08. Juni 2018 / 11:06 Uhr

Coole Sprüche und eine Schlafmütze - unterwegs mit Borgfelds B-Junioren

Coole Sprüche und eine Schlafmütze - unterwegs mit Borgfelds B-Junioren

Christian Markwort
Eine Busfahrt, die ist lustig: Borgfelds B-Junioren träumen vom Aufstieg in die Bundesliga.
Eine Busfahrt, die ist lustig: Borgfelds B-Junioren träumen vom Aufstieg in die Bundesliga. © Christian Markwort
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Reporter Christian Markwort begleitet den Regionalligisten zum Spiel nach Osnabrück

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Die Abfahrt ist für Punkt 9.45 Uhr vorgesehen. Es geht zum Auswärtsspiel beim VfL Osnabrück. Etwa 75 Personen haben sich an diesem Morgen auf dem Parkplatz eines Lebensmittel-Discounters in Borgfeld eingefunden. Im Mittelpunkt stehen die B-Junioren des SC Borgfeld, die in wenigen Stunden Geschichte schreiben können. Als erste Mannschaft vom Wümmedeich überhaupt strebt das Team um sein Trainer-Quartett Burak Bahar, Sven Duschner, Dominic Volkmer und Janik Brüggemann den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga an. Dementsprechend groß ist die Anspannung – und lose das Mundwerk.

Doch zunächst steht in Osnabrück das Spiel um Platz drei auf dem Programm. „Es wird eine spannende Begegnung“, sagt Burak Bahar, dessen Team das Heimspiel mit 3:4 verloren hatte. „Einen Favoriten kann man nicht wirklich seriös ausmachen, weil beide Mannschaften eine tolle Saison absolviert haben“, betont Bahar, ehe er ein weiteres Mal einen ungeduldigen Blick auf seine Armbanduhr wirft. Denn während Busfahrer Wolfgang vehement zum Aufbruch drängt, um den vielen Staus auf der A1 möglichst zu entgehen, lässt Mittelfeldspieler Hakim Diallo weiterhin auf sich warten. Der 16-Jährige hat verschlafen und muss nun unterwegs aufgegabelt werden. „Wenn der dafür heute auf dem Platz nicht
explodiert“, grollt sein Coach, „dann ist er das letzte Mal im Team gewesen.“

Dann rollt der Bus vom Parkplatz auf die Autobahn. Allerdings fährt Busfahrer Wolfgang gleich an der nächsten Abfahrt schon wieder von der Autobahn ab, um Hakim vom vereinbarten Ersatztreffpunkt an einer Tankstelle abzuholen. Während der Bus auf die Tankstelle zurollt, bemerken die Jugendlichen ihren Kameraden, der im vollen Sprinttempo angerannt kommt und schließlich vollkommen außer Atem in den Bus einsteigt. Seine Kumpels verspotten Hakim freundschaftlich, vom Trainer erhält er noch schnell einen knappen Tadel, und anschließend steuert der Busfahrer sein Gefährt endlich in Richtung Osnabrück.

Während die Jugendlichen in erster Linie mit ihren Smartphones beschäftigt sind, ist Co-Trainer Sven Duschner der einzige, der sich in der analogen Welt aufhält – er liest ein Buch. Ruhig und zurückgezogen sitzt der Sport-und Fitnesskaufmann in der vorletzten Reihe und lässt sich von keinerlei Nebengeräuschen aus der Ruhe bringen. Dabei herrscht im Bus jede Menge Trubel, die jungen Kicker versuchen, ihre deutlich spürbare Nervosität mit möglichst coolen Sprüchen herunterzuspielen.

„Die Spieler sind noch nicht im Tunnel“, befindet Burak Bahar, der in der letzten Reihe Platz genommen hat und sich bereits intensiv mit dem kommenden Gegner auseinandersetzt. Nach und nach zitiert er seine Spieler einzeln zu sich, um ihnen einige Tipps mit auf den Weg zu geben. „Die haben hinten rechts ein Problem“, erklärt Bahar unter anderem seinem Top-Torjäger Eren Sami Dinkci, der derzeit mit elf Treffern auf Platz fünf der Torschützenliste rangiert.

