Christian Streich trainiert den SC Freiburg seit 2012 und ist bereits seit 22 Jahren im Verein. Christian Streich trainiert den SC Freiburg seit 2012 und ist bereits seit 22 Jahren im Verein. © imago
Christian Streich trainiert den SC Freiburg seit 2012 und ist bereits seit 22 Jahren im Verein.

Christian Streich: "Es gibt bei einigen Vereinen keinerlei Schamgrenze mehr"

Der Trainer des SC Freiburg äußert sich nur selten in ausführlichen Vier-Augen-Gesprächen. Dem Spiegel gab er nun ein bemerkenswert offenes Exklusiv-Interview.

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Christian Streich gehört zu den bemerkenswertesten Persönlichkeiten der Bundesliga. Der SC Freiburg ist immer für einen lockeren, unerwarteten Spruch gut und auch für unkontrollierte Emotionen. Erst in der vergangenen Woche sorgte der Badener für Überraschung, als er nach dem Abstieg des gegnerischen Klubs FC Ingolstadt 04 plötzlich die Tränen nicht mehr verbergen konnte.

Exklusiv-Interviews gibt Streich nur selten, bei Anfragen werden Medienvertreter nicht selten geblockt. Jetzt hat Spiegel Online es geschafft - Streich gab ein offenes und sehr grundsätzliches Interview, in dem er mit dem modernen Fußball hart ins Gericht geht.

"Ein 14-Jähriger sollte nicht mehr verdienen als sein Vater"

Vor allem mit der Transferpolitik ist Streich nicht einverstanden. "Es gibt bei einigen Vereinen aber keinerlei Schamgrenze mehr. Weder was das Alter angeht, ab dem Kinder geködert werden, noch was das Geld angeht, das man dort verdienen kann. Da werden soziale und pädagogische Aspekte über Bord geworfen. Die interessiert das dann nicht, ob ein 14-Jähriger mehr verdient als sein Vater", schimpft Streich, der seit 2012 Trainer der Breisgauer ist.

Der 51-Jährige arbeitet seit 1995 als Trainer bei den Süddeutschen. Die Leistungsgesellschaft sieht der Kult-Trainer kritisch - und zwar weit über die Grenzen des Fußballs hinaus. "Das Bewusstsein, dass Ausgleich und Solidarität dieses Land nach dem Krieg 60, 70 Jahre stark gemacht haben, dass es im Interesse aller ist, wenn der Starke dem Schwachen etwas abgibt, das wird gerade über Bord geworfen. Es geht da gar nicht mehr um die Frage links oder rechts, sondern um die Frage, ob Demokratie und Partizipation weiter möglich sind, oder ob Geld endgültig ein Wert an sich wird", erklärte Streich.

Freiburgs Trainer Christian Streich weint wegen Ingolstadt-Abstieg

Wird es für den Fußball in Zeiten von Ellenbogen und Kommerzalisierung langsam eng? Streich glaubt, dass es so nicht mehr lange weitergeht. "Hoffentlich geben die Leute den Fußball nicht auf. Sonst hast du bald 40 000 Zuschauer, von denen 30 000 am Popcorn-Stand stehen.* Wenn diejenigen, die diesen Fußball wollen, so weitermachen, kriegen sie ausschließlich materiell erzogene Menschen.* Und wenn sie dann mal selbst 75 Jahre alt sind und Hilfe brauchen, sind sie von Menschen umgeben, die sie nicht mehr anschauen, weil sie für die Jüngeren Ausschuss sind..."

Fussball Bundesliga Christian Streich Sport-Club Freiburg (Herren)

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