DSC_5545 Wurde souveräner Meister der Kreisliga: der SV Baris Delmenhorst. © Ingo Moellers
DSC_5545

Baris: Souveräner Meister mit Abwehrproblemen

Statistiken zur Kreisliga-Saison 2016/17: Fair wie selten, viele Tore und ein Elfmeterschütze ohne Nerven

BUZZER DEINE MEINUNG!

  • Fail -
  • Läuft -
  • Krass -
  • WTF -
  • Kopf Hoch -
  • Peinlich -
Anzeige

Der SV Baris wird als einer der souveränsten, aber auch als einer der ungewöhnlichsten Meister in die Geschichte der Kreisliga Oldenburg-Land/Delmenhorst eingehen. Besonders der Wahlspruch „Offensive gewinnt Spiele, Defensive gewinnt Meisterschaften“ wurde von den Baris-Fußballern komplett widerlegt. Ein Titelträger mit 56 Gegentoren ist in den Statistiken der letzten Jahrzehnte nicht auffindbar. Allein schon die Ausbeute der Rückrunde mit 32 kassierten Treffern hätte bei fast allen Meistern der Vorjahre für ein gesamtes Jahr gereicht.

Aber der SV Baris startete auch mit einem satten Dutzend Siegen in die Saison, arbeitete sich ausgehend von Rang fünf am ersten Spieltag Woche für Woche einen Platz nach oben und gab die mit dem fünften Dreier eroberte Tabellenspitze nicht mehr ab. In der Hinrunde konnte Trainer Önder Caki aufstellen, wen er wollte – jeder Spieler erreichte fast immer sein Limit. Angeführt von Torjäger Dennis Kuhn, der schon bis zur Winterpause in 16 Partien 26-mal geknipst hatte und den Mitspielern dadurch Sicherheit gab. Auf dieser Erfolgswelle segelte Baris locker ins Ziel und machte den Titel schon am drittletzten Spieltag klar. Das zuvor schon als sehr offensiv betrachtete Saisonziel „Platz unter den ersten Fünf“ wurde im Gegensatz zu den zuvor gehandelten Favoriten TSV Ganderkesee und TV Mun-derloh übererfüllt.

Der Grund für den Baris-Titel ist einfach: Der Meister leistete sich keine Patzer gegen Mannschaften ab Platz sechs abwärts. Die Klatschen gegen Ganderkesee mit insgesamt 2:11 Toren konnte man locker verschmerzen, weil abgesehen vom 2:3 gegen Harpstedt und dem bedeutungslosen 1:7 gegen Dötlingen gegen die „Underdogs“ 60 von möglichen 66 Punkten geholt wurden. Gegen die Teams von Rang sechs bis 16 erreichte Ganderkesee nur 54 Zähler, das zudem zweimal dem VfR Wardenburg unterlag und auswärts in Munderloh und beim FC Huntlosen leer ausging.

Der Torhunger des SV Baris (104 Treffer) sorgte nebenbei dafür, dass die hohe Torausbeute der Vorsaison in der gesamten Kreisliga mitdurchschnittlich 4,64 Treffern fast wieder erreicht wurde. 1083 Buden in 240 Partien ergeben einen Durchschnitt von 4,55 pro Spiel. Dabei behielten die Heimteams mit 587:496 die Oberhand. 30-mal ging der Schuss in die falsche Richtung, Huntlosens Nils Heimann unterliefen sogar zwei Eigentore. Satte 112 Treffer wurden von eingewechselten Spielern markiert. Bester Joker war Harpstedts Altmeister Christian Goritz mit vier Treffern als Eingewechselter, das gelang auch Wardenburgs Patrick Janzen. Eine absolute Sonderstellung genießt Baris-Spielmacher Mert Caki, der 13-mal zum Elfmeter antrat und immer verwandelte. Sein Verfolger Dennis Petko aus Huntlosen vollstreckte immerhin sieben Strafstöße.

Weiterhin ungewöhnlich in der Meisterstatistik ist die Fairnesstabelle, wo der SV Baris nur Rang zwölf belegt. In den Vorjahren waren die sportlichen Meister immer unter den ersten Fünf der Fairnesstabelle. Allerdings musste Baris statt 14 Platzverweisen in der Vorsaison jetzt nur noch drei Hinausstellungen hinnehmen, die alle in der Nachspielzeit erfolgten und damit keine Schwächung mehr darstellten. Insgesamt hat sich die Fairness der Liga signifikant verbessert. Vor zwei Jahren wurden noch 108 Platzverweise beklagt, im Vorjahr 100 und 2017 nur noch 56, davon 22-mal direkt Rot. Spielabbrüche gab es nur noch wegen heftiger Wolkenbrüche (KSV Hicretspor gegen Wardenburg) oder weil Hicretspor in Huntlosen und beim Rückspiel in Wardenburg nach 70 beziehungsweise 45 Minuten mangels Spielern auf eine Fortsetzung der Partie verzichtete.

