Mensur Suljović betreibt ein eigenes Café und ist dreimaliger Softdarts-Weltmeister. Mensur Suljović betreibt ein eigenes Café und ist dreimaliger Softdarts-Weltmeister. © imago
Mensur Suljović betreibt ein eigenes Café und ist dreimaliger Softdarts-Weltmeister.

Darts-WM 2018: Mensur Suljović im Porträt – „The Gentle“

Mensur Suljović führt ein eigenes Café, weil er nur von Darts nicht leben könnte. „The Gentle“ im großen Porträt auf dem SPORTBUZZER.

BUZZER DEINE MEINUNG!

  • Fail -
  • Läuft -
  • Krass -
  • WTF -
  • Kopf Hoch -
  • Peinlich -
Anzeige

Der Sanfte mit dem Doppelleben: Lässig zurückgelehnt sitzt Mensur Suljović in einem Wiener Café und plaudert mit Journalisten über das Leben als Dartsprofi. Dabei handelt es sich nicht um irgendein beliebiges Café, es ist sein eigenes und vor allem ein finanzielles Standbein des gebürtigen Jugoslawen Suljović.

Denn auf die Frage, ob er von seinem Sport leben könne, antwortet „The Gentle“ wie aus der Pistole geschossen: „Nein, keine Chance. Ich habe sieben, acht Jahre investiert, ich wollte schon aufhören. Wenn man vom Sport leben kann, dann geht das nur über das Preisgeld. Sponsoren gibt es zwar, aber das geht nur, wenn man im Fernsehen zu sehen ist.“ (ORF.at, 18.12.2015) Und das sei für ihn als für Österreich startendem Akteur zumeist nur einmal im Jahr bei der PDC-Weltmeisterschaft der Fall, sagt Suljović, der somit ein Doppelleben als Geschäftsmann und Dartsprofi führt.

Ein Café ist es auch, in dem die Begeisterung von Mensur Suljović für den Dartssport geweckt wird. Im Kaffeehaus seines Bruders wirft Suljović Ende der 1980er-Jahre die ersten Pfeile. E-Darts oder Soft-Darts werden die in vielen Kneipen stehenden Automaten genannt. Suljović findet nicht nur Spaß an diesem Sport, er beweist auch Talent und avanciert in den folgenden Jahren zu einem der erfolgreichsten Soft-Darts-Spieler überhaupt. 1999 gewinnt er im deutschen Kalkar seinen ersten Weltmeistertitel, 2001 und 2005 feiert er zwei weitere WM-Triumphe.

Mehr zur Darts-WM 2018

Keine Frage, das hohe Ansehen der Steeldarts-Spieler erreicht Suljović nicht, und so erscheint es nur logisch, dass der in Wien lebende und für Österreich startende Suljović Interesse zeigt, sich auch mit den Profis der BDO (British Darts Organisation) zu messen. 2002 nimmt er erstmals an einer BDO-Weltmeisterschaft teil, scheidet jedoch bereits in der zweiten Runde aus.

Ein Problem, das einigen prominenten Akteuren arg zu schaffen macht, erwischt auch Suljović. Er leidet an Dartitis, hat mentale Probleme, mit dem Druck fertigzuwerden und den Dartspfeil in der Hand loszulassen. „Ich hatte ein Kopfproblem, wo ich plötzlich den Dart nicht mehr auslassen konnte. Ich hatte eine Blockade und habe zwei Jahre gebraucht, um mich umzustellen. Das ist ein Problem, das fast alle Spieler haben, nur redet keiner darüber. Das passiert, wenn man zu viel erreichen will und zu viel Druck auf sich selbst ausübt“ (ORF.at, 18.12.2015), spricht Suljović heute ganz offen über diese Sportlerkrankheit. Die Folge: Er hat nunmehr eine unorthodoxe Wurftechnik, „jetzt halte ich den Pfeil leider zu kompliziert“ (ORF.at, 18.12.2015), erklärt er.

