02. Juni 2018 / 20:51 Uhr

Ausgliederung: Der Auftrag kam aus „der Höhle der Löwen“

Ausgliederung: Der Auftrag kam aus „der Höhle der Löwen“

Jürgen Rönnau
VfB-Aufsichtsrat Ralf Dümmel bei seiner Firma DS Produkte in Stapelfeld.
VfB-Aufsichtsrat Ralf Dümmel bei seiner Firma DS Produkte in Stapelfeld. © Markus Carstens
Anzeige

Deal! Aufsichtsrat Ralf Dümmel investiert längst in „das Produkt VfB Lübeck“

Buzzer deine Meinung!
  • Fail
    -
    Fail
  • Läuft
    -
    Läuft
  • Krass
    -
    Krass
  • WTF
    -
    WTF
  • Kopf Hoch
    -
    Kopf Hoch
  • Peinlich
    -
    Peinlich
Anzeige

Der VfB Lübeck will neue Wege beschreiten, sich auch wirtschaftlich fit für die Zukunft machen. Der Aufsichtsrat hat den Vorstand darum beauftragt, die Möglichkeit einer Ausgliederung der Leistungsfußballer aus dem Stammverein zu prüfen. Beschlossen wurde dies in Stapelfeld im Büro von Aufsichtsrat Ralf Dümmel – in der „Höhle des Löwen“ quasi. Denn Dümmel ist der Star der gleichnamigen Vox-Show, in der gute Ideen, interessante Erfindungen zu Geld gemacht werden. Wie bewertet er, der Experte, das „Produkt VfB“ – würde er in die Marke investieren?

Dümmel lacht, sagt: „Das mache ich doch schon lange.“ Seit 2007 ist er an der Lohmühle als Wirtschafts- später als Aufsichtsrat engagiert. Und dann ergänzt er ernster: „Man muss überzeugt von dem Produkt sein, in das man investiert. Der VfB ist allerdings kein klassisches Produkt, da spielen Emotionen die Hauptrolle. Überzeugt bin ich aber trotzdem, dass der Klub auf dem richtigen Weg ist. Ja, ich würde den Deal machen, auch wenn Fußball ein Risikoinvest ist.“

Schon 42 Daels: Dritte Staffel „Höhle der Löwen“ ist gerade aufgezeichnet worden

Der 51-Jährige Bad Segeberger ist auch in der Vox-Sendung, in der Erfinder und Startup-Gründer um Risikokapital werben, derjenige in der Jury, der am häufigsten investiert. Und viele der Produkte dann mit Gewinn auf den deutschen Markt bringt. In zwei Staffeln hat er insgesamt schon 42 „Deals“ gemacht, die dritte Staffel „Höhle der Löwen“ ist jetzt gerade aufgezeichnet worden, wird ab Anfang September bei Vox ausgestrahlt - und hat stets bis zu drei Millionen Zuschauer. Demnächst wird Dümmel von dem Sender für ein persönliches „Special“ von einem Kamerateam nach Asien begleitet, wo der Chef der Firma DS-Produkte (bietet mehr als 4000 Konsumgüter an) ein Büro in Hongkong unterhält und Non-Food-Waren in großem Stil produzieren lässt.

Zurück zum Fußball, zum VfB, zur geplanten Ausgliederung. „Wir reden immer davon, die nächsten Schritte mit dem VfB zu machen“, sagt Dümmel, „uns immer professioneller aufzustellen. Dazu gehören auch die Strukturen. Aber da sind wir noch ganz am Anfang und lassen uns von Experten beraten.“ Es müsse geklärt werden, welche Gesellschaftsform die richtige ist, welche Kriterien für eine wirtschaftliche Bewertung relevant seien. Dümmel: „Das können wir gar nicht realistisch einschätzen, da spielen so viele Faktoren eine Rolle.“

Mehr zum VfB Lübeck

Tatsächlich müsste ein Marktwert ermittelt werden, um zu wissen, was man potenziellen Investoren nach einer Ausgliederung in eine Kapitalgesellschaften anbieten könnte. Da reicht es sicher nicht, den vermeintlichen Wert der Mannschaft (laut transfermarkt.de rund zwei Millionen Euro) aufzurufen. Geklärt werden müsste, was der VfB außerdem zu bieten hat. Zum Beispiel, ob das klubeigene Stadion Lohmühle im Besitz des Stammvereins bleibt, oder ob es (möglicherweise über eine neue Stadionbetriebsgesellschaft) den Wert der geplanten Kapitalgesellschaft erhöhen und absichern würde.

Dümmel: „Ich glaube, dass wir auf einem guten Weg sind."


Der VfB will über diese Themen aber nicht nur mit Experten sprechen, sich beraten lassen, sondern auch mit den Fans und mit den knapp 1000 Vereinsmitgliedern, die einer Ausgliederung zustimmen müssten. Erklärt werden soll ihnen auch, warum dieser Schritt auch ihnen eine gewisse Sicherheit bietet. Vereine, die nämlich einen anderen, als in der Satzung bestimmten gemeinnützigen Zweck verfolgen, nämlich zum Beispiel vor allem auf wirtschaftlichen Gewinn ausgerichtet sind, können aus dem Vereinsregister gelöscht werden. Bittere Folge: Alle Vereinsmitglieder haften unbeschränkt mit dem eigenen Vermögen für mögliche Schulden des e.V. Aus diesem Grund gibt es kaum noch Teams der ersten beiden Bundesligen, die ihre Profiabteilungen nicht ausgegliedert hätten. Eine der wenigen Ausnahmen bildet zum Beispiel Schalke 04. „Solange wir nicht müssen und nicht gezwungen werden, denken wir über nichts anderes nach“, erklärte S04-Boss Clemens Tönnies kürzlich. „Wir wollen eingetragener Verein bleiben, das ist der Wunsch der Fans.“

Auf Schalke-Niveau ist der VfB natürlich noch längst nicht, dazu fehlen sportlich noch etliche Schritte. Dümmel: „Ich glaube, dass wir auf einem guten Weg sind. Vor allem freue ich mich, dass wir die eigenen Talente im Blick behalten, sie fördern und in der Liga eine Chance geben - auch das sind Werte.“ Dabei dürfe das Ziel Aufstieg in die 3. Liga nicht aus den Augen verloren werden - „möglichst kurzfristig, gern zum hundersten VfB-Geburtstag 2019“.

Jedes Spiel ein Bild: Der Saisonverlauf des VfB Lübeck 2017/2018 in der Galerie!

Zur Galerie
Anzeige
Die aktuellen TOP-THEMEN

Mega-Sale: SPORTBUZZER-SHOP

Mehr Fußball aus der Region

Mehr Fußball vom Sportbuzzer

Anzeige
Sport aus Lübeck
Sport aus aller Welt