Conte contra Löw: Wer hat am Samstag den besseren Plan? © imago/dpa/Sportbuzzer

Conte contra Löw: So ähnlich – und doch so verschieden

Joachim Löw gegen Antonio Conte: Das EM-Viertelfinale wird auch zum Duell der Trainer. Wer hat den besseren Plan?

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Eine Krawatte von Joachim Löw würde Antonio Conte wohl niemals anziehen. Kunterbunt waren die Schlipse, die Löw einst als Spieler des FC Schaffhausen verkaufte. Conte dagegen, ganz Italiener, bevorzugt auch an der Seitenlinie maßgeschneiderte Anzüge mit passenden Accessoires in gedeckten Farben.

Von modischen Details abgesehen, haben Löw und Conte viel gemeinsam. Besonders in Taktikfragen gelten beide Trainer als die vielleicht cleversten der EM. Das EM-Viertelfinale am Samstag in Bordeaux (21.00 Uhr/ARD) wird daher auch zur Kopfsache. Die Frage lautet: Wer heckt den besseren Plan aus?

Vor vier Jahren verzockt

Löw ist ein gebranntes Kind. Vor vier Jahren verzockte sich der Bundestrainer, als er im EM-Halbfinale gegen Italien das deutsche Spiel auf den Gegner ausrichtete. Toni Kroos wurde zu einer Art Bodyguard für Andrea Pirlo, der Versuch ging schief. "Ich muss die Verantwortung übernehmen und stehe dafür gerade", sagte Löw nach dem 1:2, der vielleicht bittersten Niederlage seiner Amtszeit. "Aus diesem Spiel habe ich viel gelernt", sagt Löw heute.

Den Beweis kann und will er am Samstag liefern. Denkbar ist, dass Löw in Bordeaux auf eine Dreierkette umstellt - so wie beim überzeugenden 4:1 gegen die Italiener im März. Wahrscheinlich aber setzt er weiter auf die in vier EM-Spielen bewährte Viererkette. Nach dem Gegner richten, das war einmal.

Hyperaktiver Italiener im feinen Zwirn

Ganz ähnlich denkt sein Gegenüber Conte, der oftmals hyperaktive Süditaliener im feinen Zwirn. Der von den Spielern nur "Mister" genannte 46-Jährige trainiert die Squadra Azzurra erst seit zwei Jahren und hat doch schon viel bewegt. "Italien ist nicht Catenaccio. Ich lasse nicht nur Konter trainieren", sagte er nach dem Achtelfinale gegen Spanien (2:0) in der wohl längsten Pressekonferenz der bisherigen EM. Der stolze Apulier war in Redelaune.

Für Conte ist die EM bislang ein wahre Genugtuung. Erst kurz vor dem Turnier wurde er vom Vorwurf freigesprochen, als Trainer des AC Siena Manipulationen nicht gemeldet zu haben. Für Conte kam der monatelange Rechtsstreit einer persönlichen Beleidigung gleich. Nun hat er es allen Kritikern gezeigt. Ein Sieg über den Weltmeister wäre das Tüpfelchen auf dem i.

"Halte ihn für einen ausgezeichneten Trainer"

Wie Löw hat auch Conte mehrere taktische Möglichkeiten. Während der EM probierte er erfolgreich das 5-3-2, gegen das DFB-Team wird er aber wohl auf die gängige 3-5-2-Formation setzen. Auch der Italiener will lieber agieren statt reagieren, mit Mut statt Vorsicht. "Conte hat dem Spiel nach vorne mehr Gewicht gegeben. Ich halte ihn für einen ausgezeichneten Trainer", sagt auch Löw.

Nach der EM wird Conte zum FC Chelsea wechseln. Seinem derzeitigen Job trauert er schon jetzt hinterher. "Italien wird immer einen Platz in meinem Herzen haben. Ich hoffe, dass ich irgendwann wieder Italien-Trainer sein kann", sagte er nach dem Sieg gegen Spanien. Zuvor aber will der Krawatten-Mann noch das Duell der Taktikfüchse mit Löw gewinnen - und ein Stück Geschichte schreiben.

SID

Region/National

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