09. Oktober 2018 / 10:37 Uhr

Boxer Brähmer: „Bei einigen ist der Mund größer als das Können“

Boxer Brähmer: „Bei einigen ist der Mund größer als das Können“

Stefan Ehlers
Er hat klare Vorstellungen: Jürgen Brähmer, Boxer, Trainer, Promoter und Familienvater aus Schwerin.
Er hat klare Vorstellungen: Jürgen Brähmer, Boxer, Trainer, Promoter und Familienvater aus Schwerin. © Stefan Ehlers
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Jürgen Brähmer feierte am Freitag 40. Geburtstag. Der Profiboxer und Trainer spricht über seine Ziele, seinen Einstieg ins Promoter-Geschäft und über ein Angebot aus China.

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Glückwunsch zum 40., Herr Brähmer! Ist das Älterwerden ein Problem für Sie?

Jürgen Brähmer: Eigentlich nicht. Da ich viel Zeit in der Halle mit jungen Sportlern verbringe, fühle ich mich dementsprechend frisch. Und ich lasse bisher keine Trainingseinheit aus.

Wie haben Sie gefeiert?

Im ganz kleinen Kreis der Familie. Unaufgeregt und langweilig (lacht).

Der Sport ist spannend genug. Wann steigen Sie wieder in den Ring?

Ich bereite mich auf die Europameisterschaft vor. Ich bin Pflichtherausforderer von Robin Krasniqi und möchte den Kampf wahrnehmen. Die Gespräche mit Promoter Ulf Steinforth laufen. Vielleicht wird der Kampf sogar ein Eliminator für eine WM. Womöglich geht’s dann Richtung WBO, also gegen Ramirez, der Abraham bezwungen hat. Und danach kann ich mir sehr gut ein Duell von Tyron Zeuge gegen Stefan Härtel vorstellen.

Sie sind seit Anfang 2016 Trainer von Tyron Zeuge. Ihr Schützling hat sich nach dem Verlust des WM-Titels mit einem vorzeitigen Sieg gegen den Senegalesen Cheikh Bioum zurückgemeldet. Wer wird sein nächster Gegner – Weltmeister Rocky Fielding, Arthur Abraham oder Vincent Feigenbutz?

Realistisch sind alle. Der jeweilige Sportler muss nur wollen. Alles andere sind Ausreden. Ich hatte mich mit Rainer Gottwald, dem Manager von Feigenbutz, in Frankfurt am Main getroffen. Er sagt zwar, dass er den Kampf will, aber das stimmt nicht. Er hat Angst. Der Mund ist größer als das Können. Alle Zuschauer wollen den Kampf sehen – und er verhindert das. Sauerland hatte uns Kämpfe gegen Feigenbutz und Abraham angeboten, aber das waren offensichtlich Schein-Angebote. Von den vier Leuten, die sie uns angeboten haben, blieb am Ende nur der eine übrig, der schon nach dem Zeuge-Kampf gegen Ekpo im Gespräch war – Rocky Fielding.

Jürgen Brähmer vs. Robin Krasniqi – das Duell gab es bereits am 21. März 2015 in Rostock. Der damalige Weltmeister Brähmer siegte vorzeitig.
Jürgen Brähmer vs. Robin Krasniqi – das Duell gab es bereits am 21. März 2015 in Rostock. Der damalige Weltmeister Brähmer siegte vorzeitig. © Bernd Wüstneck
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Tyron Zeuge hatte den WM-Titel an den Engländer Rocky Fielding verloren. Haben Sie eine Erklärung dafür, warum Sauerland Event seinem einzigen Weltmeister nur sechs Wochen Vorbereitungszeit eingeräumt hat?

_Ganz klar, die wollten das Ergebnis, was sie bekommen haben. Das war Vorsatz. Eine kurze Vorbereitungszeit, Stress mit den Verträgen, keine Wahl der Gegner... Sauerland ist davon ausgegangen, dass wir den Kampf nicht annehmen und hatte uns eine Schadensersatzklage angedroht. Wir haben probiert, das Beste daraus zu machen. Ich habe Fielding noch im Ring angeboten, einen Rückkampf gegen mich zu machen. Das hat er abgelehnt. _

Wilfried Sauerland hat vor laufenden Kameras gesagt, dass es keine Rückkampf-Klausel gibt. Weshalb machen Sie sich überhaupt Hoffnungen?

_Weil die Aussage nicht stimmt. Sauerland hat eine Option auf den nächsten Fielding-Kampf. Das hat Promoter Eddie Hearn in einem Interview mit boxingscene bestätigt. Das kommt einer Rückkampfklausel gleich, denn Sauerland bestimmt, gegen wen und wo Fielding seinen nächsten Kampf bestreitet. Daran kann man sehen, welchen Wahrheitsgehalt die Aussagen von Wilfried Sauerland haben. _

Sauerland Event hatte Tyron Zeuge einen neuen, besser dotierten Vertrag in Aussicht gestellt – wenn er sich von Ihnen trennt. Er bleibt in Schwerin...

Ich habe zu Tyron gesagt: Du bist 26 und hast eine Situation, die kaum ein Sportler hat. Du kannst selbst entscheiden und dein Leben neu gestalten. Bei mir gibt es nur den harten Trainingsweg. Im Vordergrund steht für mich die sportliche Leistung. Ich möchte nicht auf Heimurteile angewiesen sein, sondern Leute trainieren, die man auch im Ausland in den Ring schicken kann. Das Potenzial hat Tyron.

Er will zurück auf den WM-Thron: Tyron Zeuge (26), der seit Anfang 2016 bei Jürgen Brähmer in Schwerin trainiert.
Er will zurück auf den WM-Thron: Tyron Zeuge (26), der seit Anfang 2016 bei Jürgen Brähmer in Schwerin trainiert. © Stefan Ehlers

Haben Sie einen Vertrag mit ihm?

Nein, das brauche ich nicht. Entweder, man vertraut sich und geht gemeinsam einen Weg oder eben nicht. Ich möchte niemanden durch Verträge an mich binden. Das wird erst ein Thema, wenn man mit einem TV-Partner ein Vertragsverhältnis eingeht.

Sie haben JB GermanSports gegründet. Was steckt dahinter?

Das ist eine Promotion-Firma, die Sportler vermittelt und Veranstaltungen organisiert – alles, was mit Sport zu tun hat. Ich hatte nie die Ambitionen, ins Promoter-Geschäft einzusteigen, aber ich musste den Schritt machen. Ich will immer alles vernünftig geregelt haben.

Sie haben dieses Jahr ein eigenes Box-Gym eröffnet. Ist Verstärkung in Aussicht?

_Ja, wir haben unheimlich viele Anfragen – auch aus Russland und der Ukraine. Malik Dziarra hat in Moskau ein eigenes Gym. Auch mit meinem ehemaligen Trainingskollegen Andrej Kotelnik habe ich einen engen Kontakt. Er hat eine Sportschule und könnte sich eine Partnerschaft ebenfalls gut vorstellen. Ich hatte sogar eine Trainer-Anfrage aus China. _

Und?

Finanziell ist das Angebot lukrativ. Aber meine Familie lebt hier, meine Tochter ist zur Schule gekommen. Stand jetzt werde ich es nicht annehmen.

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