Mario Fillinger für den FSV Frankfurt in Aktion Höher, schneller, weiter: Mario Fillinger (beim Kopfball) gehörte zu den hoffnungsvollen Fußballtalenten aus Sachsen. © dpa
Mario Fillinger für den FSV Frankfurt in Aktion

Berufskrankheit bei Mario Fillinger

Das Sozialgericht in Dresden erkennt den Meniskusschaden bei Profi Mario Fillinger als Folge des Leistungssports an.

BUZZER DEINE MEINUNG!

  • Fail -
  • Läuft -
  • Krass -
  • WTF -
  • Kopf Hoch -
  • Peinlich -
Anzeige

Dresden. Er war ein Supertalent, ein Senkrechtstarter. Einst bei der SG Striesen, durchlief der gebürtige Pirnaer Mario Fillinger die Jugendabteilung des Chemnitzer FC, mauserte sich 2004 zum Leistungsträger der Regionalligaelf des CFC und kam zu zwei Einsätzen in der deutschen U20-Nationalmannschaft. Schon 2005 klopfte Bundesligist Hamburger SV an und verpflichtete den pfeilschnellen Außenstürmer. Doch kurz nach Bekanntgabe des Wechsels begann seine Leidenszeit mit einem Knöchelbruch – mehrere Monate Pause. Fillinger kämpfte sich wieder heran, wurde Stammspieler beim HSV, lief in der Champions League auf.

Just auf diesem Höhepunkt seiner Karriere kam im November 2006 der nächste Tiefschlag: ein Meniskusriss – mit langfristigen Folgen. Zunächst kam ein Knochen-Ödem hinzu, bei einem ersten Comebackversuch riss der Meniskus beim Aufwärmen erneut. Es dauerte 15 Monate, bis Fillinger wieder im Bundesligakader der Hansestädter stand. Schwere Zeiten, nicht zuletzt wegen einer juristischen Auseinandersetzung, die damals begann. Mit der Berufsgenossenschaft ficht der heute 32-Jährige seit 2008 einen Rechtsstreit um Anerkennung seiner Knieverletzung aus.

Nun hat er einen wichtigen Teilerfolg errungen. „Die Erkrankung des Innenmeniskus kann bei einem Profifußballer als Berufskrankheit anerkannt werden. Das hat das Sozialgericht Dresden mit Gerichtsbescheid vom 10. Februar 2017 entschieden“, teilte Gerichtssprecher Hans von Egidy gestern mit – freilich ohne Fillingers Namen zu nennen. Nach DNN-Recherchen geht es jedoch dabei genau um dessen Fall. Fillinger hatte bei der Berufsgenossenschaft beantragt, die Erkrankung des Innenmeniskus des linken Kniegelenks als Berufskrankheit anzuerkennen. Doch das lehnte der Unfallversicherungsträger ab, denn die Trainings- und Wettkampfzeiten seien insgesamt während der Profizeit zu gering gewesen. Erst bei mehr als 1600 Stunden im Jahr an kniebelastender Tätigkeit komme dies in Frage – das entspricht rund sieben Stunden pro Arbeitstag. Ein Wert, an den Berufsfußballer nicht rankommen.

Dennoch gab die 5. Kammer des Sozialgerichts jetzt der Klage statt. Dem Gericht zufolge liege die Berufskrankheit 2102 vor, also „Meniskusschäden nach mehrjährigen andauernden oder häufig wiederkehrenden, die Kniegelenke überdurchschnittlich belastenden Tätigkeiten“. Die Kammer argumentierte, dass nach aktuellen medizinwissenschaftlichen Erkenntnissen bei Berufssportlern, besonders Fußballern, erhebliche Belastungen des Meniskus bestünden, was bei mehrjähriger Tätigkeit zur Anerkennung der Berufskrankheit führen könne. Ein medizinischer Sachverständiger hatte dem Gericht zufolge bei dem Kläger für die gesamte Tätigkeit als Berufsfußballer von 2003 bis 2014 über 5700 Stunden die Kniegelenke überdurchschnittlich belastende Tätigkeit errechnet. Damit sieht die Kammer den 2006 eingetretenen Meniskusschaden zumindest als durch die berufliche Tätigkeit mitverursacht an.

Auch wenn das Urteil noch nicht rechtskräftig ist: Mario Fillinger, der in Dresden lebt, kann damit von der Berufsgenossenschaft medizinische Rehabilitation und finanzielle Entschädigung verlangen. An seine Zeit als Bundesliga-Stammspieler konnte er nach dem Meniskusschaden nie mehr anknüpfen. Von 2008 bis 2010 kickte er für den damaligen Zweitligisten Hansa Rostock. Jedoch konnte er die hohen Erwartungen nicht mehr erfüllen und stieg mit den Mecklenburgern erstmals in deren Vereinsgeschichte in die Drittklassigkeit ab. Dennoch ging es für Fillinger im Unterhaus weiter. Er heuerte beim FSV Frankfurt an. Nach einem erneuten Knöchelbruch im Januar 2012 fiel er für die komplette Rückrunde aus und ging dann zu Drittligist Rot-Weiß Erfurt. Seit Sommer 2014 – damals war Fillinger noch keine 30 Jahre alt – ist er ohne Verein. Ein bitteres vorläufiges Ende einer Profikarriere, die einst voller Hoffnungen und Erfolge begonnen hatte.

Region/Dresden Chemnitzer FC Chemnitzer FC (Herren) Hamburger SV Hamburger SV (Herren) FSV Frankfurt FSV Frankfurt 1899 (Herren) FC Hansa Rostock F.C. Hansa Rostock (Herren) FC Rot-Weiß Erfurt FC Rot-Weiß Erfurt (Herren) Fussball Bundesliga Fussball 2. Bundesliga 3. Liga Deutschland 3.Liga (Herren)

KOMMENTIEREN

Die besten Bundesliga Quoten werden bereitgestellt von Smartbets.

Mehr Fußball aus der Region

Mehr Fußball vom Sportbuzzer

KOMMENTARE

Anzeige