09. Februar 2018 / 12:14 Uhr

Aus der Champions League zum TV Jahn

Aus der Champions League zum TV Jahn

Michael Kerzel
Christina Bellinghoven
Die 29-jährige Christina Bellinghoven hat beim TV Jahn nun wieder eine sportliche Heimat gefunden. © Ingo Möllers
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Christina Bellinghoven hat internationale Erfahrung im Tor und läuft nun als Feldspielerin auf

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Das erste Pflichtspiel von Christina Bellinghoven im violetten Trikot des TV Jahn Delmenhorst verschiebt sich durch den gesperrten Stadionrasen um mindestens eine Woche, doch über kurz oder lang wird die erfahrene Duisburgerin, die bereits Champions League-Erfahrung gesammelt hat, für die Elf von Trainer Claus-Dieter Meier in der 2. Bundesliga auflaufen. Die 29-Jährige stand mehr als 50 Mal für Turbine Potsdam, den FCR Duisburg sowie Borussia Mönchengladbach in der Bundesliga und im DFB-Pokal im Tor, für den TV Jahn wird sie als Feldspielerin agieren. „Mir wurde als Torwartin schon gesagt, dass ich eigentlich eher eine Feldspieler-Technik habe“, berichtet Bellinghoven.

Aus beruflichen Gründen weilt die Wirtschaftsinformatikerin derzeit in Oldenburg und hatte sich daher in der Region nach einem Fußballverein umgeschaut. Zunächst trainierte  Bellinghoven beim VfB Oldenburg mit, da der Trainingsplatz in der Nähe ihres Hotels lag, über eine Bekannte aus der Studenten-Nationalmannschaft kam sie dann auf den TV Jahn. Online fand sie die Nummer von Claus-Dieter Meier und rief einfach an. „Ich habe ihm gesagt, dass es für die erste Mannschaft bei mir wohl nicht reicht“, erinnert sie sich. Meier war anderer Meinung und setzte sie bereits in den Testspielen ein, zuletzt auf der Position der Rechtsverteidigerin. In Stein gemeißelt ist das aber nicht. „Die Position ist für mich völlig okay. Ich habe auch schon als Mittelstürmerin, auf der Zehn oder in der Innenverteidigung gespielt. Letzteres war am erfolgreichsten. Aber an sich ist es mir egal, wo ich aufgestellt werde“, sagt sie. Ihre Stärken verortet sie neben der Technik beim Spielverständnis. „Ich habe als Torwartin viele Partien von hinten gesehen“, erläutert sie. Die Athletik hingegen sei nicht unbedingt ihre Stärke, sagt die 29-Jährige.

Einen der kommenden Gegner des TV Jahn kennt sie aus dem Effeff: Borussia Mönchengladbach. Deren Trikot trug sie in der vergangenen Saison in der Bundesliga. „Wir haben da super viel verloren“, berichtet sie. Auch deswegen habe sie keine Sorge davor, bei Jahn aufzulaufen und häufiger nicht als Sieger vom Feld zu gehen. „Es ist hier was anderes als bei den meisten meiner anderen Stationen. Hier ist der Druck nicht so groß, gewinnen zu müssen. Das Familiäre steht mehr im Vordergrund. Bei Gladbach war Krisenstimmung, das ist hier nicht so“, berichtet Bellinghoven. Dennoch sei der Anspruch für die bevorstehende Rückrunde, Spiele zu gewinnen. „Verlieren macht einfach keinen Spaß. Schon gar nicht, wenn es eine derbe Pleite gibt“, sagt sie. Spaß sollen die Partien machen, auch deswegen hat sie sich für den TV Jahn entschieden. „Die Qualität ist hier natürlich schon höher als in Oldenburg. Und es macht einfach mehr Bock, wenn die Leute das gleiche Spielverständnis haben und man auch mal geil kombinieren kann“, meint die Duisburgerin.

Für Fußball begeisterte sie sich bereits früh. „Wir sind kurz vor meinem vierten Geburtstag nach Duisburg gezogen. Meine Eltern erzählen – ich selber weiß das nicht mehr –, dass ich gesagt habe, dass ich nur mitkomme, wenn ich da in einen Fußballverein darf“, berichtet Bellinghoven. Die Eltern meldeten sie beim FCR Duisburg an. Von dort wechselte das Torwarttalent als Jugendliche zu Turbine Potsdam. „Ich bin da ins Internat gezogen. Da hieß es dann nicht mehr dreimal Training die Woche, sondern neun- bis zehnmal.“ Doch der Aufwand lohnte sich: Sie holte die Deutsche B-Jugend-Meisterschaft 2004 und 2005 mit Turbine. Mit der Sportschule Potsdam gewann sie zudem den Titel bei der Schul-Fußball-Weltmeisterschaft. Mit 17 stand sie dann im Bundesligakader und durfte in der höchsten Spielklasse debütieren, als sie für die ehemalige Weltklasse-Torhüterin Nadine Angerer eingewechselt wurde. „Nadine ist super ehrgeizig, ich habe da viel gelernt. Wir haben da mit Gewichten an den Beinen und Gewichtswesten trainiert. Sie ist schon eine coole Sau“,
erinnert sich Bellinghoven.

Nach dem Abitur und mit Beginn des Studiums schloss sie sich wieder dem FCR Duisburg an und entwickelte sich zur Nummer eins. Unter anderem stand sie in der Womens Champions League vor 27 000 Zuschauern in der MSV-Arena im Tor. „Das war schon großartig“, sagt Bellinghoven. Sie entschied sich dann jedoch, ihren Schwerpunkt auf den Beruf zu legen, ging für ein Auslandssemester nach Schweden und beendete eigentlich ihre Fußballkarriere. „Ich habe rational geschaut. Natürlich ist da auch das Finanzielle entscheidend. In meinem Beruf verdiene ich besser als beim Fußball“, sagt die Wirtschaftsinformatikerin.

Doch der Fußball ließ sie nicht los. Sie half bei Duisburg aus, als dieses ein Torwartproblem hatte, spielte auch für Bayer Leverkusen II. Und nun streift sie das violette Trikot über: So können die Zuschauer in der Delmestadt eine Champions-League-Spielerin in Aktion sehen.

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