05. Dezember 2018 / 21:56 Uhr

Chemie-Leipzig-Fans fragen sich: Warum musste Dietmar Demuth gehen?

Chemie-Leipzig-Fans fragen sich: Warum musste Dietmar Demuth gehen?

Redaktion Sportbuzzer
Dieter Demuth, Trainer der BSG Chemie Leipzig im Abschlusstrainung vor der zweiten Runde im DFB-Pokal gegen Paderborn. Erstmalig wird auch die mobile Flutlichtanlage getestet.
Dietmar Demuth, du bist der beste Mann… © Alexander Prautzsch
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Dietmar Demuth ist nach fünf Spielen ohne Sieg in Leipzig-Leutzsch freigestellt worden, der Vorstand steht nach dieser Entscheidung vehement in der Kritik.

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Leipzig. Leipzig-Leutzsch am Tag eins nach der Trainerentlassung. Dietmar Demuth ist nach fünf Spielen ohne Sieg freigestellt, der Vorstand steht nach dieser Entscheidung erstmals in der neueren Geschichte der BSG Chemie stark in der Kritik. „Ein Witz“, „Ihr spinnt doch“, „Da kann man nur mit dem Kopf schütteln“ lauteten die meisten Reaktionen in den sozialen Netzwerken. Prinzen-Sänger Henri Schmidt fragte sogar, ob sie jetzt in Leutzsch durchdrehen würden.

DURCHKLICKEN: Die Trainer in Leutzsch seit 1990

Jimmy Hartwig (FC Sachsen Leipzig): 1990. Zur Galerie
Jimmy Hartwig (FC Sachsen Leipzig): 1990. ©
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Gleich mehrere User vermuteten, es stimmte zwischen Mannschaft und Trainer nicht mehr, ein anderer orakelte gar, dass sich Chemie nun von Grund auf neu aufbauen müsse. Ganz so schlimm wird es nicht werden, aber in der Tat hatten gefühlte 95 Prozent der Fans kein Verständnis für diese Entscheidung des Vorstandes und der sportlichen Leitung. Auch Kult-Spieler Andy Schiemann, von 1999 bis 2001 in Leutzsch spielend, reagierte Minuten nach dem Bekanntwerden ungläubig: „Quatsch, ist doch eine Ente.“ Und als er die Meldung des Ver­eines las, mutmaßte er: „Sind wohl interne Gründe, sonst wäre das nicht nachvollziehbar.“ Das vermuten auch viele andere Beobachter.

Unterschiedliche Ansichten

Schon nach dem mit 0:2 verlorenen Spiel in Eilenburg (24. November) klang das aus dem Mund von BSG-Chef Frank Kühne so: „Die Trainer stehen jetzt im Fokus. Sie müssen beweisen, dass sie Antworten haben.“ Hatten sie wohl nicht, auch gegen Gera konnte das Team am vergangenen Samstag den Bock nicht umstoßen und spielte nur 2:2. Die anhaltende Ergebniskrise ist das eine. Über die wahren Gründe wird naturgemäß der Mantel des Schweigens gebreitet. Schließlich hat Demuth große Verdienste, zwei Aufstiege und ein Pokalsieg machen ihn zu einem der erfolgreichsten Trainer der Leutzscher Nachwendezeit.

Dennoch gab es seit längerem unterschiedliche Ansichten über diverse Dinge. Der Vorstand thematisierte schon vor längerer Zeit das Thema Integration und Entwicklung junger Spieler, man sah wohl zu wenig Chancen für den Nachwuchs, sprach darüber mit Demuth, der seinerseits immer die beste Elf aufstellen wollte. Auch über die schlechten Trainingsbedingungen lag man im Clinch. Demuth monierte offen die eklatanten Mängel beim Üben. Ein malader Platz 3 ohne Grasnarbe und mit funzeligem Licht, die zwar renovierte, aber zum wirklichen Trainieren viel zu kleine Halle – perfekt sieht anders aus.

DURCHKLICKEN: Dietmar Demuth bei der BSG Chemie

Dietmar Demuth bei der BSG Chemie Leipzig Zur Galerie
Dietmar Demuth bei der BSG Chemie Leipzig ©

Die Ungeduld des Trainers stieß nicht auf Gegenliebe. Vorsitzender Kühne dazu: „Wir können nicht über Nacht alles ändern, was wir müssten und wollen. Uns gefällt das auch nicht, aber ich lasse das als Ausrede auch nicht gelten.“ Die Kunstrasenplätze sind avisiert, Genehmigungsverfahren und Finanzierungsprüfungen dauern eben.

Eine Frage der Geduld

So fiel Dietmar Demuth – ehemaliger Bundesligaprofi und „Weltpokalsiegerbesieger“ (als Trainer beim FC St. Pauli) seinem eigenen Erfolg zum Opfer. Bis zuletzt verwies der Coach auf das „unglaubliche Jahr 2018“ mit der Regionalliga-Rückrunde, die man als siebtbestes Team beendete, den unglücklichen Abstieg, der in erster Linie wegen der Insolvenzen des Chemnitzer FC und des FC Rot-Weiß Erfurt passierte, den Sieg im Sachsenpokal, die beiden DFB-Pokalspiele gegen Regensburg und Paderborn. Auch der Oberliga-Superstart mit zehn Siegen in zehn Spielen gehört dazu. Und genau der, so kurios es klingt, vernebelte vielen wohl die Sicht auf ein realistischeres Bild.

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Die Mannschaft ist im Umbruch, die Abwehr ist für höhere Aufgaben wohl überfordert, weil zu langsam und zu schwach in der Spieleröffnung. Im Mittelfeld zieht zu selten Konstanz ein, hängt zu viel an Routinier Daniel Heinze. Alexander Bury sucht seit längerem seine Form der letzten Saison, im Sturm mangelt es an Alternativen, wenn Kai Druschky ausfällt. Alles kein Beinbruch, weil von Trainerteam und sportlicher Leitung erkannt. Die (finanziellen) Bäume wachsen in Leutzsch nach wie vor nicht in den Himmel, die Möglichkeiten zum Nachbessern bleiben begrenzt.

Dafür benötigen die Verantwortlichen Geduld. Eine Eigenschaft, an der es bei Chemie bislang nicht mangelte. So merkwürdig das klingen mag: Vielleicht ist Dietmar Demuth eben daran gescheitert.

Jens Fuge

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