Stiliyan Petrov kurz vor der Diagnose (l.) und während der Behandlung. Inzwischen ist "Stan the Man" wieder da. © imago/Montage

Comeback nach Leukämie: Diese wunderbare Geschichte verzaubert England

Stiliyan Petrov erhielt die schlimmste Diagnose seines Lebens. Jetzt, vier Jahre später, ist der Kapitän von Aston Villa wieder auf den Fußballplatz zurückgekehrt.

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Alles begann mit ein bisschen Fieber. Zunächst dachte Stiliyan Petrov, er hätte lediglich eine Erkältung. "Wir haben gegen Arsenal gespielt, mein kleiner Junge war die Tage ein bisschen kränklich und ich dachte, dass ich deshalb nicht auf der Höhe war. Vor dem Spiel habe ich mich gut gefühlt. Als es losging, wurde ich müde und meine Muskeln haben nicht so reagiert, wie ich das gewohnt bin." Der erfahrene Kapitän von Aston Villa verlor während der ersten Hälfte des Premier-League-Spiels im Frühjahr 2012 so ziemlich jeden Zweikampf. Etwas, das man vom Bulgaren eigentlich gar nicht gewohnt war, von diesem Mentalitätsmonster, der eigentlich ein toller Zweikämpfer ist und sich in Schottland und England in einer langen Karriere einen Ruf als Kämpfernatur erarbeitet hatte. In der Halbzeit nahm Trainer Alex McLeish seinen Spieler beiseite. "Stan, du bist überall zweiter Sieger, was ist los? Soll ich dich runternehmen?" Petrov verneinte, spielte weiter. Besser, aber ein mulmiges Gefühl blieb zurück. Danach ging er zum Mannschaftsarzt - etwas war ganz klar nicht in Ordnung. Man versuchte Antibiotika, anschließend folgten einschlägige Untersuchungen - die eine schreckliche Diagnose offenbarten.

Es war keine Erkältung. Petrov hatte Leukämie, Blutkrebs. Eine der tödlichsten Krebsarten, die unbehandelt innerhalb weniger Wochen oder Monate zum Tode führen. "Ich habe es zunächst nicht wahrhaben wollen. Ich habe dem Arzt gesagt: 'Was meinen Sie?' Ich wusste natürlich, was Leukämie ist aber ich wusste nicht, dass es verschiedene Typen gibt und was für Behandlungsmethoden. Ich kannte nur das Wort Leukämie."

"Wir werden nicht mehr weinen"

In den nächsten Monaten sollte er einiges über Blutkrebs erfahren - und leider auch am eigenen Leib erleben. Petrov berichtet darüber, wie er seiner Frau noch am selben Tag im Krankenhaus davon erzählte. Sie brach in Tränen aus. Kein Wunder. Aber Petrov nahm ihr ein Versprechen ab: "Es ist eines der schlimmsten Dinge, die einem Menschen widerfahren können, aber wir werden jetzt nicht mehr weinen."

Gesagt, getan. Gut für den Bulgaren: Er hatte eine akute, lymphoblastische Leukämie, die vor allem bei Kindern auftritt und zu etwa 90 Prozent sogar heilbar ist. Zunächst erhielt Petrov Steriode, es folgten Chemotherapien. Normal ist bei dem Krankheitsverlauf ein erheblicher Gewichtsverlust. Doch Petrov nahm zu, fast zehn Kilogramm innerhalb einer Woche. "Ich hatte Frühstück, ein zweites Frühstück, Mittagessen, noch ein Frühstück am Nachmittag, Abendessen und Snacks in der Nacht. Es war fantastisch, ich habe meine ganze Karriere darauf gewartet zu essen." Doch niemand glaubte trotz der Krankheit so recht, dass die fußballerische Laufbahn des damals 33-Jährigen schon vorbei war. Petrov hatte den Fans ein Versprechen gegeben: "Ich garantiere Euch, ihr werdet mich nochmal für Aston Villa Fußball spielen sehen!" Sein Klub unterstützte ihn nach Kräften, auch die Fans. In jedem Heimspiel wurde in der 19. Minute durchgeklatscht. Die 19, Petrovs Trikotnummer. Auch bei Celtic Glasgow solidarisierten sich die Fans. "You'll never walk alone, Stan."

Comeback gegen Graz - "looking happy, healthy"

Stan ging den Weg niemals allein, er blieb auch während der Erkrankung ein Teil der Villa-Familie, verpasste nur wenige Spiele. Nach der Saison paradierte er mit seiner Familie über den Platz, wie alle anderen Spieler.  Obwohl er schlecht aussah, keine Haare mehr hatte, aufgedunsen war. Auch nach seinem Karriereende, das er 14 Monate nach der Diagnose verkündete, war Petrov ein 'Villain'. Da hatte er die Krankheit schon besiegt. Petrov ist inzwischen geheilt.

Den Fußball hat Petrov trotz der Krebserkrankung niemals aufgegeben. Überraschend war die Nachricht, dass Aston Villa den Bulgaren im Sommer wieder in den Kader berief - auf einer vertragslosen Basis. Inzwischen ist Petrov 37, ist nach der Krankheit aber wieder beachtlich fit. So fit, dass er nun sogar sein Comeback feiern durfte - nach über vier Jahren Pause. Im Vorbereitungsspiel der inzwischen in die zweite englische Liga abgestiegenen Villains gegen den Grazer AK (8:0) spielte Petrov am Samstag erstmals wieder. Gesund, fröhlich und gut am Ball. Fast, als wäre er nie weggewesen. "Stan the Man" will nochmal angreifen, trotz seines hohen Fußballalters. Er hat ja auch einiges aufzuholen. Wer will es ihm verdenken? Sein Versprechen hat der Bulgare jedenfalls schon gehalten.

Region/National

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