Verleihung Der TS Woltmershausen wurde durch den Bremer Fußball-Verband, hier mit Präsident Björn Fecker (l.), für seine Integrationsarbeit mit 3000 Euro bedacht. Cacau (3.v.l.), der ehemalige Nationalspieler und Integrationsbeauftragter des Deutschen Fußball-Bundes, war bei der Preisverleihung ebenfalls vor Ort. © BFV
Verleihung

Bestes Beispiel für Integration

Bremer Fußball-Verband würdigt Vereine für ihre Integrationsarbeit / Gewinner TS Woltmershausen

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Ex-Nationalspieler Cacau musste schmunzeln, als er während der einleitenden Diskussionsrunde von Moderator Olaf Rathje mit dem Gerücht konfrontriert wurde, dass er, der 1999 von Brasilien nach Deutschland ausgewandert war und zunächst bei einem Fünftligisten angeheuert hatte, ehe er seine Karriere startete, inzwischen deutscher als die meisten Deutschen sei. „Was die Pünktlichkeit betrifft, bin ich schon noch Brasilianer", relativierte der 36-Jährige, der als Integrationsbeauftragter des Deutschen Fußball-Bundes an der Verleihung des Integrationspreises durch den Bremer Fußball-Verband (BFV) am Mittwochabend im Schütting teilnahm.

Die Geschichte des diesjährigen Preisträgers, der TS Woltmershausen, ist dabei einerseits sinnbildlich für viele Vereine, andererseits aber auch wieder ganz besonders, wie BFV-Präsident Björn Fecker feststellte. „Wie selbstverständlich hat der TS Woltmershausen in den vergangenen Jahren geflüchtete Menschen in seinen Reihen aufgenommen und sowohl offene Trainingsangebote organisiert, als auch eine direkte Beteiligung am Mannschaftstraining ermöglicht", so Fecker. Von Beginn an wurden beispielsweise für die Kinder "Tob Dich aus"-Tage in der Sporthalle Roter Sand durchgeführt. Die Pusdorfer hätten sich darüber hinaus intensiv mit der Situation der Geflüchteten auseinandergesetzt, Ergebnisse davon waren der Posten eines Integrationsbeauftragten im Verein sowie Informationsabende zu dem Thema für seine Mitglieder, in deren Reihen auch Skepsis herrschte und Vorurteile kursierten. Durch gemeinsame Veranstaltungen und Besuche wurden die neuen Mitbewohner Woltmershausens auch in das Vereinsleben integriert. Aktuell hilft der Verein bei der Vermittlung von Praktikumsplätzen oder der Wohnungssuche. Auch haben die Geflüchteten eine eigene Mannschaft im Verein, die von zwei jungen Menschen trainiert wird, die selbst erst vor einigen Jahren nach Deutschland gekommen waren. Einer von ihnen hat im vergangenen Jahr die Übungsleiterlizen erworben, zwei Spieler aus der Mannschaft machen sie gerade. "Amtssprache im Team ist übrigens aufgrund der Vielzahl an Sprachen: Deutsch", wie Björn Fecker nicht unerwähnt lassen wollte.

Andere Vereine hatten nicht minder beispielhafte Aktionen vorzuweisen. Wie der TuS Komet Arsten auf Platz zwei, der allein durch seine Nähe zur zentralen Aufnahmestelle für Flüchtlinge in Bremen eine besondere Rolle einnimmt. Durch diese Nähe und durch mehrere Flüchtlingswohnheime in der näheren Umgebung kam es zu vermehrten Anmeldungen in der Fußballabteilung des TuS. Die örtlichen Gegebenheiten in den sozialen Brennpunkten Kattenturm und rund um die Martin-Buber-Straße würden für den Verein eine wichtige Möglichkeit darstellen, Gewalt, Intoleranz und Rassismus entgegenzuwirken, hieß es bei der Verleihung. Zudem kooperiert der Verein sehr eng mit der Eliteschule des Fußballs, dem Gymnasium Obervieland, den umliegenden Schulen und den Flüchtlingsheimen. Möglich ist dies vor allem durch die engagierten Trainer, die zum Teil selbst einen Migrationshintergrund mitbringen.

Den dritten Platz vergab die Jury gleich zwei Mal. Der ATSV Sebaldsbrück hat es sich mit seinem Projekt "Sport für Geflüchtete" zur Aufgabe gemacht, diese Menschen in den Verein und somit auch in den Stadtteil zu integrieren. Dies werde in erster Linie durch sportliche Aktivitäten wie einen Lauftreff oder wöchentliche Fußballtrainings erreicht. Auch ein Hallentraining konnte der ATSV trotz knapper Hallenzeiten auf die Beine stellen. Auch finden Aktionen statt, die den Geflüchteten die Stadt Bremen näherbringen sollen, wie etwa die Führung durch das Weserstadion, die mit großer Begeisterung angenommen wurde. Während der Laudatio wurde auch erwähnt, dass Integration für den ATSV Sebaldsbrück nicht nur Projektarbeit, sondern auch Engagement im Alltag ist. Viele Vereinsmitglieder haben so beispielsweise Patenschaften für sozial schwache Familien mit Migrationshintergrund übernommen, damit diese am Fußballsport teilnehmen können.

Auch der TV Eiche Horn landete auf dem dritten Platz. Von Herbst 2015 bis Sommer 2016 bot der Verein zwei Mal wöchentlich ein offenes Fußballtraining für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge an. Mit den cirka 40 bis 60 Jugendlichen nahm man unter anderem an einem Turnier im Sportgarten teil. Nachdem ein Großteil der betreuten Flüchtlinge im Sommer 2016 aus ihren Notunterkünften ausgezogen war, musste Eiche Horn das Angebot einstellen und bot stattdessen erwachsenen Flüchtlingen, die überwiegend aus Syrien stammen, ein Fußballtraining an. Einer der Teilnehmer ist inzwischen Co-Trainer einer Kindermannschaft, und auch andere engagieren sich im Verein. Seit dem vergangenen Jahr beteiligt sich der TV Eiche Horn schließlich noch an einem Stadtteilprojekt, das die Integration Jugendlicher der Flüchtlingsunterkünfte fördert. Auf dem Kunstrasenplatz am Jugendfreizeitheim Horn-Lehe werden an einem festen Termin in der Woche die Jugendlichen in Kontakt gebracht, um gegenseitige Vorurteile abzubauen und die Integration über den Fußball zu ermöglichen.

Der Gewinner TS Woltmershausen durfte sich über eine Prämie von 3000 Euro freuen, der TuS Komet Arsten über 2000 und der TV Eiche Horn sowie der ATSV Sebaldsbrück über jeweils 1500 Euro. Außer den prämierten Vereinen wurden auch die SG Aumund-Vegesack, der FC Sparta Bremerhaven, Vorjahressieger ATS Buntentor und der TSV Wulsdorf, die sich ebenfalls um den BFV-Integrationspreis beworben hatten, als Anerkennung der bisher geleisteten Arbeit mit jeweils 500 Euro bedacht. "Mit dem Integrationspreis wollen wir neue integrative Projekte anstoßen, uns aber auch bei den Vereinen für die bisherige Integrationsarbeit bedanken. Auf und neben dem Platz wird schon viel in diesem Bereich geleistet, das zeigen nicht zuletzt die ausgezeichneten Projekte", erläuterte der BFV-Präsident Björn Fecker.

Region/Bremen Bezirk Bremen

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