01. Februar 2018 / 18:32 Uhr

Das "Skandalspiel" beim SV Babelsberg 03: Chronologie eines Streits

Das "Skandalspiel" beim SV Babelsberg 03: Chronologie eines Streits

Mirko Jablonowski
Die Nachfolgen der Partie zwischen Babelsberg 03 und Energie Cottbus im April 2017 erreichten auch DFB-Präsident Reinhard Grindel.
Die Nachfolgen der Partie zwischen Babelsberg 03 und Energie Cottbus im April 2017 erreichten auch DFB-Präsident Reinhard Grindel. © Kuppert/dpa/Imago
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Vor angedrohtem Ausschluss: Babelsberg 03 mit offenem Brief an NOFV-Geschäftsführung.

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Der bundesweit für Schlagzeilen sorgende Streit zwischen dem Fußball-Regionalligisten Babelsberg 03 und dem Nordostdeutschen-Fußballverband (NOFV) geht weiter. Am Donnerstag wandte sich der SVB, der das gefällte Urteil für Vergehen rund um das Spiel gegen Energie Cottbus in der vorliegenden Form nicht akzeptiert, mit einem offenen Brief an die NOFV-Geschäftsführung. Bislang das letzte Kapitel eines seit vergangenem April schwelenden Streits zwischen dem Kiezverein und den Rechtsorganen. Die Chronologie:

  • 28. April 2017: Beim Regionalligaspiel Babelsberg 03 gegen Energie Cottbus (2:1) zündeten beide Fanlager Pyrotechnik, Anhänger stürmten den Platz, Cottbuser zeigten im Gästeblock den Hitlergruß und skandierten antisemitische Parolen. Die Partie musste zweimal für mehrere Minuten unterbrochen werden und stand kurz vor dem Abbruch.
  • 1. Mai 2017: Energie Cottbus verurteilt die Ausschreitungen in einer Vereinsmitteilung.
  • 22. Juni 2017: 10 000 Euro wegen der Ausschreitungen in Babelsberg, 6000 Euro wegen Vorkommnissen in Meuselwitz, Bautzen und Leipzig: Der NOFV verurteilt Energie zu einer Geldstrafe von insgesamt 16 000 Euro. Hinzu kommt ein Geisterspiel im Stadion der Freundschaft. Cottbus legt Berufung ein.
  • 28. Juni 2017: Babelsberg 03 wird wegen unsportlichen Verhaltens seiner Anhänger vom NOFV-Sportgericht zu einer Geldstrafe von 7000 Euro verurteilt. Zudem wird ein Meisterschaftsspiel in der Regionalliga Nordost unter Ausschluss der Öffentlichkeit angedroht.
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  • 24. Juli 2017: Energie hat mit seiner Berufung Erfolg. Das erste Heimspiel der Saison gegen Chemie Leipzig muss nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen werden, dafür dürfen zur Auswärtspartie in Babelsberg im April 2018 keine Gästefans mitgebracht werden und muss eine Ausgleichszahlung an den Gastgeber geleistet werden. Zudem wurden von den 10 000 Euro Geldstrafe 4000 zur Bewährung ausgesetzt.
  •  11. August 2017: Die Berufung des SVB, der nicht akzeptiert, dass die rechtsradikalen und antisemitischen Parolen der Cottbuser Anhänger nicht geahndet wurden, die ,Nazischweine raus’-Rufe eines Babelsberger Fans aber in der Urteilsverkündung mit aufgeführt waren, wird vom NOFV-Vorgericht wegen formaler Mängel (fehlende Unterschrift) abgelehnt.
  • 13. September 2017: Babelsberg 03 kündigt Gang vor das Zivilgericht an: „Wir lassen uns nicht verbieten, sich gegen Nazis zu wehren!“
  • 22. September 2017: Kampagne „Nazis raus aus den Stadien“ des SV Babelsberg 03 gegen rechte Hetze startet. Ein Teil des Erlöses soll helfen, die Kosten für die rechtlichen Auseinandersetzungen mit dem NOFV und die verhängte Strafe von 7000 Euro zu finanzieren. Künftig sollen Erlöse der breit angelegte Kampagne dazu dienen, freie Fanprojekte bei ihrer Arbeit gegen rechte Umtriebe zu unterstützen.
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  • 25. September 2017: Babelsbergs Vorsitzender Archibald Horlitz wendet sich mit einem offenen Brief an den DFB-Präsidenten Reinhard Grindel.
  • 29. September 2017: Grindel beantwortet den offenen Brief. Der 56-Jährige verteidigt den zuständigen NOFV-Richter Stephan Oberholz, der ein neues Verfahren gegen Energie Cottbus einleitet, bei dem auf die rechtsradikalen und antisemitischen Parolen im Gästeblock eingegangen wird.
  • 12. Oktober 2017: In einer gemeinsamen Erklärung rufen die Stadt Cottbus, Energie, die Polizei und die Bundespolizei die Fans beider Teams zu friedlichem Verhalten auf.
  • 15. Oktober 2017: Unter starken Sicherheitsauflagen läuft das Spiel zwischen Cottbus und Babelsberg 03 friedlich ab (4:0).