Erfolg hat Mensur Suljović mit seiner individuellen Wurftechnik dennoch. 2008 startet er nach seinem Wechsel zur Professional Darts Corporation (PDC) erstmals bei der PDC-Weltmeisterschaft. Auch in den Folgejahren qualifiziert sich Suljović regelmäßig für die WM und zieht 2011 mit Siegen über Michael van Gerwen und den damaligen Weltranglistenzweiten James Wade ins Achtelfinale ein. Dort unterliegt der (Wahl-)Österreicher zwar dem Briten Wes Newton, avanciert jedoch zum ersten deutschsprachigen Dartsspieler in einem WM-Achtelfinale.

Mehr zur Darts-WM 2018

Aus dem Sanften – „The Gentle“ – ist längst ein ernst zu nehmender Kontrahent für die arrivierten Akteure von der Insel geworden. Dass er diesen Matchnamen trägt, erläutert eine kleine Anekdote: „Jeder Dartsspieler hat einen Spitznamen. Ich wollte eigentlich ‚Jackpot‘ heißen – ich habe viel gespielt früher, ich war ein kleiner Zocker. Aber leider war der Name schon von Adrian Lewis besetzt. Mein Sponsor hat dann gemeint, dass ich immer so nett bin und dass ‚The Gentle‘ gut zu mir passt“ (ORF.at, 18.12.2015), erklärt Suljović schmunzelnd.

Sanft und soft, das sollte passen, und so tritt Mensur Suljović immer wieder auch bei Soft-Darts-Veranstaltungen an. Zwischen 2010 und 2016 erringt er dreimal den Europameistertitel der European Dart Federation (EDF). Bereits bei den EM-Turnieren der European Dart Union (EDU) gelingen ihm zwischen 2000 und 2003 drei Titelgewinne. Immer häufiger qualifiziert sich Mensur Suljović zudem für die bedeutenden Major-Turniere der PDC.

Im Oktober 2016 ist er endgültig in der Weltspitze angekommen. Auf dem Weg ins Finale der European Darts Championship schaltet er nicht nur sein Idol Phil Taylor aus, sondern besiegt anschließend auch Peter Wright. Die deutliche 1:11-Pleite gegen Michael van Gerwen im Finale muss Suljović verkraften. Freuen kann er sich über Rang sieben im Order of Merit, der PDC-Weltrangliste. Eine höhere Weltranglistenplatzierung hat noch kein deutschsprachiger Spieler erreicht.

Doch Suljović klettert weiter: Platz sechs nach dem Gewinn der Champions League of Darts im September 2017, Platz fünf nach dem Viertelfinale im Grand Slam of Darts Mitte November 2017. Wohin wird die Reise des sympathischen Suljović noch führen? Eines darf ihm auf dem steilen Weg in die Top 3 allerdings nicht wieder passieren: sich mit Blick auf den Sieg zu verrechnen. „Beim letzten Turnier, wo mir das passiert ist, habe ich geschrien. Wahnsinn. Ich habe zwar alles getroffen, was ich hätte treffen müssen, nur habe ich es leider falsch ausgerechnet. Aber das passiert jedem hin und wieder.“

Mit seiner Ehefrau Enisa und der gemeinsamen Tochter lebt Mensur Suljović in Wien. Dort betreibt er sowohl das Café Gentle als auch den Darts Club PM.

Steckbrief

Geboren: 5. März 1972 in Tutin, Jugoslawien (heute Serbien)

Wurfhand: Rechtshänder

Darts: Bull’s 25 g Mensur Suljović

Einlaufmusik: „Live Is Life“ (Opus beziehungsweise Hermes House Band)

Größte Erfolge: PDC-WM-Achtelfinale 2011, 2016, Finalist European Darts Championship 2016, Sieger Champions League of Darts 2017; Softdarts-Weltmeister 1999, 2001, 2005, sechsfacher Softdarts-Europameister

Familienstand: verheiratet mit Enisa, ein Sohn

Die Teilnehmer der Darts-WM 2018

RedaktionsNetzwerk Deutschland PDC Darts-WM 2018 Darts Sport

KOMMENTIEREN

Die besten Bundesliga Quoten werden bereitgestellt von Smartbets.

Mehr Fußball vom Sportbuzzer

KOMMENTARE

Anzeige