßler hat’s immer noch drauf: Die 30-Jährige machte beim Turbine-Legendentreffen ihr erstes Spiel seit drei Jahren.  © Christoph Brandhorst
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Die Ex-Spielerin von Turbine Potsdam und Weltfußballerin von 2014 hat nach ihrem bitteren Karriereende vor drei Jahren eine neue Laufbahn bei der UEFA eingeschlagen. 

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Der Ehrgeiz war Nadine Keßler deutlich anzusehen. Nach ihren beiden Toren im Legendenspiel des 1. FFC Turbine Potsdam beim eigenen Hallencup am Sonnabend ballte die 30-Jährige die Faust. „Die hat drei Jahre nicht gespielt, kommt hierher und spielt wie früher“, bemerkte Trainerikone Bernd Schröder voller Respekt. Tatsächlich sind sportliche Auftritte der Weltfußballerin von 2014 selten geworden. Nach ihrem verletzungsbedingten Karriereende im April 2016 hat sie das Stadion gegen den Schreibtisch getauscht. Beim europäischen Fußballverband UEFA ist sie jetzt Abteilungsleiterin für den Frauenfußball.

„Man hat gesehen, wir waren alle total aufgeregt“, sagte Nadine Keßler. „Ich war super froh, mal wieder zurück nach Potsdam zu kommen.“ Für Besuche in der brandenburgischen Landeshauptstadt, wo die frühere Mittelfeldregisseurin von 2009 bis 2011 die Fäden zog sowie zwei Deutsche Meisterschaften und den Champions League-Sieg feierte, bleibt sonst kaum Zeit. „Ich lebe jetzt in der Schweiz, dadurch bin ich nicht mehr so viel in Deutschland. Und wenn, dann geht es in die Heimat und das ist bei mir die Pfalz“, so Keßler. Trotzdem hat sie Turbine nie aus den Augen verloren. „Ehemalige Vereine bleiben etwas Besonderes“, sagte die Uefa-Funktionärin, „die verfolge ich auch aus der Ferne immer mit einem Auge.“ Vom 1. FC Saarbrücken war die Fußballerin, die in ihrer Laufbahn nur 29 A-Länderspiele bestritten hat, einst an die Havel gewechselt. 2011 zog es sie weiter zum VfL Wolfsburg.

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<b>Fatmire Lira Alushi:</b> Als sie 2009 aus Duisburg nach Potsdam wechselte, hieß sie noch Bajramaj. Alushi kickte bis 2011 bei Turbine, gewann mit dem Verein zwei Meisterschaften und 2010 die Champions League. Schon vor ihrem Wechsel nach Potsdam war sie 2007 mit der DFB-Elf Weltmeister geworden. Zur Galerie
Fatmire "Lira" Alushi: Als sie 2009 aus Duisburg nach Potsdam wechselte, hieß sie noch Bajramaj. Alushi kickte bis 2011 bei Turbine, gewann mit dem Verein zwei Meisterschaften und 2010 die Champions League. Schon vor ihrem Wechsel nach Potsdam war sie 2007 mit der DFB-Elf Weltmeister geworden. ©
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Dort fügte Nadine Keßler ihrer großen Titelsammlung je zwei Meisterschaften und Champions League-Erfolge hinzu. Mit der Auszeichnung zur Weltfußballerin 2014 war sie auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, die da schon fast beendet war. Zwei Jahre kämpfte sie danach um ihr Comeback. Vergebens. „Ich bin Komplettinvalidin“, sagte die frühere Weltklassespielerin. Das Knie spiele einfach nicht mehr mit. „Ich habe mit elf Operationen aufgehört, mache selten Sport.“ Mit nur 28 Jahren verabschiedete sie sich vom Spielfeld, aber nicht vom Fußball.

Die Fitnessökonomin – das duale Studium hatte sie parallel zu ihrer aktiven Zeit in Wolfsburg absolviert und mit dem Master abgeschlossen – startete bei der Uefa durch. „Ich verantworte alle europäischen Frauen-Wettbewerbe, also die EM, die Champions League sowie die U17- und U19-Wettbewerbe“, erläuterte Keßler. Zudem wacht sie über die Entwicklung des Frauenfußballs in den 55 Nationalverbänden. „Es ist sehr abwechslungsreich. Ich reise viel, aber es ist auch ein Bürojob, Wettbewerbe wie die Champions League zu organisieren.“ Beim Kontinentalverband müsse sie stets auf dem Laufenden sein, wie die Situation für den Mädchen- und Frauenfußball in den Mitgliedsverbänden aussieht. „Die ist in jedem unserer Länder anders“, bemerkte Keßler.

Krönung der Karriere: Nadine Keßler neben Cristiano Ronaldo bei der Auszeichnung zur Weltfußballerin 2014. 
Krönung der Karriere: Nadine Keßler neben Cristiano Ronaldo bei der Auszeichnung zur Weltfußballerin 2014.  © Patrick Seeger/dpa

Und wo steht Deutschland im europäischen Vergleich? „Ich glaube, Deutschland steht immer noch gut da“, sagte die Ex-Potsdamerin. „Wir haben gute Bedingungen, eine hohe Anzahl von Mädchenclubs, gute Clubstrukturen und auch eine sehr gute Frauen-Nationalmannschaft. Ich sehe nicht, dass Deutschland den Faden verliert.“

Gleiches gelte für klassische Frauenfußballvereine wie Turbine Potsdam, das zuletzt in der Bundesliga stets Schwergewichten wie Wolfsburg oder Bayern München den Vortritt lassen musste. „Turbine ist ein Club, der über Jahre gewachsen ist, mit Leuten, die über Jahre mit ihren eigenen Händen den Verein aufgebaut haben“, so Keßler. Dass etablierte Männerclubs solche Bedingungen und Möglichkeiten auch finanziell viel schneller schaffen könnten, sei ein unglaublicher Vorteil. „Es ist eine normale Entwicklung, dass sich diese Vereine jetzt dafür interessieren, trotzdem sehe ich sie noch nicht als direkte Bedrohung für die Frauenfußballclubs. Sie müssen sich auch erstmal beweisen, haben aber Wettbewerbsvorteile, ganz klar“, schätzte die 30-Jährige ein.

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Sie möchte nicht ausschließen, auch selbst noch einmal die Sportklamotten überzustreifen, um vielleicht eines Tages als Trainerin zu arbeiten. „Im Moment habe ich alle Hände voll zu tun, fühle mich wohl in der Schweiz und es bewegen sich viele Dinge bei der Uefa“, sagte Nadine Keßler, „dann schauen wir mal, was in zwei, drei Jahren ist.“ Für den Anfang habe ihr der Auftritt in Potsdam gereicht: „Das war mein erstes Spiel seit drei Jahren, mein Knie wird jetzt die nächsten zwei, drei Tage dick sein.“

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