Viktor Skripnik wurde bereits nach drei Saisonspielen entlassen. © dpa

Cool bleiben! Hecking, Schmidt und Kovac ledern gegen Trainerwechsel

Nach vier Spieltagen droht der zweite Bundesligist seinen Trainer zu entlassen – Kollegen kritisieren die Hektik.

BUZZER DEINE MEINUNG!

  • Fail -
  • Läuft -
  • Krass -
  • WTF -
  • Kopf Hoch -
  • Peinlich -
Anzeige

Bundesligatrainer sitzen gewohntermaßen sehr bequem. Auf teurem Leder, gut gefedert. Doch wer einen solchen Platz einnimmt, der weiß, dass aus diesen Federn schnell mal ein Schleudersitz wird. Das macht den Job immer problematischer. Drei Trainern, die (noch) relativ fest im Sattel sitzen, wurde es nun zu bunt. Sie sahen die Zeit gekommen, mal ein grundsätzliches Plädoyer zu halten. Für ihre Kollegen. Und irgendwann wahrscheinlich auch: sich selbst.

Mittlerweile müssen Bundesligatrainer ja nicht mal mehr ein erstes Saisonspiel ausgetragen haben, um zur Disposition zur stehen. Bei Werder Bremens Viktor Skripnik war das so. Der Ukrainer blieb trotz des erreichten Klassenerhalts in der Vorsaison umstritten – und ging entsprechend angeschlagen in die neue Saison. Ein Pokalaus und 270 Bundesliga-Minuten später war die erste Trainerentlassung der Spielzeit 2016/17 perfekt.

Labbadia platzt der Kragen

„Wenn man sieht, dass man nach dem 3. Spieltag in der Liga schon einmal gewechselt hat und dass schon wieder einige Kollegen in Frage gestellt werden, dann kann das nicht gut sein für den Trainerberuf“, klagt Wolfsburgs Coach Dieter Hecking. Für Bruno Labbadia etwa wird es Samstag (15.30 Uhr) gegen den FC Bayern schon richtig eng, bei Schalkes Markus Weinzierl werden nach null Punkten aus vier Spielen zumindest die Fragen nach dem Effekt des Trainerwechsels vor der Saison lauter.

Jüngst platzte Labbadia selbst erst in einem Interview der Kragen. „Wenn der Journalismus mittlerweile so wird, dass man nach dem dritten Spieltag ..., dann machen Sie es gerne so“, raunte er. Doch vor dem Bayern-Spiel, deren Trainer Carlo Ancelotti übrigens meint „Ein Trainer ist immer unter Druck“, klingen Aussagen wie „Ich versuche auf Dinge einzuwirken, auf die ich Einfluss habe“ schon wie die letzten des einstigen HSV-Retters.

Schlechte Karten für Nouri

Was die Trainer geleistet haben, werde schnell vergessen, sagt Frankfurts Coach Niko Kovac. „Es gibt immer ein Auf und Ab. So früh in der Saison kann man nicht sagen, alles ist gut oder alles ist schlecht.“ Der Ex-Hoffenheimer Markus Gisdol wird bereits als Labbadias Nachfolger gehandelt – allerdings auch bei Werder Bremen, wo Interimscoach Alexander Nouri schlechte Karten auf eine fortdauernde Cheftrainer-Beschäftigung hat.

Und wenn Bremens Sportchef Frank Baumann vom Trainer als „der wichtigsten Personalie im Verein„ spricht, wird zumindest klar, in welchem Zusammenhang die Jobsicherheit eines Trainers und der sportliche Erfolg des Vereins stehen.

Trainerwechsel ohne Effekt

Roger Schmidt weist auch den Medien eine Rolle dieser Problematik zu. Der Trainer von Bayer Leverkusen findet, man sollte der öffentlich oftmals hochgejazzten Dramatik nicht zu viel Bedeutung beimessen. „Wenn man analysiert, dass das Trainerteam gute Arbeit leistet, dann sollte man die Medienhektik unberücksichtigt lassen und cool bleiben“, sagt Schmidt. Worte, die auch aus seiner Sicht nicht ganz verwunderlich wirken. Vier Punkte aus vier Spielen sind viel zu wenig für die gehobenen Leverkusener Ansprüche. Immerhin ist Schmidt bewusst, dass die Sache mit der „Medienhektik“ wechselseitig funktioniert. „Nach einem Sieg kann sich alles wieder ändern.“ Möglichst schon Samstag (15.30 Uhr) in Mainz – wobei sein Job nicht wirklich bedroht ist.

Sowieso ist das mit dem Trainerwechsel so eine Sache. Eine Entlassung diene in erster Linie „der Beruhigung der aufgeregten Öffentlichkeit“, wie eine 2011 an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster durchgeführte Studie belegte. Allerdings ging daraus auch hervor, dass ein bis dahin erfolgloses Team unter einem neuen Coach zwar etwas besser spielt, sich die Situation unter dem Vorgänger über kurz oder lang aber ebenfalls verbessert hätte – und der Trainereffekt damit Hokuspokus ist.

Fussball Bundesliga Region/National SV Werder Bremen (Herren) Hamburger SV (Herren) Bayer 04 Leverkusen (Herren) FC Bayern München (Herren) Eintracht Frankfurt (Herren)

KOMMENTIEREN

Mehr Fußball vom Sportbuzzer

KOMMENTARE

Anzeige