Schiedsrichter Wilmar Roldán sieht sich beim aktuellen Confederations Cup nach einem Foul auf einem Monitor den Videobeweis an. Schiedsrichter Wilmar Roldán sieht sich beim aktuellen Confederations Cup nach einem Foul auf einem Monitor den Videobeweis an. © dpa
Schiedsrichter Wilmar Roldán sieht sich beim aktuellen Confederations Cup nach einem Foul auf einem Monitor den Videobeweis an.

Check! Der Videobeweis ist da – Schiedsrichter stellen neue Technik bei RB Leipzig vor

Hellmut Krug und Felix Zwayer wollen mehr Gerechtigkeit – und präsentieren im Presseraum der Red-Bull-Arena den Videobeweis.

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Leipzig. Der Presseraum der Red-Bull-Arena wurde zuletzt am 13. Mai nach dem Monster-Kick RB gegen Bayern München bespielt. Am Montag wurde er wieder gebraucht. Nein, Keita und Forsberg werden nicht verkauft. Anderes heißes Thema. Eines, das seit zig Jahren an den Biertresen, in Redaktionsstuben und bei DFB sowie DFL diskutiert wird. Der Videobeweis. Nach Tests im stillen Kämmerlein und Generalproben bei einem Länderspiel in Paris, bei der U20-WM und beim Confed-Cup lautet das neue Zauberwort in der Bundesliga: Check! Der Videobeweis ist da.

Wann und warum strittige Szenen via Video geprüft werden, erläuterten zwei Männer vom Fach. Hellmut Krug, Ex-Schiri, Projektleiter Video-Assistent und Schiri-Manager. Unterstützt wurde der 61-Jährige, der als Unparteiischer in 240 Bundesligaspielen ein hartes/herzliches Regiment führte, von einem Star der aktuellen Zunft. Fifa-Mann Felix Zwayer, 36, gilt als Bester und vielen Guten im Land. Und er geht als erster Schiedsrichter in die Geschichte ein, der den Videobeweis nutzte.

Zwayers historische Zusammenarbeit mit der Technik und dem Video-Assistenten enthielt am 27. März 2017 vieles, was die Neuerung mit sich bringt. Emotion, Kommunikation, Beruhigung der Gemüter, klare Signale für Spieler und Fans. Vor allem zog die Kooperation richtige Entscheidungen nach sich. Über allem, was Krug/Zwayer vorstellen, steht: „Stop den klaren Fehler in spielentscheidenden Situationen!“

1. März, Paris: Frankreich – Spanien, Testspiel in doppelter Bedeutung. Antoine Griezmann erzielt das 1:0, Frankreich feiert. Zwayer will das Tor geben und bekommt einen Hinweis aus dem Off. Kein Treffer, weil Vorbereiter Layvin Kurzawa im Abseits gestanden hatte. 77. Minute: Gerard Deulofeu trifft für Frankreich, der Linienrichter wedelt das Tor weg. Abseits. Zwayer ist unsicher, spricht das magische Wort in sein Kommunikationsgeschirr. Check! Der Video-Assistent und zwei Techniker (Operater) sezieren die Szene. Während oben die Lage gecheckt wird, deutet Zwayer auf sein Headset und malt einen Monitor in die Luft. Botschaft: Wir gucken jetzt mal Video. Dann der Funkspruch an Zwayer: „Gültig, Tor!“ Angedacht ist in der Bundesliga ein Service für die Fans über die Anzeigetafel.

Zum Beispiel: „Entscheidung geändert nach Video-Review.“ In Paris loben alle Beteiligten den segensreichen Videobeweis. Der ist nur Entscheidungshilfe, kein Muss bei der Umsetzung. Die finale Entscheidungsgewalt bleibt beim Schiri.

Zum Video-Gucken in der Referee-Reviewzone (RRA) gegenüber der Trainerbänke eilt der Schiri nur, wenn a: die Einschätzung des Video-Assistenten konträr ist oder b: er eine just gecheckte Situation untermauern will. Seht her, ihr Ungläubigen!

Die Tatsachen-Entscheidung, über Generationen heiliger Gral, gehört der Vergangenheit an. Das ist laut Krug gut so. „Es kann nicht sein, dass 60 000 im Stadion wissen, was los war und nur der Schiri nichts weiß.“ Und anschließend tagelang durchs Dorf getrieben wird.

Videobeweis soll Schiris unterstützen

Krug und Zwayer wollen mehr Gerechtigkeit. Und sie untermauern die Vorteilhaftigkeit des Videobeweises mit Zahlen. In der abgelaufenen Bundesliga-Saison gab es 104 spielrelevante Fehler der Schiris. 77 hätten via neuer Technik korrigiert werden können. Die Umsetzung erfordere Toleranz von allen, fordern Krug und Zwayer. „Von 0 auf 100 wird nicht alles klappen.“ Beim Confed-Cup-Spiel Spiel Deutschland – Kamerun klappte nix. Rot statt Gelb, falscher Rotsünder, Chaos. Gut zu wissen: Die deutsche Schiri-Gilde ist besser geschult als die in Sotschi wirkende Combo. Und die Minute des Video-Assistenten schlägt nur bei wichtigen Dingen des Lebens.

Tor – war der Ball drin oder nicht? Und wenn er drin war: Kam er auf regulärem Weg hinter die Linie? Elfer – Schwalbe oder Grätsche? Platzverweis – ist Rot erforderlich? Spielerverwechslung – hat sich der Schiri bei seiner Strafverfolgung den Falschen ausgeguckt?

Beispiele aus der Praxis. Das legendäre Handtor des Gladbachers Lars Stindl in Ingolstadt wäre via Check! annulliert worden. Timo Werners Schwalbe hätte Gelb für den RB-Stürmer und indirekten Freistoß für Schalke nach sich gezogen. Und: Das 1:1 der Rasenballer in Hoffenheim durch Dominik Kaiser am 28. August 2016 wäre aberkannt worden, weil Marvin Compper 25 (!) Sekunden vorher foul gespielt hatte. Schiri Tobias Stieler gab das Tor und bekam vom untrüglichen Fachorgan Kicker Note 1. Wahrscheinlich für Instinktsicherheit. Es war das erste Tor der Roten Bullen in der Bundesliga.

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