Die Richtung, die Frank Flömer (rechts) und Andreas Laesch (Mitte) gerne einschlagen würden, ist für die meisten Spieler offenbar nicht mehr interessant. © Steffen von Deetzen

„Das kannst du nicht aufhalten“

Andreas Laesch über seinen Rücktritt als OT-Trainer und den Trend von Fußball als Beschäftigungstherapie

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Nur rund zwei Jahre konnten sich die Fußballer von OT Bremen in der höchsten Bremer Spielklasse halten. Nun ist der Abstieg aus der Bremen-Liga besiegelt, es geht zurück in die Landesliga. Im Gespräch mit Stefan Freye zieht OT-Coach Andreas Laesch eine persönliche Bilanz, erklärt, warum er sich mit seinem Trainerteam zum Saisonende zurückzieht und was er von der neuen Besetzung mit Ugur Biricik hält.

Herr Laesch, Sie werden zum Saisonende aufhören, ebenso Ihr Assistent Sven Budelmann und Frank Flömer, der Torwarttrainer. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Andreas Laesch: Wir haben in der Rückrunde mit einem sehr kleinen Kader trainiert. Das kannten wir so nicht, unsere Stärke lag immer auch in der Trainingsbeteiligung. Aber in der gesamten Rückrunde waren die Mentalität und die Einstellung zum Leistungsfußball nicht mehr zu sehen.

Diese Klage kommt einem bekannt vor: Sie scheinen auch unzufrieden mit der neuen Spielergeneration, wie so manch anderer Kollege in den Amateurligen?

Ja genau. Das ist eine ganz andere Generation. Wenn das Training mit acht, neun Leuten nur eine Beschäftigungstherapie ist, dann ist das nicht unser Anspruch. Da kannst du keine taktischen Dinge trainieren, keine Laufwege, keine Spieleröffnung. Zudem hatten wir auch nur selten einen Torhüter im Training.

Sie sagen, zumindest ein Teil der Spieler entscheidet sich für die Bremen-Liga, ohne etwas investieren zu wollen?

Der Gedanke Fußball steht an vierter, fünfter Stelle in der Freizeitgestaltung. Die Absagen sind teilweise absurd. Wir trainieren um 19.30 Uhr, und ich erhalte eine halbe Stunde vorher regelmäßig entsprechende SMS. Da sind dann alle Planungen über den Haufen geworfen.

Und deshalb steigt OT nun in die Landesliga ab?

Erst mal muss ich sagen, dass wir völlig zu Recht dort unten stehen. Dort gehören wir hin. Aber es war nicht nur das Quantitätsproblem im Training, sondern auch ein Qualitätsproblem. Doch wenn wir regelmäßig nur mit sieben, acht Spielern trainieren, gibt es automatisch einige, die spielen müssen, aber gar nicht fit sind. Auf der anderen Seite hätten wir die Rückrunde gar nicht überstanden, wenn wir unsere zweiten Herren nicht hätten. Denn Absagen haben wir oft ja auch vor den Spielen erhalten.

Nun gilt das von Ihnen und anderen Trainerkollegen beklagte Mentalitätsproblem aber ja nicht für alle Spieler. Wäre es nicht möglich gewesen, eine zuverlässige Mannschaft zusammenzustellen?

Du kannst ja nicht in die Köpfe der Spieler gucken, und wir sind nicht der Verein, dem die Spieler die Türen einrennen. Mit der Verpflichtung von Jan Friehe vom Bremer SV haben wir im vergangenen Sommer einen Glücksgriff getan. Wir hätten fünf, sechs weitere Zugänge seiner Art gebraucht. Es ist aber schwer, gute und willige Spieler zu OT zu holen. Ein potenzieller Neuzugang fragt auch relativ schnell nach Geld und Prämien, doch so etwas gibt es bei uns nicht. OT gehört ja zu den wenigen Vereinen, bei denen die Spieler sogar noch einen Beitrag zahlen. Da musste ich ihnen also sagen: Geld bekommst du von mir nicht, aber ich bekomme es von dir (lacht). Ein weiteres Argument ist dann auch immer unser schlechter Kunstrasenplatz. Das sind viele banale Dinge, die sich am Ende aber summieren. Dem Verein ist trotzdem kein Vorwurf zu machen. Zu Abteilungsleiter Volker Wittfoth habe ich ein ausgezeichnetes Verhältnis. Ich weiß, was er alles für diesen Verein leistet.

Warum konnte der gute Draht zur Vereinsführung den Abschied nicht verhindern?

Grundsätzlich war unsere Bereitschaft vor vier Wochen ja auch noch vorhanden. Aber dann haben sich von den acht, neun Spielern, auf die wir uns in den vergangenen Monaten verlassen konnten, gleich fünf verabschiedet. Nach der Saison werden Jan Friehe, Jacek Sajewski, Tobias Kruschke, Sergen Umac und Andre Geisler den Verein verlassen. Das sind fünf Leistungsträger und fünf Spieler, die immer beim Training waren. Damit bricht uns die komplette Basis weg.

Sie sind nun schon seit Jahrzehnten im Geschäft, als Spieler und zuletzt als Trainer. Lässt sich die von Ihnen beklagte Entwicklung denn nicht in irgendeiner Weise aufhalten?

Nein, das kannst du nicht aufhalten. Ich glaube, dieser Trend wird sich noch weiter fortsetzen. Und das Niveau wird immer schlechter, weil die Prioritäten eben ganz woanders liegen. Jetzt werden wahrscheinlich zwölf, 13 Trainer die gleichen Probleme haben wie wir, wenn auch in etwas anderer Form. Aber selbst die Vereine, die noch Sponsoren haben und wo noch Geld fließt, werden es zukünftig immer schwerer haben.

Wie geht es mit dem Trainertrio Laesch/Budelmann/Flömer weiter?

Darüber haben wir uns noch keine Gedanken gemacht. Erst einmal ging es darum, ob wir bei OT aufhören. Es war uns einfach der Spaß verloren gegangen. Und wir haben am Ende keine Perspektive mehr gesehen.

Mit Ugur Biricik gibt es bereits einen Nachfolger.

Richtig, und ich halte ihn für die momentan bestmögliche Lösung. Er spielt jetzt bereits in der Ü32 von OT und hat zuvor bei Vatan gute Arbeit als Trainer eines Bremen-Ligisten geleistet. Zudem hat er Kontakte zu vielen jungen Spielern, auf die wir gar keinen Zugriff mehr haben.

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