30. April 2016 / 11:17 Uhr

Chemies Pokalsieg vor 50 Jahren

Chemies Pokalsieg vor 50 Jahren

Frank Müller
Pokalsieger am 30. April 1966: die BSG Chemie Leipzig. USER-BEITRAG
Pokalsieger am 30. April 1966: die BSG Chemie Leipzig. © Archiv
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Matoul und Co. sorgten auf der Müllerwiese für den zweiten Streich der Leutzscher.

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Es war der zweite Husarenstreich einer Mannschaft, der man bestenfalls Abstiegskampf in der DDR-Oberliga zugetraut hatte. Doch nach dem sensationellen Meistertitel von 1964 holte Chemie Leipzig unter Trainer Alfred Kunze zwei Jahre später auch noch den FDGB-Pokal. Heute genau vor 50 Jahren, am 30. April 1966, gewannen die Grün-Weißen das Endspiel in Bautzen gegen Lok Stendal mit 1:0. 

Vor 15 000 Zuschauern im – vor allem mit Chemie-Fans – überfüllten Stadion Müllerwiese markierte Hans-Bert Matoul in der 74. Minute das Siegtor. Nach Flanke von Wolfgang Behla gelangte ein abgerutschter Kopfball von Dieter Scherbarth vor die Füße des Torschützen. Matoul gehörte 1964 nicht zur Meister-Elf, sondern war erst 1965 von Traktor Langeln im Harz zu Chemie geholt worden und schlug als gefährlicher Stürmer schnell ein.

Im Bautzener Endspiel zweier Betriebssportgemeinschaften, die sich gegen die favorisierten Klubs durchgesetzt hatten, dominierten zunächst die Stendaler. Die lagen damals in der Oberliga nur auf Rang zwölf, Chemie war Zehnter. Nach der Pause wurden die Leipziger stärker und erspielte sich gute Torchancen. Vor allem Bernd Bauchspieß und Klaus Lisiewicz kurbelten die Aktionen an. „Wir kamen sehr schwer ins Spiel“, meinte Chemie-Kapitän Manfred Walter nach dem Erfolg, „in der zweiten Halbzeit waren wir dann weit konzentrierter.“ Der Stendaler Routinier Gerd Backhaus sagte der Zeitung Deutsches Sportecho: „Ein Quäntchen Glück hat uns gefehlt, man könnte auch sagen, die nötige Abgeklärtheit, um das verdiente Tor zu erzielen.“

So aber hatten die Leutzscher Fans Grund zum Jubeln. Viele von ihnen waren nur mit Glück ins Stadion gekommen, denn die „Müllerwiese“ war damals nur für etwa 10 000 Zuschauer zugelassen. Als aber ein weiterer Sonderzug übers Viadukt oberhalb der Nordkurve vorbeirollte, soll der Stadionsprecher ins Oval gefragt haben: „Wollen wir die noch reinlassen?“ Worauf das von Chemie-Fans dominierte Publikum lautstark bejahte. Am Ende fanden alle Platz, ein nicht unbeträchtlicher Teil der Zuschauer jedoch auf der Aschenbahn – heute undenkbar, damals aber kein Problem. Für die „Müllerwiese“ markiert dieses Spiel bis heute den Zuschauerrekord. Für die Chemiker war es der letzte große Erfolg, der ihnen sogar den Zugang auf die internationale Bühne brachte. 

In der ersten Europapokal-Runde bezwangen sie Legia Warschau. In der Runde der letzten 16 scheiterte Chemie knapp an Standard Lüttich. Es war der einzige Auftritt bei einem westeuropäischen Klub. Neben dem Ausscheiden war für die Grün-Weißen bitter, dass Torwart Klaus Günther im Westen blieb. Er schaffte den Sprung in die Bundesliga, konnte seine einstigen Mitstreiter aber bis zum Zusammenbruch der DDR 1989 nicht mehr sehen. Unterdessen ist er längst wieder in ihrem Kreis aufgenommen, kommt zu den jährlichen Erinnerungstreffen der 64-er Meister und feiert heute den 50. Jahrestag des Sieges von Bautzen. „Der Zusammenhalt in dieser Mannschaft war immer viel größer, als ich es später im Westen erlebt habe, auch wenn dort die Bedingungen für die Vereine deutlich besser waren“, sagt Günther. Er und seine Teamkollegen werden heute nach dem Sachsenliga-Heimspiel gegen Hohenstein-Ernstthal geehrt.

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