08. Februar 2019 / 22:21 Uhr

Cheftrainer Matthé über "Lauf geht's!": "Man wird belastbarer und ausgeglichener"

Cheftrainer Matthé über "Lauf geht's!": "Man wird belastbarer und ausgeglichener"

Steffen Enigk
Auf die Plätze, fertig, los! Die Anmeldephase für die zweite Auflage von Lauf geht's! ist in vollem Gange. Jörg Matthé ist als verantwortlicher Trainer wieder dabei.
Auf die Plätze, fertig, los! Die Anmeldephase für die zweite Auflage von "Lauf geht's!" ist in vollem Gange. Jörg Matthé ist als verantwortlicher Trainer wieder dabei. © André Kempner
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Mit der LVZ zum Leipziger Halbmarathon, das ist auch 2019 das große Ziel bei der zweiten Auflage von "Lauf geht's!". Warum es Sinn macht, sich anzumelden und was das sechsmonatige Programm für Körper und Geist bringen kann, verrät Jörg Matthé im Interview. Der erfahrene Marathoni übernimmt wie schon bei der Premiere die Aufgaben des Cheftrainers bei der LVZ-Gesundheitsaktion.

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Leipzig. Wie schon 2018 heißt die Devise „runter vom Sofa und rein in die Laufschuhe“. Noch sind bei vielen die sportlichen Vorsätze für das neue Jahr frisch, die LVZ bietet die Gelegenheit, davon etwas umzusetzen. Die zweite Auflage des erfolgreichen LVZ-Projekts „Lauf geht’s!“ hat mit dem MediClin Waldkrankenhaus Bad Düben und dem Leipziger Laufladen erneut professionelle Partner mit im Boot. Das Ziel der Aktion ist klar: Möglichst viele Interessierte – egal ob Laufanfänger, Wiedereinsteiger oder Hobbyläufer – mit dosierten Training und wissenschaftlichen Ernährungstipps fit für den Halbmarathon Leipzig am 13. Oktober zu machen. Erstmals wird es auch in Bad Düben, Wurzen und Altenburg Laufgruppen geben.Im vergangenen Jahr schafften 160 „Lauf geht’s!“-Teilnehmer den Halbmarathon am Völkerschlachtdenkmal und erfüllten sich so einen Traum. Darauf hatten sich die Frauen und Männer sechs Monate lang unter Anleitung erfahrener Trainer vorbereitet.

Wir sprachen mit dem „Lauf geht’s!“-Cheftrainer und erfahrenen Marathoni Jörg Matthé (50), Inhaber des Leipziger Laufladens und Abteilungsleiter Leichtathletik des SC DHfK.

DURCHKLICKEN: Das war der Leipziger Halbmarathon 2018

Impressionen vom Leipziger Halbmarathon 2018: Mehr als 2000 Starter nahmen den Lauf rund um das Völkerschlachtdenkmal in Angriff. Zur Galerie
Impressionen vom Leipziger Halbmarathon 2018: Mehr als 2000 Starter nahmen den Lauf rund um das Völkerschlachtdenkmal in Angriff. © André Kempner
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Von null auf 21 Kilometer in einem halben Jahr, von der Coachkartoffel zum Halbmarathoni – das klingt sehr anspruchsvoll. Was entgegnen Sie den Skeptikern?

Dass ein großes Ziel dabei hilft, sich Woche für Woche im Training motivieren zu können. Das Wichtigste ist aber, überhaupt erst mal den inneren Schweinehund zu überwinden und mit dem Laufen zu beginnen. Wir hatten im Vorjahr Leute mit fast 125 Kilogramm dabei, und auch die haben es geschafft. Wir fangen ganz langsam an, und nach einigen Wochen stellt sich ein völlig verändertes Lebensgefühl ein, die Gewichtsreduzierung ist eher ein willkommenes Nebenprodukt. Und es muss auch nicht unbedingt der Halbmarathon sein, man kann auch kürzere Distanzen angehen. Die Zeit spielt dabei keine Rolle, entscheidend ist, gesund ins Ziel zu kommen. Aber wer die 21 Kilometer absolviert hat, erlebt ein unglaubliches Glücksgefühl.

Muss der Arzt grünes Licht geben, bevor man sich in so ein Abenteuer stürzt?

Nicht zwingend, aber manchmal schon. Wir verschicken nach der Anmeldung Anamnese-Bögen, die von den Teilnehmer ausgefüllt und von uns ausgewertet werden. Wenn wir Auffälligkeiten und Risiken sehen, raten wir zu einer sportmedizinischen Untersuchung, beispielsweise bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Aber vorsichtiges Laufen macht gesund, hilft bei vielen Beschwerden. Unser Programm kombiniert ohne Überforderung und Leistungsdruck modernste Trainingsmethodik und Ernährungslehre.

Was erwartet Einsteiger in so einer Trainingsgruppe?

Zunächst einmal die Anleitung durch Trainer, die mit Rat und Tat zur Seite stehen. Auch in den Außenstellen in Wurzen, Bad Düben und Altenburg wird es zwei bis drei Coaches geben. Wir bieten vier Trainingsgruppen an. Neu ist eine Power-Walking-Gruppe für alle, die (noch) nicht laufen können oder wollen. Die „Latte-Macchiato“-Gruppe ist für reine Anfänger gedacht, die noch nie trainiert haben und das Laufen erst lernen müssen. Die „Cappuccino“-Gruppe wendet sich an Wiedereinsteiger oder etwas Fittere, für die Sporttreiben nicht ganz neu ist – und die „Espresso“-Gruppe an alle, die schon 30 Minuten am Stück gleichmäßig durchlaufen können. Falls sich jemand überschätzt, korrigieren wir und teilen anders auf, Herzfrequenz-Messungen helfen dabei. Jeder Teilnehmer erhält einen individuell zugeschnittenen Trainings- und Ernährungsplan.

