22. Februar 2018 / 06:00 Uhr

Biathlon-Bundestrainer Hönig im Interview: "Wir wollen um die Goldmedaille mitlaufen"

Biathlon-Bundestrainer Hönig im Interview: "Wir wollen um die Goldmedaille mitlaufen"

Uwe Köster
Gerald Hönig ist Bundestrainer der Biathletinnen.
Gerald Hönig ist Bundestrainer der Biathletinnen. © dpa
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Bundestrainer Gerald Hönig verrät im Interview, wie er seine Biathletinnen motiviert, wie er mit Stars im Team umgeht und warum es am Donnerstag in der Staffel Olympia-Gold werden soll.

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Gerald Hönig, 59, sei kein Freund von Interviews, heißt es. Die würden immer so viel Zeit kosten. Was auch daran liegen mag, dass der Bundestrainer der deutschen Biathletinnen umfassend antwortet und alles ausführlich erklärt. So dauert das Gespräch mit ihm auch fast eine Stunde, in der der Thüringer kein Blatt vor den Mund nimmt.

Herr Hönig, wie ist die Gefühlslage im Team nach dem Drama und Platz vier in der Mixed-Staffel am Dienstag?

Vanessa Hinz und Laura Dahlmeier waren kurzfristig sicher sehr enttäuscht. Aber man hat keinerlei Vorwürfe in Richtung Arnd (Peiffer, Anm. d. Red.) gehört. Eine Staffel gewinnt man gemeinsam und verliert man gemeinsam.

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Gibt das Ihrem Team eher einen Knacks oder einen Motivationsschub für die heutige Frauen-Staffel (12.15 Uhr, ZDF, Eurosport)?

Ich denke eher, dass die Reaktion sein wird: Euch zeigen wir’s jetzt. Für die im Mixed nicht gewonnene Medaille wollen wir in beiden Staffeln erfolgreich sein. Wir wollen um die Goldmedaille mitlaufen.

Würden Sie unterschreiben, dass Sie ein Frauenversteher sind?

Nein, definitiv nicht. Und wenn Sie meine Frau dazu fragen, die würde mir da recht geben (lacht). Wie kommen Sie eigentlich darauf?

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Weil Sie schon seit 2006 mit Frauen zusammenarbeiten und erfolgreich dazu. Irgendwie müssen Sie wissen, wie man mit Frauen umgeht.

Es ist schon eine spezielle Aufgabe. Ich trainiere Frauen nun schon ein paar Jahre. Ich glaube, man reift als Trainer auch in diese Aufgabe hinein.

Offenbar finden Sie den richtigen Ton, von viel Zoff, der in anderen Frauenteams vorkommt, ist nichts bekannt. Welcher Ton ist das?

Ganz unterschiedlich, das hängt mit den Typen zusammen, die in der Mannschaft sind. Viele Aspekte spielen da eine Rolle. Sind sie einfach zu führen? Sind sie sehr harmoniebedürftig? Wer hat extrem egoistische Veranlagungen?

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Was ein Problem wäre?

Nein, muss nicht sein, im Leistungssport ist ein gesunder Egoismus sehr wichtig. Meistens sind es doch die eckigen und kantigen Typen, die die Leistungsträger sind. Dann muss man wiederum sehen, wie wichtig es ist, sich in einem harmonischen Team zu bewegen.

Biathlon ist, von den Staffeln abgesehen, doch eher ein Einzelsport. Wie wichtig ist da Harmonie?

Eine Wohlfühlatmosphäre ist doch ziemlich wichtig, wir sind ja viele Wochen und Monate im Jahr zusammen. Zusammenraufen gehört auch dazu. Klar, es wird immer Einzelgänger geben. Man muss auch akzeptieren, dass nicht immer alle Freunde sind. Dann muss man natürlich leistungsorientiert versuchen, das zu beeinflussen oder zu steuern.

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Laura Dahlmeier gewann in Pyeongchang schon zwei Goldmedaillen. Aber wie sieht's mit den anderen Olympiasiegern aus? Der SPORTBUZZER gibt einen Überblick über die bisherigen Gewinner. ©

Wie konkret geht das?

