Benjamin Bellot im RB-Trikot. © Christian Modla

Bellot: „Für ein Bundesligaspiel hätte ich einiges gegeben“

RB-Leipzig-Urgestein Benny Bellot sucht ab sofort beim Zorniger-Club Bröndby sein Glück .

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Leipzig. Aus, vorbei, mit Benny Bellot geht der letzte Mohikaner aus dem RB-Gründungsjahr 2009 von Bord. Der 26-jährige Leipziger löst seinen bis 2018 datierten Kontrakt beim Bundesligisten auf und wechselt ablösefrei zu Bröndby IF (Vertrag bis 2020). Beim dänischen Erstligisten trifft Bellot auf drei Ex-Rasenballer. Zsolt Kalmar kickt im Mittelfeld des dänischen Vizemeisters, Alexander Zorniger ist Cheftrainer und Matthias Jaissle Co-Trainer. Abschiedsinterview mit einem tadellosen Sportsmann, der einer Torhüter-Dynastie entstammt. Papa Ronald, 50, legte eine vorzeigbare Amateur-Karriere hin, Onkel Harald, 56, mischte die DDR-Oberliga auf.

Kopenhagen ist hübsch, aber kein Vergleich zu Leipzig. Wie schwer fällt der Weggang aus der Heimat?

Leipzig wird immer meine Stadt und mein Zuhause bleiben. Aber zum Leben gehört auch Zufriedenheit im Beruf. Und ich will mit 26 eine neue Herausforderung. Mir gefällt Kopenhagen sehr gut.

Wie kam die Wiedervereinigung zwischen Ihnen und Herrn Zorniger zustande?

Er hat mich angerufen, ich bin hingeflogen, habe mir Club und Stadt angesehen und war mir schnell sicher, dass ich das machen möchte.

Probetraining entfiel demnach.

Der Trainer weiß, was ich kann.

Fotogalerie: Benjamin Bellot bei RB Leipzig

Die dänische Nummer eins Frederik Rönnow steht im Bröndby-Tor. Wie wollen Sie an dem vorbeikommen?

Das lassen Sie mal meine Sorge sein.

Rönnow soll auf dem Wunschzettel diverser europäischer Topclubs stehen.

Klar ist, dass ich mit 26 spielen will und spielen muss. Diese Perspektive hat mir der Coach aufgezeigt.

51 Regionalligaspiele, elfmal 3. Liga, 13 Zweitliga-Spiele, ein Oberligaspiel in acht Jahren. Wie (un)zufrieden sind Sie?

Sie vergessen ein paar Bezirksligaspiele 2010/2011. Ich hätte gerne öfter oben gespielt, bin aber insgesamt nicht unzufrieden. Ich bin mit 18 zu RB, bekam erst durch RB die Chance, dritte und zweite Liga zu spielen. Wobei: Ein Traum ging leider nicht in Erfüllung.

Ein Bundesligaspiel?

Ja, dafür hätte ich einiges gegeben. Aber es war für mich auch sehr emotional, als Fabio und ich gegen Darmstadt im Kader standen und uns zusammen warmgemacht haben. Gänsehaut bei 20 Grad.

Wenn Bellot in der zurückliegenden Bundesliga-Saison im RB-Tor gestanden hätte, wäre kein Ball mehr ins Tor geschlüpft.

Wer sagt das?

Manch einer.

Ich hätte mir die Bundesliga zugetraut.

Die ganz große Wertschätzung wurde Ihnen nie zuteil.

Man hat mich jedenfalls nie als Nummer eins gesehen.

Obwohl Ihre Leistungen in den wenigen Notfall-Einsätzen glänzend waren.

Sie brauchen nicht weiter zu bohren. Ich bin dankbar für die acht Jahre, habe viel erlebt und gelernt. Von der fünften Liga in die Champions League – das ist ein Brett!

Ein Einsatz in einem Bundesligaspiel blieb Bellot verwehrt. © Archiv

Wen werden Sie besonders vermissen?

Viele. Mit Perry Bräutigam (Torwarttrainer), Ingo Hertzsch und Anja Strobel (Physiotherapeutin) habe ich 2009 angefangen. Dominik Kaiser ist eine Freund geworden. Kopenhagen liegt nicht am Ende der Welt, wir werden uns nicht aus den Augen verlieren.

Sie sind Mann der ersten Stunde. Wie war das 2010, als Aufstiegstrainer Tino Vogel vor die Tür gesetzt wurde?

Wir alle dachten, dass das ein schlechter Scherz ist. Wir sind mit 20 Punkten Vorsprung Meister geworden und der Trainer muss gehen. Ein Riesenfehler.

Es folgte Tomas Oral.

Eine Katastrophen-Saison. Nach fünf Spielen war der Aufstieg quasi flöten.

Sie spielten unter Oral keine Rolle.

Ja, ich habe dann lieber unserer zweiten Mannschaft geholfen, in die Landesliga aufzusteigen. Oral war schwierig, machte viele Baustellen auf. Ich glaube, er hätte auch die Tape-Verbände am liebsten selbst angelegt.

Orals Nachfolger Peter Pacult ...

... war anders, als Außenstehende dachten. Er war geradeaus und hatte einen guten Humor. Wir haben auswärts alles weggehauen und uns dann selbst ums Aufstiegsfinale in Halle gebracht.

Weil sich Pascal Borel gegen Wolfsburg ein Ei ins Nest legte. Das Ding hätten Sie gehalten, Herr Bellot.

Sie auch. Pascal hat das nicht absichtlich getan, er war in der Kabine völlig fertig.

Ihr persönliches Highlight?

Unser Aufstieg in Lotte. Das war der schwerste und wichtigste Aufstieg.

Mit Ralf Rangnick und Alexander Zorniger kam 2012 Zug in die Geschichte.

In jeder Hinsicht.

Was trauen Sie RB künftig zu?

Alles. Aber es wird nicht leichter. Schalke, Gladbach, Wolfsburg oder Leverkusen werden nicht noch mal so eine Saison spielen.

Wann müssen Sie in Bröndby ran?

Die Qualifikation zur Europa League beginnt früh, deshalb ist schon Mittwoch Trainingsbeginn.

Region/Leipzig RB Leipzig RasenBallsport Leipzig ll (Herren) Bröndby IF Bröndby IF (Herren) Regionalliga Nordost Region Nordostdeutschland (Herren) Benjamin Bellot (RasenBallsport Leipzig ll)

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