08. November 2018 / 19:45 Uhr

Caglayan Tunc über die ganz normale Ablehnung

Caglayan Tunc über die ganz normale Ablehnung

Redaktion Sportbuzzer
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Eleganz am Ball: Der Eveser Caglayan Tunc (rechts) ist auf dem Weg zu alter Stärke.
Eleganz am Ball: Der Eveser Caglayan Tunc (rechts) ist auf dem Weg zu alter Stärke. © jö
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Der Mittelstürmer des VfR Evesen spricht im Interview über Aufstiegspläne, den Ruf seines Vereins und seine Position in der Mannschaft.

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Dass Caglayan Tunc seit vier Jahren beim VfR Evesen spielt, war eine Vernunftentscheidung, sagt er. Ein solider Job statt großem Fußball, eine Perspektive statt kurzfristigem Überleben. Der heute 31-Jährige spielte früher an der Schnittstelle zwischen Profi- und Amateurfußball – in der Regionalliga. Er war beim VfL Wolfsburg II, beim TSV Havelse und zuletzt beim Nordost-Viertligisten Wacker Nordhausen unter Vertrag. Beim VfR Evesen stand er am letzten Sonntag mit dem Siegtreffer gegen den SC Rinteln endlich mal wieder im Mittelpunkt, zeigte, dass er immer noch einer der besten Schaumburger Fußballer sein kann. Die Wochen und Monate davor waren von ständigen Verletzungen geprägt. „Charly“ Tunc schien nie richtig fit zu sein. Wir unterhielten uns mit ihm.

Sie schnupperten am Profifußball und sie haben vor einigen tausend Zuschauern gespielt. Gab es Momente, in denen Sie den freiwilligen Abstieg in die Bezirksliga bereuten?

Das wäre übertrieben. Manchmal ist die Vernunft wichtiger als das Herz. Aber natürlich gab es Augenblicke, in denen ich mich erinnerte und überlegte, wohin mich der Weg wohl geführt hätte. Aber ich bin zufrieden, habe jetzt einen festen Job und Familie.

Die Aufstiegspläne des VfR Evesen ziehen sich wie Kaugummi. In der vergangenen Saison war mit der Skandal-Niederlage gegen den SV Iraklis Hellas endgültig Schluss (mit anschließender Schlägerei, Anm.), jetzt hinkt die Mannschaft schon wieder so weit hinterher, dass Präsident Wilfried Krömker den Aufstieg nicht zum Zwang erklärt hat.

Optimal läuft es nie. In den letzten Jahren kamen wir gut in die Saison, diesmal hatten wir einen Holperstart. Das liegt vor allem an den neuen Spielern, die einzubauen sind. Es war ja fast ein Umbruch. Da muss sich vieles erst einrütteln, da kann nicht gleich alles klappen. Außerdem fehlen uns permanent Spieler, wenn ich nur an Julian Talat denke. Vom Niveau her gehören wir aber in die Spitzengruppe, das war zum Beispiel bei Tabellenführer TSV Barsinghausen zu sehen, wo wir nicht nur mithielten, sondern sogar besser waren.

Der Ruf des VfR Evesen hat nicht erst seit dem Iraklis-Spiel eine Delle. Beim Hallen-Masters im vergangenen Winter etwa schlug der Mannschaft von der Tribüne offene Ablehnung entgegen. Wie empfinden Sie das?

Als normal, weil es in der Bundesliga ähnlich ist. Dort sind es Vereine wie RB Leipzig oder Hoffenheim, die vermeintlich finanziell besser ausgestattet sind, auf die geschimpft wird. Bei uns hier unten sehen wir vergleichbare Mechanismen, nur weil wir Spritgeld bekommen. Ich möchte nicht so weit gehen, das als Neid zu bezeichnen, glaube aber, dass 80 Prozent aller Spieler eigentlich gerne bei uns wären.

Sie wurden in Stadthagen geboren, Deutschland ist ihre Heimat. Bei Mesut Özil ist es genauso und er hat sich über Diskriminierung beschwert. Haben Sie so etwas auch schon erlebt?

Nichts, was ich hier groß aufbauschen möchte. Als ich in Nordhausen war und wir in ostdeutschen Stadien spielten, kam der eine oder andere dumme Spruch von den Zuschauern. Hier passiert mir das eigentlich nie, auf der Straße schon gar nicht. Im Spiel glauben manchmal ganz schlaue Gegenspieler, dass sie mich reizen können, um eine Rote Karte zu provozieren. Ältere Spieler wie Burak Buruk oder ich lächeln das weg.

Ihr ehemaliger Trainer Duran Gök behauptete, sie seien gar keine klassische Sturmspitze. Im Mittelfeld hatten wir aber oft den Eindruck, dass Sie oft zu weit vom Tor entfernt sind, um gefährlich zu werden. Bitte klären Sie uns über Ihre Wunschposition auf.

In die Position des Mittelstürmers wurde ich hineingedrängt, weil kein anderer da war. Soweit stimmt das. Tore schießen will ich aber schon. Ich fühle mich dafür hinter den Spitzen besser aufgehoben.

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