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  • 24. November 2017: Mit Blick auf die Parolen aus dem Energie-Block hat das Sportgericht des NOFV in dem neu eingeleiteten Verfahren (nach Reaktion von Reinhard Grindel auf den offenen Brief des SVB) Energie Cottbus wegen eines unsportlichen und diskriminierenden Verhaltens seiner Anhänger im Karl-Liebknecht-Stadion mit einer Geldstrafe in Höhe von 5000 Euro belegt, wovon 2000 Euro für präventive Maßnahmen gegen Rechtsextremismus und Rassismus verwendet werden können.
  • 27. November 2017: Cottbus zeigt sich irritiert über die 5000-Euro-Geldstrafe und legt gegen das Urteil erneut Berufung ein.
  • 8. Januar 2018: Der Berufung wird in vollem Umgang stattgegeben.
  • 17. Januar 2018: Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes hat fristgerecht Revision beim DFB-Bundesgericht gegen das Urteil des Verbandsgerichts des NOFV vom 8. Januar eingelegt.
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  • 19. Januar 2018: Archibald Horlitz wendet sich mit einem zweiten offenen Brief an das DFB-Präsidium, da trotz der zunächst verhängten Strafe gegen Energie keine Korrektur des Urteils gegen Babelsberg stattfand und die Ende Juni verhängte Strafe weiter Bestand haben soll.
  • 30. Januar 2018: Die zweite Mahnung des NOFV zur Zahlung der Strafe von 7000 Euro erreicht die Babelsberger Geschäftsstelle. Bei Nichtzahlung droht Nulldrei der Ausschluss vom Spielbetrieb.
  • *31. Januar 2018: *Der FC Energie Cottbus veranstaltet erstmalig einen "Runden Tisch für Vielfalt". Damit setzten Vertreter des Fußballvereins, des Innenministeriums, des Verfassungsschutzes, des NOFV sowie des FLB das gemeinsame Ziel zur Positionierung für demokratische Werte, Vielfalt und Toleranz fest.
  • 1. Februar 2018: Der SVB schreibt einen offenen Brief an die NOFV-Geschäftsführung und bietet ein persönliches Gespräch an, um zu diskutieren, „wie diese verfahrene Situation bereinigt werden kann“.
  • 2. Februar 2018: Die Frist des NOFV zur Zahlung der Geldstrafe des SV Babelsberg 03 endet. Außerdem werden die Filmstädter zur Zahlung einer weiteren Geldstraft verurteilt. 4.500 Euro soll der Verein für Verfehlungen der Fans in den Partien gegen Fürstenwalde (Pyrotechnik) und Altglienicke (Werfen eines Bierbechers auf den Schiedsrichter-Assistenten) zahlen. SVB-Präsident Archibald Horlitz sagte in dem Vereinsstatement: "Der NOFV hat jegliches Augenmaß verloren." Beim Spiel gegen Chemie Leipzig (4:0) gibt es in beiden Fanlagern viele Spruchbänder gegen den NOFV.
  • 6. Februar 2018: Der NOFV kündigt am Vormittag an, dass eine Entscheidung über eine Spielsperre gegen Babelsberg erst am Donnerstag verkündet wird. Am Nachmittag trifft dann allerdings schon das Fax des Verbands bei den Babelsbergern ein. "Lügen und Irreführung des NOFV gehen nahtlos weiter!", verkündet SVB-Präsident Archibald Horlitz. Gleichzeitig bitten die Babelsberger um Spenden und wünschen sich ein Testspiel gegen einen Erst- oder Zweitligisten.
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