Platz eins der Fairnesstabelle holte sich recht souverän der TuS Heidkrug, was vor allem an der sehr geringen Anzahl der Gelben Karten (46) lag. Fast dreimal so oft zogen die Unparteiischen bei Hicretspor den Karton, das Schlusslicht verzeichnete 124 Verwarnungen und dazu noch zwölf Platzverweise, je sechsmal Gelb-Rot und Rot. Ganz ohne Platzverweis kamen Wardenburg und Munderloh durch die Saison. „Böser Bube“ der Liga ist Hicret-Stürmer Alper Cakir, der mit einer Ampel und zweimal glatt Rot die meisten Platzverweise sammelte. Da war mutmaßlich viel Frust dabei, denn die früheste Hinausstellung datierte aus der 87. Minute. TSV Ippeners Kapitän Andreas Böhm holte sich mit neunmal Gelb und einmal Rot Rang zwei in der Sünderkartei. Zweimal wegen Gelbsperren pausieren mussten Fynn Birke (Baris) und Miles Meyer (TV Jahn) mit je elf Verwarnungen, Ümit Yildiz (Ippener) musste neben zehnmal Gelb auch eine Ampel hinnehmen.

Von den Schiedsrichtern wurde Burhanettin Akyol mit 13 Einsätzen am häufigsten angesetzt, dabei zückte der Ganderkeseer 54-mal Gelb. Tom Adler und Altmeister Frank Dobroschke waren elfmal im Einsatz. Am strengsten war Michael Koch mit sechs Platzverweisen (fünf Ampeln), Nicole Kluth stellte in vier Partien vier Spieler vom Platz. Die meisten Elfmeter verhängten Sascha Rustler und Attilio-Pio Stefania mit je sieben Strafstößen. Auch interessant: Unter der Leitung von Andreas Kilic gab es nur Heimsiege. Immerhin sieben, aber das kann man unter der Rubrik „Zufall“ abhaken.

Als torreichstes Spiel geht das 4:9 des TV Jahn gegen Ippener in die Statistik ein. Der Lieblingsgegner des SV Baris hieß SV Achternmeer mit einem Gesamtergebnis von 16:3 (7:1/9:2). Mindestens ein Tor gelang dem SV Baris immer, aber hinten stand auch nur viermal die Null, was dem TSV Großenkneten immerhin zehnmal gelang. Nullnummern waren ansonsten verpönt, nur siebenmal hieß es nach 90 Minuten 0:0. Darunter beide Duelle zwischen Jahn und der SVG Berne.

Die längste Serie ohne Niederlage legte Wardenburg mit 13 Begegnungen gleich zum Auftakt hin. Hier gab es allerdings drei Unentschieden, und das Stoppschild setzte Baris in Spiel 14 mit einem 3:1. Von einer guten Serie träumte Hicretspor nach zwei Siegen aus den ersten drei Spielen. Danach gab es ernüchternde zehn Niederlagen mit 12:58 Toren, bis zum letzten Abpfiff gab es in 27 sieglosen Spielen nur noch sechs Remis bei 37:122 Treffern.

Die Torjägerkrone für Dennis Kuhn mit am Ende 32 Treffern war nie in Gefahr, Michael Eberle (Ganderkesee, 23) und Stefan Merz (Huntlosen, 22) hielten respektvoll Abstand. Dabei gelangen Kuhn gegen den Ahlhorner SV (4:3) und Huntlosen (5:2) jeweils Viererpacks, Eberle knipste gegen Großenkneten (5:2) ebenfalls viermal. Merz war beim 9:2 gegen Hicretspor sogar fünfmal erfolgreich. Harpstedts Nick Nolte langte beim 5:1 gegen Großenkneten viermal hin. Die meisten Einsatzminuten wurden für Bernes Pierre Litzcobi, der 2694 von möglichen 2700 Minuten auf dem Platz stand, notiert. Knapp gefolgt von den Großenknetenern Tobias Schönbohm (2692) und André Reimann (2676). Huntlosens Jan Deters wurde in 25 Spielen 21-mal eingewechselt, seinen Teamkollegen Stefan Merz holte Trainer Andree Höttges dafür in 19 von 27 Spielen vom Platz. Ganderkesees Ninos Yousef kam 28-mal zum Einsatz, spielte aber nie durch. Harpstedts Marius Kossmann durfte nur eine Minute spielen, holte sich dabei aber noch eine Gelbe Karte ab.

Wenn die Kreisliga IV im August in die neue Saison startet, wird der FC Hude – falls dessen Einspruch vor dem Bezirkssportgericht nicht stattgegeben wird –, einer der punktbesten Absteiger, die die Bezirksliga je verlassen mussten, die Favoritenrolle übernehmen. Gespannt sein darf man zudem auf die Reserve des SV Atlas Delmenhorst, die sicher kein normaler Aufsteiger sein will. Dazu kommt mit dem Delmenhorster TB der überzeugende Kreisklassen-Meister. Vieles spricht für eine sehr ausgeglichene Liga und deutlich mehr Spannung als in der abgelaufenen Spielzeit, als schon zwei Wochen vor Schluss sämtliche Entscheidungen gefallen waren.

Region/Bremen Kreisliga Kreis Oldenburg-L./Delmenhorst IV Oldenburg-Land/Delmenhorst/WES (Herren) SV Baris Delmenhorst (Herren) Bezirk Weser-Ems

KOMMENTIEREN

Mehr Fußball aus der Region

Mehr Fußball vom Sportbuzzer

KOMMENTARE

Anzeige