Während Burak Bahar seine Spieler akribisch auf den Gegner einschwört, machen sich die Eltern einiger Kicker im vorderen Teil des Reisebusses schon einmal Gedanken über Pro und Contra der B-Junioren-Bundesliga. Weite Entfernungen, hoher Trainingsaufwand und das Verletzungsrisiko durch die ungewohnt hohe Belastung sind dabei die Hauptthemen. Unabhängig vom Bundesliga-Aufstieg soll in der kommenden Spielzeit zum Beispiel bis zu viermal pro Woche trainiert werden. Das war übrigens eine der Vorgaben, ehe Burak Bahar seinen Trainervertrag verlängert hat. Im Bus hat sich mittlerweile eine Stimmung eingestellt, die zwischen Anspannung und Vorfreude auf ein echtes Spitzenspiel wechselt. „Ihr müsst eure Gegenspieler immer wieder aggressiv anlaufen“, gibt der Coach besonders den Offensivkräften mit auf den Weg. „Seid mutig, ihr habt überhaupt nichts zu verlieren“, betont Bahar, schließlich habe das Team „schon jetzt eine geile Saison gespielt“. Ein Aufstieg in die Bundesliga war weder geplant noch vorherzusehen, „deshalb könnt ihr völlig befreit aufspielen und sollt einfach nur Spaß haben“, so Bahar, während Busfahrer Wolfgang den Osnabrücker Sportpark ansteuert.

Das Stadion ist bereits gut gefüllt, rund 250 Zuschauer sind gekommen, um ihre Youngster voller Leidenschaft in die Bundesliga zu brüllen. Wie gewohnt leitet Sven Duschner das Aufwärmprogramm, Burak Bahar füllt den Spielberichtsbogen aus und verkündet dann in der Kabine seinen Matchplan. Anschließend beschwören die Spieler noch schnell den Teamgeist und machen sich schließlich auf den Weg raus auf dem Platz.

Die Begegnung verläuft wechselhaft. Osnabrück geht schnell in Führung, doch Daniel Hefele gleicht aus. Bei einer Osnabrücker 3:1-Führung scheint der SCB aus dem Rennen zu sein. Doch Borgfeld hat einen Daniel Hefele, der mit zwei Toren das 3:3 sichert und einen Punkt rettet. Und damit den Traum vom direkten Aufstieg in die Bundesliga weiterträumen lässt. Nach dem Schlusspfiff kennt der Jubel im Borgfelder Lager natürlich keine Grenzen mehr. „Jetzt wollen wir das Ding auch klarmachen“, betont Burak Bahar beim Einsteigen in den Bus, „am nächsten Wochenende haben wir im Heimspiel gegen Niendorf alles in unseren eigenen Händen.“

Allerdings behält der erfahrene Jugendtrainer auch im Gefühl des Triumphes einen kühlen Kopf. Das strahlt auch auf seine Spieler aus. Keiner der Jungen überdreht, alle sind zwar glücklich, aber niemand wird zu euphorisch. „Das haben wir uns bei Burak abgeschaut“, meint beispielsweise Spaßvogel Boris Zlataric, der ansonsten immer für einen frechen Spruch zu haben ist.

Beispiel gefällig? Aus den Boxen im Bus dröhnte während der Fahrt türkische Musik. Da fühlt sich Boris Zlataric aufgerufen, seinen Coach zum Tanzen während der Fahrt im Mittelgang des Busses aufzufordern. Burak Bahar lehnt dankend ab. Auch Sven Duschner lässt sich nicht aus der Reserve locken, als das Team den Wunsch äußert, zusammen nach Mallorca zu fliegen. „Das könnt ihr vergessen. Organisiert doch selber mal eine Feier“, entgegnet Duschner und taucht wieder ab in die analoge Welt seines Buches.

Das Team feiert bis zur Ankunft auf dem Parkplatz den Punktgewinn. Der direkte Aufstieg in die Bundesliga ist weiterhin möglich. Zumindest die Teilnahme an der Relegation gegen Tennis Borussia Berlin ist greifbar nahe, dazu reicht schon ein Unentschieden an diesem Sonntag gegen Niendorf. Rosige Aussichten für den SC Borgfeld also –den kleinen, unscheinbaren SC Borgfeld, der mit seiner lebenslustigen Truppe vor dem großen Wurf steht: dem Aufstieg in die Bundesliga.

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