Alle wichtigen Infos zu Lauf geht's!

Wie sieht das Üben konkret aus?

Haupttrainingstag ist von April bis September der Dienstag ab 18 Uhr, dann treffen sich alle Gruppen. Zwei Stunden sollten dafür eingeplant werden, auch weil oft viele Fragen gestellt werden. Wir beginnen stets mit einfachen Mobilitäts- und Stabilitätsübungen, die jeder bewältigen kann. Dann folgt das Lauf-ABC, bei dem wir vor allem Einsteigern den richtigen Laufstil vermitteln. Die Laufeinheiten selbst nehmen 60 bis 70 Prozent des Programms ein. Am Anfang laufen wir fünfmal eine Minute, am Ende 120 Minuten am Stück – in allen Gruppen. Es wird also ständig gesteigert. Neben dem Dienstag beinhalten die Trainingspläne weitere Einheiten, die individuell absolviert werden. Und es gibt Hausaufgaben: leichte Übungen, die in wenigen Minuten auch auf Arbeit erledigt werden können.

Reicht guter Wille aus, um dieses Programm zu bewältigen?

Selbstdisziplin ist wichtig. Und ein anderes Zeitmanagement. Größter Gegner ist oft der gewohnte Tagesablauf. Für das Training muss man sich Zeit freischaufeln. Also sollte man den Trainingsplan der Familie zeigen. Der gehört an die Kühlschranktür, damit alle Bescheid wissen. Oft lässt sich die Familie von der wachsenden Begeisterung anstecken. Übrigens waren im Vorjahr rund zehn Prozent unserer Teilnehmer Ehepaare.

Was bringt das Laufen für die Psyche?

Man wird belastbarer und ausgeglichener, baut Aggressionen ab. Dass Ausdauersport auch bei Depressionen hilft, ist kein Geheimnis. Und die Sozialkompetenz steigt, weil man Kontakte knüpft und Leute kennenlernt. Meist entwickelt sich eine positive Gruppendynamik. Man kann sich austauschen, profitiert von den Erfahrungen anderer und nimmt so nicht mehr jedes Problem mit nach Hause.

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Wie motivieren Sie Leute, die aussteigen wollen, weil sie krank sind oder verletzt oder es nicht zum Training schaffen?

Die ersten Wochen sind die schwersten. Viele denken, sie bemerken sofort Veränderungen an ihrem Körper. Aber dazu braucht es sechs bis acht Wochen, also Geduld. Unsere Trainer geben Tipps und bieten gern Alternativen an, auch für Schichtarbeiter, die nicht immer kommen können. Der Plan ist so gestaltet, das Fehlbelastungen vermieden werden. Obwohl wir auf Waldböden und Wiesen laufen und Asphalt vermeiden, ist das Verletzungsrisiko am Anfang etwas größer. Das Bindegewebe braucht länger als Herz und Kreislauf, um sich anzupassen. Kaum jemand kommt ganz ohne Schwierigkeiten über die sechs Monate. Wenn nötig, vermitteln wir Arzttermine über unseren Partner MediClin. Für alle Teilnehmer gilt: Mal zu fehlen, ist kein Problem. Wichtig ist aber, einigermaßen im Rhythmus zu bleiben und den Trainingsplan zu mindestens 80 Prozent zu erfüllen. Sonst wird es sehr schwer.

Was für eine Ausrüstung ist nötig?

Gute Laufschuhe sind entscheidend, sie müssen gerade am Anfang dämpfen, stützen und führen. Dazu Funktionsbekleidung und Getränkegürtel, irgendwann ein zweites Paar Schuhe. Da sollte man sich von einem Fachmann beraten lassen. Unter 200 Euro wird es nicht abgehen, aber das ist gut investiertes Geld.

Apropos Geld. Die Teilnahmegebühr beträgt 49,95 Euro im Monat, für LVZ-Abonnenten sind es 29,95. Was bekommt man dafür?

Qualität hat ihren Preis. Enthalten sind individuelle Betreuung, Trainings- und Ernährungspläne, Getränke und Verpflegung bei längeren Läufen und die Halbmarathon-Startgebühr. Dazu gibt es ein Laufbuch, ein Funktions-Shirt, Vorträge, Newsletter und „Meilenstein“-Kontrollen zur Überprüfung. Und: Von „Lauf geht’s!“ profitiert man ein Leben lang.

Sie sind über hundert Marathons gelaufen. Profitiert auch der Profi noch vom Umgang mit Anfängern?

Sehr sogar. Eliteläufer sind schwieriger zu führen als Anfänger, Freizeitsportler dagegen eine sehr dankbare Zielgruppe. Es macht unheimlich Spaß, ihre Begeisterung, ihren Ehrgeiz, ihren Fleiß und ihre Fortschritte in kürzester Zeit zu sehen und zu befördern. Im Vorjahr hatten wir 80 Prozent Trainingsbeteiligung, das war beeindruckend. Wir begleiten seit 15 Jahren Laufseminare, da hatten wir zwischen 50 und 60 Prozent. Nicht missen möchte ich auch die interessanten Gespräche. Wir hatten viele Berufsgruppen am Start, vom Hauptkommissar über die Richterin bis zum Arbeiter. Das erdet, bereichert und lässt über den Tellerrand hinausblicken. Ich freue mich sehr auf die zweite Auflage von „Lauf geht’s!“.

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