Man muss erkennen können, ob man eingreifen sollte, wenn es mal nicht besonders gut läuft. Begibt man sich in die Höhle des Löwen? Denn es kann sein, dass sich die Mädels am nächsten Tag wieder vertragen und gegen dich Front machen, weil du dich eingemischt hast. Da gehört schon ein bisschen Erfahrung dazu und auch Fingerspitzengefühl. Mitunter auch ein dickes Fell. Wichtig ist, die Balance zu finden, was kann man in der Gruppe ansprechen, oder wann sind Einzelgespräche, von denen ich sehr viel halte, sinnvoller.

Wie schwer oder leicht ist die Arbeit, wenn im Team ein Superstar wie Laura Dahlmeier steht?

Wir haben eine Gruppe, in der die Athletinnen schon begriffen haben, dass sie von einer starken Athletin an ihrer Seite profitieren können. Die wissen, dass die nicht nur eine Konkurrentin ist, sondern auch eine, die ein bisschen Schatten spendet, wenn es mal bei mir nicht so läuft. Weil sie halt immer im Fokus der medialen Öffentlichkeit steht.

Laura Dahlmeier spricht im Ziel mit Biathlon-Bundestrainer Gerald Hönig.
Laura Dahlmeier spricht im Ziel mit Biathlon-Bundestrainer Gerald Hönig. © dpa

Das wissen alle?

Das ist nicht unbedingt einfach zu verstehen. Denn jeder im Team ist eine Persönlichkeit und möchte persönlich Erfolg haben. Ich predige immer: Ihr dürft vom Start bis zum Ziel die größten Konkurrenten sein. Aber wenn das Ziel erreicht ist, dann muss man als Team zueinanderstehen. Der Laura gelingt es auf gute Weise, sich in das Team zu integrieren. Sie schätzt auch die Sportlerinnen an ihrer Seite, sodass es in unserer täglichen Arbeit so wenig wie möglich auffällt, dass sie ein Star ist. Wir schüren das natürlich auch nicht. Wir werden Laura Dahlmeier als den Star in unserer Gruppe nicht besonders umhegen oder ihr eine Sonderbehandlung zukommen lassen. Wir schätzen sie als Sportlerin und Persönlichkeit so wie jede andere auch.

Sie haben auch Männer trainiert. Was ist der Unterschied zur Arbeit mit Frauen?

Männer sind derber anzufassen, bei Frauen muss man ein bisschen sensibler sein. Man kann schnell mal in ein Fettnäpfchen treten, auch wenn man es gar nicht böse meint. Die Frau macht dann auch nicht so schnell einen Haken dran und vergisst das. Wenn zu den Frauen aber einmal ein Vertrauensverhältnis entstanden ist, dann ist das sehr, sehr stabil. Das ist sehr schön. Frauen sind offen und ehrlich im Umgang mit dem Trainer, und sie sind sehr diskussionsfreudig. Sie fordern dich auch als Trainer, hinterfragen vieles und fragen viel. Das schätze ich an der Arbeit mit Frauen.

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Katharina Althaus (Skispringen) - 3500 Euro/Monat || Die 21-Jährige ist wie viele andere Athleten beim Zoll angestellt und verdient monatlich 1300 Euro. Hinzu kommen Preisgelder und ein Sponsorenvertrag.  ©

Gibt es auch Freundschaften zwischen Trainern und Athleten?

Nein, das geht nicht. Mit Andrea Henkel habe ich über viele Jahre gearbeitet. Ich habe sie betreut, seit sie 16 war. Da entwickelt sich schon ein besonderes Verhältnis. Aber es war immer ein Trainer-Sportler-Verhältnis, bis zum letzten Tag ihrer Laufbahn. Sie lebt jetzt in den USA. Erst Anfang dieses Jahres, als sie auf Heimatbesuch war und wir uns in Oberhof getroffen hatten, haben wir erstmals von Freundschaft gesprochen.

Sie werden in diesem Jahr 60, da ziehen manche eine erste Bilanz. Welche Überschrift würden Sie Ihrer Trainerkarriere geben?

Was soll ich sagen? Es ist ein Traumjob. Und es ist großartig, das über viele Jahre machen zu dürfen. Es gab nie Stillstand. Es konnte nie Routine entstehen, es ist nie ein Athlet wie der andere. Nebenbei bleibt man auch selbst jung, dynamisch und fit, wenn man immer mit jungen Menschen arbeitet. Ich weiß schon, was ich für ein Glück habe mit meinem Beruf.

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