10. November 2017 / 17:52 Uhr

Bewegende Worte zum achten Todestag: Per Mertesacker erinnert sich an Robert Enke 

Bewegende Worte zum achten Todestag: Per Mertesacker erinnert sich an Robert Enke 

Marvin Behrens
Aus dem Jahr 2005: Für Per Mertesacker war Robert Enke nicht nur in seiner Zeit bei Hannover 96 ein echter Rückhalt
Aus dem Jahr 2005: Für Per Mertesacker war Robert Enke nicht nur in seiner Zeit bei Hannover 96 ein echter Rückhalt © Imago/Rust
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Auf dem Blog der Robert-Enke-Stiftung lässt Weltmeister Per Mertesacker seine Zeit mit Robert Enke Revue passieren. Er würdigt seinen Freund als tollen Menschen und erklärt, was ihm die Zeit mit Enke bedeutet.

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Zum achten Mal jährt sich der Todestag von Robert Enke. "Erinnerung an einen guten Freund" nennt der deutsche Weltmeister Per Mertesacker seinen Text, den er im Blog der Robert-Enke-Stiftung schrieb. Schockierend stellte er fest, dass Enkes Tod fast ein Jahrzehnt her ist. Er gedenkt ihm mit Anekdoten aus der gemeinsamen Zeit und erklärt tiefschürfend, was das Verhältnis zwischen ihm und Enke so besonders machte.

Die Erinnerung ist die Dankbarkeit des Herzens. ❤️ #NiemalsAllein ⚫⚪💚

Posted by Hannover 96 on Freitag, 10. November 2017

"Wenn ich zu einem Länderspiel im Hotel eintraf, gab es für mich erst einmal zwei Dinge zu erledigen: einchecken und Robert anrufen. 'Bist du schon hier? Ich bin gerade angekommen. Kommst du rüber auf mein Zimmer?' Wenige Minuten nach unserer Ankunft saßen wir zusammen und redeten über alles, was uns gerade in den Sinn kam", steigt Mertesacker ein.

"Merte" ist verblüfft, wie viele Jahre das Unglück bereits her ist. "Die Tatsache, dass sich sein Todestag heute zum achten Mal jährt, dass meine Gespräche mit ihm also gut ein Jahrzehnt zurückliegen, erschreckt mich." 

"Robert Enke hat mein Leben positiv beeinflusst"

Viel mehr steht für ihn aber im Vordergrund, was für ein zwischenmenschliches Verhältnis er zu dem damaligen 96- und Nationalmannschafts-Torhüter hatte. Dabei spielt die zeitliche Dimension weniger eine Rolle: "Meine Erlebnisse mit Robert scheinen aber auch deshalb so viel näher als acht Jahre, weil sie mir so viel bedeuten. Robert Enke hat mein Leben positiv beeinflusst wie kaum ein Kollege."

Eine Erinnerung an Robert Enke in Bildern

Robert Enke: Eine Erinnerung in Bildern Zur Galerie
Robert Enke: Eine Erinnerung in Bildern ©
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Was Enke ihm gab: Vertrauen, Mut, Sicherheit

Enke habe die Karriere des heutigen Arsenal-Profis entscheidend geprägt. Dieses Verhältnis erblühte, als Robert Enke 2004 vom FC Barcelona zu Hannover 96 wechselte: "Er ermunterte mich, ich würde meinen Weg gehen, er wies mich auf meine Qualitäten hin – die man als unsicherer 19-Jähriger ja manchmal selbst nicht mehr sieht. Er ließ mich spüren, dass er sich mit mir in der Verteidigung sicher fühlte. Ich denke, eine schönere Erfahrung kann man bei der Arbeit kaum machen, egal, welche Arbeit man verrichtet: Er schenkte mir sein Vertrauen."

Sein Rückhalt, der Enke nicht nur auf dem Fußballplatz war, führt ihm heute vor Augen, dass Depression nicht mit Schwäche gleichzusetzen ist, denn "es kann auch die Stärksten wie Robert treffen".

Per Mertesacker: Seine Karriere in Bildern:

Per Mertesacker spielte bis zu seinem elften Lebensjahr in seinem Heimatort für den TSV Pattensen. 1995 wechselte er in den Jugendbereich von Hannover 96. Unter Jugendtrainer Jürgen Stoffregen schaffte der 1,98-Meter-Hüne am Profitraining teilzunehmen.  Zur Galerie
Per Mertesacker spielte bis zu seinem elften Lebensjahr in seinem Heimatort für den TSV Pattensen. 1995 wechselte er in den Jugendbereich von Hannover 96. Unter Jugendtrainer Jürgen Stoffregen schaffte der 1,98-Meter-Hüne am Profitraining teilzunehmen.  © Hannoversche Allgemeine Zeitung

Die Suche nach Antworten

Nach wie vor nicht greifbar ist für den Weltmeister von 2014, dass sein guter Freund am 10. November 2009 diese Entscheidung getroffen hat. "Umso heftiger traf mich die Nachricht von seinem Tod. Wie war es möglich, dass dieser ausgeglichene, reflektierte Freund offenbar auch so krank gewesen war, dass er sich selbst das Leben nahm? Wie war es möglich, dass ich davon nichts mitbekommen hatte?", hinterfragt Mertesacker.

Depressionen waren nicht nur für ganz Fußball-Deutschland plötzlich so nahe. Viel wurde damals über den psychischen Druck debattiert. Seine Frau gründete die "Robert-Enke-Stiftung", die Krankheit erntete mehr gesellschaftliche Akzeptanz und sensibilisierte die Menschen dafür, wie sich Depressionen veräußern und was sie anrichten können.

Rührender Gastbeitrag von Robert Enkes Freund Ronald Reng zu seinem 40. Geburtstag im August 2017

Mertesacker zieht seine Lehren

Das nahm auch Mertesacker mit: "Mit seinem Tod hat uns Robert die Aufgabe gegeben, seelische Krankheiten besser zu bekämpfen." Die Krankheit ist oft nicht ersichtlich, weil sich die Menschen "offenbar verkriechen, verstecken. Auch habe ich verstanden, dass Robert die meiste Zeit seines Lebens so war, wie ich ihn kennenlernte: rational, von stiller Fröhlichkeit, gesund."

Für seine künftige Arbeit an der Nachwuchsakedemie beim englischen Premier League-Klub Arsenal London, will der Abwehr-Hüne gerade die Psyche des Nachwuchs nicht dem Zufall überlassen. Der Grund: "Im Nachwuchsbereich gibt es ein strukturelles Problem, das auch die Psyche belasten kann: 80 Prozent der Jungs, die in England mit 16 ihren Ausbildungsvertrag als Jungprofis unterschreiben, sind mit 18 arbeitslos."

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