12. September 2018 / 09:20 Uhr

Boxen: Meisterliche Vorstellungen in Warnemünde

Boxen: Meisterliche Vorstellungen in Warnemünde

Kai Rehberg
Sarah Scheurich (r.) aus Schwerin besiegt im Finale der Deutschen Box-Meisterschaften in  Warnemünde Irina Schönberger.
Sarah Scheurich (r.) aus Schwerin besiegt im Finale der Deutschen Box-Meisterschaften in  Warnemünde Irina Schönberger. © Jonik Mirzoyan
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Fünf Box-Damen aus MV holen im Seebad deutsche Titel

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Was Erwartungsdruck ist, das bekam Sarah Scheurich am Sonnabend deutlich zu spüren. Als letzte Boxerin aus MV sollte die Schwerinerin bei den deutschen Box-Titelkämpfen in Warnemünde den goldenen Schlusspunkt für die Gastgeber setzen. „Die Meisterschaften sind für mich immer das Schlimmste. Alle erwarten, dass ich gewinne. Da ist der Druck wirklich extrem hoch und das Magengrummeln noch stärker als sonst", beschrieb die Schwerinerin ihre Gefühlslage.Die Herausforderung hat sie bravourös gemeistert – obwohl sie sich erst in den Kampf erst reinarbeiten musste. Mit einem 5:0-Punktsieg im Finale gegen ihre baden-württembergische Dauerkontrahentin und gute Freundin Irina Schönberger (Ludwigsburg) erfüllte die Schwerinerin die Erwartungen. „Ich wusste, dass es eng werden kann und dass wir uns nichts schenken“, sagte Scheurich, die sich im Halbfinale am Freitag noch richtig quälen musste. „Ich hatte überhaupt keine Power und schwere Arme. Heute hätte ich dagegen noch zwei Runden weiterboxen können.“

Das war jedoch gar nicht nötig. Mit einer am Ende begeisternden und kraftvollen Vorstellung revanchierte sich die 25-Jährige für das Vorjahres-Silber gegen Schönberger und holte ihren dritten Meistertitel bei den Frauen. „Das war eine Energieleistung“, lobte Trainer Michael Timm die EM-Dritte. „Sarah hat ein großes Kämpferherz gezeigt und sich von Runde zu Runde gesteigert.“

Wie das Training unter Timm einen entscheidenden Kick geben kann, stellte Energiebündel Marie Maciejewski unter Beweis. Vor drei Wochen ist die Stralsunderin im Schweriner Trainingszentrum von Andy Schümann zu Timm gewechselt, was bei ihr „voll angeschlagen“ habe. Die 1,55 Meter kleine und 48 kg leichte Halbfliegengewichtlerin zeigte im Finale gegen die mehrfache deutsche Meisterin Annemarie Stark (Hamburg) einen beherzten Auftritt, war wieselflink auf den Beinen und hatte am Ende noch etwas zum Zusetzen. Nach dem 5:0-Urteil fiel sie beiden Trainern um den Hals. Acht Titel gewann die 22-Jährige im Nachwuchs, nun den ersten bei den Frauen. „Unbeschreiblich! Ich brauch 'ne Weile, um das richtig zu verstehen“, strahlte die angehende medizinische Fachangestellte.

Doch die Goldmedaille ist nicht ihre einzige Belohnung. „Marie hat sich damit für die WM qualifiziert“, verriet Michael Timm: „Die wird sich ganz schön freuen, wenn sie das hört.“ Auch Sarah Scheurich ist bei den Titelkämpfen vom 15. bis 22. November in der indischen Hauptstadt Neu Delhi dabei.

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Zuvor hatte bei den Juniorinnen die Greifswalderin Anni Marukyan (15) ihren Titel vom Vorjahr – damals noch bei den Kadettinnen – verteidigt. „Diesmal war es schwerer, weil die Gegnerinnen so unsauber reingehauen haben“, sagte die in Deutschland geborene Tochter armenischer Eltern, die einen technisch sauberen Boxstil bevorzugt. „Ich habe deshalb versucht, sie immer auf Distanz zu halten. Aber das hat ganz schön Kraft gekostet.“

Die Box-Meisterinnen aus MV 2018: Sarah Scheurich, Finja Bree, Marie Maciejewski und Anni Manukyan (v.l.). Es fehlt: Vanessa Fuß.
Die Box-Meisterinnen aus MV 2018: Sarah Scheurich, Finja Bree, Marie Maciejewski und Anni Manukyan (v.l.). Es fehlt: Vanessa Fuß. © Jonik Mirzoyan
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Auch sie erhält ein Dankeschön für ihre nun schon länger anhaltende Dominanz im 54-Kilo-Limit. Im Oktober wird Anni Marukyan bei der Junioren-EM in Russland starten – ihr erster Einsatz in der deutschen Nationalmannschaft. „Darauf freue ich mich schon sehr“, strahlt die Schülerin der 10. Klasse, „so eine Gelegenheit bekommt schließlich nicht jeder“.

Die Einladung hat sie schon länger in der Tasche. Mit ihrem Titelgewinn hat Anni Marukyan, die unbedingt irgendwann mal zu Olympia will, die Entscheidung nur noch bestätigt.

Die neun Meisterschafts-Medaillen (darunter fünf goldene) für die Box-Damen aus MV lassen auch Landestrainer Ralf Bünger zufrieden nach vorn blicken. „Wir bestimmen das Spitzenniveau mit“, sagt der Stralsunder. „Und was vor allem die zwei Frauen-Meisterinnen gezeigt haben, war mit das Beste, was hier zu sehen war.“ Er sei zufrieden, wie sich alle Boxerinnen präsentiert hätten – auch jene, die verloren hätten. Die Meisterschafts- Gastgeber – sie haben die Erwartungen erfüllt.

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