09. Juni 2018 / 12:42 Uhr

Beim TSV Wahren brennt der Baum

Beim TSV Wahren brennt der Baum

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TSV Wahren
TSV Wahren © André Kempner
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Fünf Abteilungen des Vereins im Leipziger Norden aufgelöst. Betroffene wenden sich mit offenem Brief an die Sportpolitik

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Leipzig. Beim auf der idyllisch gelegenen August-Bebel-Kampfbahn ansässigen TSV 1893 Leipzig-Wahren brennt der Baum. Und damit ist die Situation des Mehrspartenvereins mit Gütesiegel „Umweltbewusster Sportverein“ wohl noch sehr harmlos dargestellt. Offensichtlich im Ergebnis einer am 18. Mai durchgeführten außerordentlichen Delegiertenversammlung, in der die vorgesehene Satzungsänderung und neue Beitragsordnung auch im dritten Anlauf nicht die erforderliche Mehrheit erhielt, wurden die fünf Sektionen Gymnastik, Handball, Kanu, Tennis und Volleyball laut Beschluss des dreiköpfigen Vorstands vom 25. Mai mit Wirkung vom 31. Mai aufgelöst. Wie der 1. Vorsitzende Axel Beckert (seit Juli 2014 im Amt) verlauten ließ, könne der Vorstand in der jetzigen Form der Satzung die Verantwortung nicht mehr tragen.

Für Juni wurde jeglicher Trainings- und Wettkampfbetrieb untersagt. Das wiederum betrifft 325 von 586 Mitgliedern und damit weit über die Hälfte. Auf der aktuellen Vereins-Homepage gibt es diese Sektionen schon nicht mehr, die jetzt nur die sechs Abteilungen Allgemeinsport, Badminton, Billard, Fußball, Laufgruppe und Tischtennis umfasst.

Betroffen von dieser drastischen Maßnahme, die nach Aussage des Vorstands von der Satzung gedeckt wird, sind alle fünf Sportarten. Die Tennisspieler trifft es ganz besonders hart, weil Mai und Juni die Hauptmonate ihres Punktspielbetriebs sind. An denen ist der TSV mit sieben Mannschaften beteiligt – zwei von ihnen, die Frauen 30 und die Männer 65, spielen in der Oberliga, der höchsten sächsischen Spielklasse.

*Solidarische Angebote anderer Vereine *

„Natürlich akzeptieren wir die Entscheidung des Vorstands des TSV 1893 Leipzig-Wahren, die Mannschaften aus unserem laufenden Spielbetrieb zu streichen, nicht. Wir sehen dafür keine Grundlage. Die Auswärtsspiele der TSV-Mannschaften finden wie geplant statt. Für die Heimspiele, die durch die aus unserer Sicht willkürliche Sperrung der Anlage nicht in Wahren stattfinden können, hat es viele solidarische Angebote anderer Leipziger Tennis-Vereine gegeben, so vom TV Abtnaundorf, TC Blau-Weiß und LTC“, bezieht Denise Witzel, die Geschäftsstellen-Leiterin des Sächsischen Tennis Verbands, zu dem leidigen Thema klar Stellung.

Inzwischen ist auch der kurzfristig gestellte Antrag der Tennis-Sektion vom 3. Juni, doch noch zu einer gütlichen Einigung zu kommen, abgelehnt worden. In der vom TSV-Vorsitzenden Beckert unterschriebenen Vorstandsentscheidung vom 5. Juni heißt es unter anderem: „Der Beschluss vom 25. Mai 2018 zur Auflösung der Sektion Tennis bleibt unverändert bestehen. Ab dem 1. Juli 2018 ist das Tennisspielen auf unserer Sportanlage wieder möglich. Voraussetzung ist der Wechsel der tennisspielenden Mitglieder in die Sektion Allgemeinsport.“

In die könnten dann die Mitglieder der bisherigen Sektionen Gymnastik, Handball, Kanu und Volleyball laut Vorstellung des Vorstands aufgenommen werden. Abgesehen davon, dass dieses Konstrukt, Aktive von völlig unterschiedlichen Sportarten in einer Abteilung „aufzufangen“, so überhaupt nicht vorstellbar scheint, würde dies zugleich bedeuten, dass diese Sportler vom offiziellen Wettspielbetrieb ausgeschlossen würden. Denn an solchen kann nur teilnehmen, wer dem entsprechenden Fachverband angehört. Der TSV-Allgemeinsport müsste dann fünf Verbänden beitreten, zumindest aber denen, die am Punktspiel- beziehungsweise Wettkampfbetrieb teilnehmen.

Korrektes Handeln des Vorstands?

Noch ein Wort in Sachen Tennis. Die Anlage wurde erst vor knapp drei Jahren mit einem finanziellen Aufwand von 125 000 Euro in ein Schmuckkästchen verwandelt, dank wesentlicher Hilfe von Land und Stadt. Fakt ist, dass das Kleinod ab 1. Juli unter der Leitung einer Abteilung stünde, die über keinerlei Erfahrung in tennisspezifischen Fragen verfügen kann. Geplant ist, dass dort am 22. September zum dritten Mal die Landes-Seniorensportspiele stattfinden. Ausrichter ist laut Ausschreibung die Tennis-Sektion des TSV Wahren, die nicht mehr existiert.

Unterdessen haben sich die fünf offiziell aufgelösten Sektionen mit einem offenen Brief unter anderem an Sport-Bürgermeister Heiko Rosenthal, Sportamtsleiterin Kerstin Kirmes und den Stadtsportbund mit der Bitte um Unterstützung gewandt. Dieser endet mit folgendem Satz: „Unser Ziel ist und bleibt: Gemeinsames Sporttreiben in unserem Mehrspartenverein TSV 1893 Leipzig-Wahren e.V. unter Achtung demokratischer Prinzipien und gelebtem Solidarprinzip.“

Für den Stadtsportbund verwies Peter Schütze, Referent für Vereinsberatung/Veranstaltungen darauf, dass sich „inzwischen schon Juristen mit diesem Fall beschäftigen und wir deshalb von einer Stellungnahme absehen. Im Übrigen gehen wir aber davon aus, dass der Vereinsvorstand korrekt entsprechend geltender Satzung gehandelt hat.“

Rolf Becker

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