23. April 2018 / 15:21 Uhr

Backpfeife oder Schubser? Spiel zwischen SV Thekla und FC Blau-Weiß Leipzig abgebrochen

Backpfeife oder Schubser? Spiel zwischen SV Thekla und FC Blau-Weiß Leipzig abgebrochen

LVZ
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Die Partie der A-Junioren-Stadtliga zwischen dem SV Thekla und dem FC Blau-Weiß Leipzig fand ein vorzeitiges Ende. (Symbolbild) © André Kempner
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Das A-Jugendspiel zwischen dem SV Thekla und dem FC Blau-Weiß Leipzig ist am Sonntag nach Ausschreitungen abgebrochen worden. Die Polizei musste anrücken.

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Leipzig. Spielabbruch in der Leipziger A-Jugend-Stadtliga: In der Masterrunde zwischen dem SV Thekla und dem FC Blau-Weiß hat der Trainer der Gastgeber den Torhüter der Gegner angegriffen. Schiedsrichter Falko Duemke schickte beide Teams in die Kabinen und pfiff die Partie beim Stand von 2:0 nicht wieder an. Die Atmosphäre war vor Ort so hitzig, dass sogar sechs Funkwagen der Polizei mit insgesamt 14 Beamten herbeigerufen worden. Jetzt muss das Sportgericht des Leipziger Fußballverbandes über die Wertung des Spiels und weitere Sanktionen entscheiden.

Probleme bereits im Hinspiel

Die Stimmung war schon Tage zuvor aufgeladen. Die Nachwuchspartie wurde sogar als Risikospiel eingestuft. „Es gab deshalb im Vorfeld eine Sicherheitsabsprache zwischen beiden Vereinen und den Ordnern“, berichtete Oliver Gebhardt, Vizepräsident des Leipziger Fußballverbandes. Neben Referee Duemke, Vorsitzender des Leipziger Schiedsrichterausschusses, wurden auch zwei Assistenten nach Thekla geschickt. So ein Aufgebot ist in der Liga unüblich, in der Regel ist dort nur ein Unparteiischer im Einsatz.

Bereits im Hinspiel im vergangenen November bei Blau-Weiß hatte es Reibereien zwischen Spielern beider Teams gegeben. Bei der Mannschaft aus Kleinzschocher spielen vorrangig Sportler mit Migrationshintergrund. „Schon da stand die Begegnung wegen rassistischer Pöbeleien von Seiten der Theklaer kurz vor dem Abbruch“, so ein Vereinsverantwortlicher von Blau-Weiß. SV-Trainer Ronny Claus erinnert sich anders. „Die Mannschaft von Blau-Weiß ist nach einem Platzverweis völlig ausgerastet“, sagt er. Wer Recht hat, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen.

Gebhardt berichtet von einem Anti-Aggressionstraining, dass der Verband dem FC Blau-Weiß auf eigenen Wunsch für die A-Jugend vermittelt hat. Es sei erfolgreich absolviert worden. Klar ist aber auch, die Atmosphäre zwischen beiden Vereinen ist vergiftet.

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Elferpfiff führt zur Eskalation

Das Spiel am Sonntag begann vor einer stattlichen Kulisse von rund 200 Zuschauern. Nicht wenige tranken Bier bei prallem Sonnenschein. Vereinzelt wurde da schon von außen gegen die Gästemannschaft gepöbelt. Auf dem Platz ging es noch friedlich zu, auch wenn ein Gästespieler nach einem Zweikampf verletzt vom Feld musste und in einem Krankenwagen mit Verdacht auf Unterarmbruch in die Klinik gebracht werden. In der zweiten Hälfte schoss sich Thekla dann mit 2:0 in Führung.

Zur Eskalation führte in der 83. Minute ein Elfmeterpfiff für Blau-Weiß. Die Theklaer fühlten sich benachteiligt, die Spieler behakten sich bei einer Rudelbildung. Ordner hielten die teils schon angetrunkenen Zuschauer von einem Platzsturm ab, wie Augenzeugen berichteten. Theklas Trainer Ronny Claus hielt nun offenbar nichts mehr auf seiner Bank. „Von Blau-Weiß gab es Schläge gegen meine Spieler“, schilderte der Coach. Er habe seine Jungs schützen wollen und zwei Gästespieler wegschubst.

Die Polizei hat den Vorfall anders aufgenommen. Im Einsatzbericht schreiben sie von einer Backpfeife des Trainers gegen den Torhüter von Blau-Weiß. Die Emotionen kochten weiter hoch. Schiedsrichter Duemke brach die Partie schließlich ab. Die Mannschaft von Blau-Weiß traute sich erst mit Polizeischutz wieder aus ihrer Kabine. Strafrechtlich wird der Vorfall wohl keine Folgen haben. „Niemand hat eine Anzeige erstattet“, sagte Polizeisprecher Uwe Voigt.

Thekla sieht sich in der Opferrolle

Sanktionen hat der SV Thekla dennoch zu erwarten. Der Leipziger Fußballverband erwartet zunächst den Schiedsrichterbericht und will dann beide Vereine noch einmal anhören, bevor das Sportgericht tagt. Vizepräsident Gebhardt sagt aber jetzt schon klipp und klar: „Gewalt hat es im Sport nicht zu geben.“ 

Ronny Claus ahnt schon, dass nach dem Vorfall wohl einiges auf ihn zukommen könnte. „Jetzt sind wir die Bösen und die anderen die Guten“, sagt er und sieht sich in einer Opferrolle. „Wenn man deutschsprachig ist, dann ist man immer der Dumme“, glaubt der Mann aus Thekla.

Gebhardt sieht die Sache anders. „Die Verrohung der Sitten ist ein gesellschaftliches Phänomen, das wir auch in allen anderen Bereichen erleben“, sagt er. Der Vorfall bei dem A-Jugendspiel müsse mit maximaler Härte verfolgt werden.

Der SV Thekla sollte am Dienstag schon wieder spielen. Die Partie beim Leipziger SC wurde inzwischen abgesagt.

Matthias Roth/Frank Müller

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