13. Juni 2018 / 14:49 Uhr

Christian Brand - ein Trainer der etwas anderen Art

Christian Brand - ein Trainer der etwas anderen Art

Stefan Freye
05.02.2017, Preussen Stadion, Muenster, Deutschland, GER, 3. FBL, Preußen Münster / Preussen Muenster vs. FC Hansa Rostock, im Bild Christian Brand (Trainer / Coach Rostock)

Foto © nph / Kurth
Engagiert am Spielfeldrand: Auch bei Christian Brand gilt das Leistungsprinzip. © Nordphoto
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Der U17-Trainer des SV Werder Bremen kann sich ein langes Engagement bei den Grün-Weißen vorstellen / "Ich suche das Besondere an einem Spieler"

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Er ist ein alter Bekannter. Zwischen 1995 und 1999 trug Christian Brand das Trikot des SV Werder. Als offensiver Mittelfeldspieler absolvierte er damals 59 Bundesligaspiele und erzielte vier Tore. Seit dieser Zeit besitzt der mittlerweile 46-Jährige ein Haus in Stadionnähe. Der Kontakt zu den Verantwortlichen riss niemals ab, und so kehrte Brand im Februar zurück zu den Grün-Weißen. Er wurde Trainer der U 17, ist also wieder ein Teil der viel zitierten Werder-Familie. Er findet das gut. Nur mit der Beschreibung ist Christian Brand nicht einverstanden: „Das mit dem Familien-Ding können wir langsam auch mal weglassen.“

Er weiß eben nur zu gut, was nach dem Hinweis auf die familiäre Bindung innerhalb des Vereins folgt: die Feststellung, Werder schmore im eigenen Saft. Deshalb formuliert es der U 17-Trainer ein wenig anders: „Die handelnden Personen kennen sich sehr lange, es herrscht eine hohe Sozialkompetenz, und das macht den Einstieg einfacher.“ Dabei könnte Christian Brand durchaus auf das eigene Beispiel verweisen, um die These vom „eigenen Saft“ zu entkräften. Der Trainer wechselte nämlich nicht zu Werder, weil er etwa Björn Schierenbeck und Thomas Wolter, den Direktor und den Sportlichen Leiter des Leistungszentrums, seit mehr als 20 Jahren kennt. Der Mann auf der Bank der B-Junioren hat eine Expertise. Nach seiner aktiven Karriere, die ihn noch zum VfL Wolfsburg, Hansa Rostock und in die Schweiz führte, hatte sich Brand intensiv der Nachwuchsarbeit gewidmet. Beim FC Luzern fungierte er als U 18- und U 21-Trainer. „Ich habe viel Erfahrung in diesem Bereich“, sagt Brand nach sechs Jahren mit den Schweizer Talenten. Erst danach schlossen sich die Trainerstationen im Herrenbereich an, beim SSV Jahn Regensburg (2014 bis 2015) und Hansa Rostock (2015 bis 2017).

Als das Engagement an der Ostsee im vergangenen Jahr beendet wurde, hatte der Trainer erst einmal den Raum zur Reflexion. „Da habe ich mir viele Gedanken gemacht“, sagt Christian Brand. So etwas ist wichtig für ihn. Die Ausbildung zum Fußballlehrer ist ja nur die eine Seite. Dank der theoretischen und praktischen Erfahrungen weiß Brand so ziemlich alles über den Fußball. Als Mensch weicht er aber auch gern mal ab von den herkömmlichen Modellen. „Unsere Zeit auf diesem Planeten ist begrenzt“, sagt der Werder-Trainer. Es geht um eine gute Zeit – für sich und die Spieler, mit denen er gerade zu tun hat.

Daneben möchte sich Christian Brand einfach ausprobieren. Während viele Kollegen von einem Karriereplan sprechen und das Amt auf der Bank der U 17 womöglich als „nächsten Schritt“ bezeichnen würden, sagt er: „Es fühlt sich richtig an.“ Man kann sich gut vorstellen, dass Christian Brand eines Tages mal auf der Bank eines Bundesligisten sitzt. Ein Engagement in einer unteren Liga erscheint aber ebenso möglich, und natürlich ist es auch denkbar, dass dieser Trainer noch viele Jahre die B-Junioren betreut. Eines ist Brand nämlich mit Sicherheit nicht: ein Getriebener, der sich nur von Ambitionen leiten lässt. Trotzdem – oder gerade deshalb – schätzt er das „Privileg“, das er sich mit dem Status als ausgebildeter Fußballtrainer erarbeitet hat.

Zwar können die Tage mit morgendlicher Bürotätigkeit und abendlichen Training schon mal recht lang werden. „Und es gibt auch welche, die nicht so laufen“, sagt Christian Brand. Aber insgesamt ist er doch sehr zufrieden mit seiner Arbeitsstelle: „Wenn ich etwas mache, muss mich das auch erfüllen – und die Chancen bei Werder sind da sehr groß.“ Das alles darf man aber nicht falsch verstehen, auch bei Christian Brand gilt das Leistungsprinzip. Es hat ihn deshalb schon geärgert, dass Werders U 17 in den vergangenen Wochen gegen die Spitzenteams VfL Wolfsburg (1:3), Hertha BSC Berlin (0:3) und Hamburger SV (1:2) verlor und lediglich Rang fünf in der Abschlusstabelle belegte. Aber er ordnet die Platzierung ein („Wir haben in diesem Jahrgang nicht die qualitative Breite“) und setzt einen anderen Schwerpunkt. „Ich habe das Gefühl, die Spieler beginnen, den Fußball zu verstehen“, sagt Christian Brand. Diese „gute Entwicklung“ zählt für ihn mehr als ein Platz in der absoluten Spitze der B-Junioren-Bundesliga.

Dabei macht der Trainer die Fortschritte in mehreren Bereichen aus. Natürlich geht es auch bei Werders U 17 um die Taktik und das Positionsspiel. „Wir wollen auf dem Platz gezielte Laufwege, denn heute werden die Spiele durch viele kleine Situationen entschieden“, sagt Christian Brand. Daneben möchte er allerdings auch die individuellen Stärken der einzelnen Kicker fördern: „Ich möchte den Spielern Freiraum geben, ihre Qualität auf dem Platz auszunutzen.“ So ließe sich die Kreativität der jungen Kicker bewahren, so würden sie in die Lage versetzt, auf unvorhergesehene Situationen zu reagieren. Christian Brand bringt es auf eine einfache Formel: „Ich suche das Besondere an einem Spieler.“

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