09. August 2018 / 16:25 Uhr

Brinkumer SV: Eine Mannschaft auf der Suche

Brinkumer SV: Eine Mannschaft auf der Suche

Thorin Mentrup
Kaum einmal konnten sich die Brinkumer gegen die SFL Bremerhaven in den Zweikämpfen behaupten: Hier versucht es Marcel Dörgeloh (rechts).
Kaum einmal konnten sich die Brinkumer gegen die SFL Bremerhaven in den Zweikämpfen behaupten: Hier versucht es Marcel Dörgeloh (rechts). © Michael Braunschädel
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Der  Bremen-Liga-Meister verliert gegen die SFL Bremerhaven und lässt dabei vieles vermissen

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Marcus Klame und Dennis Offermann riefen ihre beiden Mannschaften nach dem Schlusspfiff erst einmal zu sich. Beide Teams, sowohl der Fußball-Bremen-Liga Aufsteiger SFL Bremerhaven als auch der Meister Brinkumer SV, bildeten einen Kreis. Die beiden Trainer waren die Wortführer. Und ihre Ansprachen ähnelten sich: Offermann und Klame sprachen von Leidenschaft, von Einstellung, von Galligkeit und dem unbedingten Willen, gewinnen zu wollen. Allerdings hatte der eine all das bei seinem Team vermisst, während der andere all das bei seiner Elf gesehen hatte. Der eine, das war der wütende Dennis Offermann, der andere, das war der strahlende Marcus Klame, dessen Elf gerade eine faustdicke Überraschung geschafft und dem Titelverteidiger die erste Saisonniederlage beigebracht hatte. Mit 1:0 (0:0) setzte sich der Aufsteiger durch und verdarb den Brinkumern die Heimpremiere.

Der Sieg der Gäste war letztlich nicht einmal unverdient – auch das dürfte Offermann so bitter aufgestoßen sein. Zum Spiel selbst wollte er sich nach der saftigen Ansprache in Richtung seiner Elf nicht mehr äußern. Ihn zog es nach Hause zu seiner Frau und seiner gerade erst geborenen Tochter. Der Abend war für ihn, aber auch für seine Spieler und den Trainer- und Betreuerstab gelaufen. Seinem Ärger über die Leistung hatte der Coach lautstark Luft gemacht. "Das dürfen ruhig alle hören", hatte er seine Ansprache beendet, die auch einige Meter weit entfernt noch deutlich zu vernehmen war. Ganz offensiv hatte er seine Elf angesprochen und die Frage in den Raum geworfen, welcher Spieler wirklich alles gegeben habe. Die Antwort: Schweigen. Aber was sollten sie auch sagen?

Erklärungen zu finden für die erste Heimniederlage in der Bremen-Liga seit dem 10. März 2017 – damals setzte es gegen den Ex-Abonnement-Meister Bremer SV ein 0:2 – war am Mittwochabend nicht so schwierig. Es passte nicht viel zusammen im Spiel der Gastgeber. Die Abstimmung fehlte, die Laufwege griffen nicht und die Präzision ging den Brinkumern ab. Der BSV, das wurde am Mittwochabend deutlich, ist noch ein Team auf der Suche nach sich selbst. Mit Yannick Funck, Nicolai Gräpler, Kevin Freistein, Jakob Raub und Enes Tiras standen fünf Neuzugänge in der Startelf, dazu kamen von Jendrick Meißner und Sangyun Lee zwei Akteure, die in der vergangenen Rückserie eher eine Nebenrolle gespielt hatten. Als echte Leistungsträger aus der Meistersaison standen lediglich Torhüter Benjamin Schimmel, Marcel Dörgeloh sowie Jannik Bender und Bastian Helms auf dem Platz. Doch selbst die beiden Letztgenannten, eigentlich das Herzstück des BSV, konnten ihrer Mannschaft nicht dauerhaft Struktur verleihen. Dass die Brinkumer auch das nötige Glück nicht hatten, passte zum gebrauchten Abend: Marcel Dörgeloh scheiterte bereits in der dritten Minute an der Latte. Insgesamt war es schon der vierte Aluminiumtreffer der Elf vom Brunnenweg in nur zwei Partien.

Während die Gastgeber genügend mit sich selbst zu tun hatten, wussten die Gäste ganz genau, was sie vorhatten. "Natürlich haben wir etwas defensiver ausgerichtet gespielt, aber wir haben nicht vergessen, uns über unsere schnellen Spieler offensiv zu zeigen", sagte Klame, der den Mut seines Teams bewunderte: "Wir haben alles getan, um hier erfolgreich zu sein. Wir kommen aus dem Norden Bremerhavens, haben eine lange Reise hierher gehabt und waren trotzdem 75 Minuten vor dem Spiel da. Ich habe den Jungs gesagt, dass wir die Mittel haben, auch in der Bremen-Liga jedem Gegner wehzutun." Dass das keine leeren Worthülsen waren, zeigte sich früh – einerseits gingen die Gäste keinem Zweikampf
aus dem Weg und langten auch mal zu, andererseits waren sie auch fußballerisch gefährlich. So hatten sie durch Sandro Felipa, Eduard Kimmel und vor allem Mirco Tatje vor der Pause gute Abschlusssituationen. Brinkum offenbarte immer wieder Lücken gegen einen Gegner, der einen absolut fitten Eindruck hinterließ. "Wir haben uns gezielt auf die Liga vorbereitet", sagte Klame, machte aber einen anderen entscheidenden Unterschied aus: "Wir waren einfach galliger." Seine Elf war entschlossener und gewann viele Zweikämpfe. Wie es dagegen um das Brinkumer Spiel bestellt war, zeigte sich zu Beginn der zweiten Hälfte: Enes Tiras' Drei-Meter-Zuspiel nach einem ruhenden Ball zu Sangyun Lee landete im Seitenaus.

Als sich die Gastgeber gerade in die Partie hineingebissen zu haben schienen und durch Lee zwei gute Möglichkeiten gehabt hatten (62., 63.), gerieten sie in Rückstand. Der eingewechselte Simon Aulich traf aus halblinker Position ins lange Eck (65.). Nach dem Gegentreffer spielte Brinkum wie aus dem Nichts besser Fußball. Der Gastgeber fand vermehrt spielerische Lösungen. Allerdings hatte er kaum Chancen. Bastian Helms' Volleyschuss, der am Pfosten vorbeistrich, war noch die beste Gelegenheit (78.). Auch in Überzahl nach der Gelb-Roten Karte gegen Toni Hennen (86.) fanden die Brinkumer die entscheidende Lücke nicht mehr, weshalb Offermann zur öffentlichen Wutrede ansetzte. Klame dagegen strahlte über das ganze Gesicht: "Dass wir als Aufsteiger beim Bremen-Liga-Meister gewinnen, ist für uns sensationell." Ebenso wie der Start mit sechs Punkten aus zwei Spielen. "Die Jungs haben eben schon gesagt, dass man mit sechs Punkten nicht in der Liga bleibt. Aber wir dürfen das hier schon genießen", freute sich der Trainer über einen Abend, den viele ganz anders erwartet hatten. Vor allem all diejenigen, die es mit dem Brinkumer SV halten.

Eine schnelle Chance zur Wiedergutmachung – wenn auch nicht in der Liga – hat die Offermann-Elf an diesem Sonnabend. Um 18 Uhr spielt sie im Pokalwettbewerb beim Bremer SV am Panzenberg. Wollen die Brinkumer nicht wie im Vorjahr früh ausscheiden, werden sie sich deutlich steigern müssen.

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